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Stadt lenkt überraschend einReisebusse kehren ans Rheinufer in Köln zurück

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Busfahrer Herbert Czarnetzki beweist am Rheinufer, wie man mit einem Reisebus problemlos zu den Kreuzfahrtschiffen kommt.

Busfahrer Herbert Czarnetzki bewies im Sommer 2025 am Rheinufer, wie man mit einem Reisebus problemlos zu den Kreuzfahrtschiffen kommt. 

Es bedarf noch ein paar technischer Vorbereitungen, ein Blumenbeet muss weg, dann dürfen die Reisebusse wieder den Parkstreifen am Rheinufer nutzen.

Mittwochs ist es immer besonders voll am Rheinufer in Höhe der Bastei. Man ist geneigt, die morgendliche Laufrunde zu unterbrechen und anzupacken, um Koffer, Taschen und Rollatoren der Köln-Besucher von den Anlegern der Kreuzfahrtschiffe die steilen Treppen hinauf auf den Rad- und Fußweg zu wuchten. Dort warten sie mit ihren Besitzern auf die Ankunft der Reisebusse, deren Fahrer höllisch aufpassen müssen, dass sie beim Ein- und Ausladen des Gepäcks mitten auf der Rheinuferstraße nicht unter die Räder kommen.

Das geht jetzt seit vier Jahren so, seit die denkmalgeschützte Bastei mit einem Korsett versehen wurde, damit sie nicht zusammenbricht. Vier Jahre, in denen Reisebusse nicht mehr ans Ufer fahren durften, weil sie nach Einschätzung von Verkehrsexperten in der Stadtverwaltung drohten, an der Bastei die Kurve nicht zu kriegen.

Reisebusse am Rhein: Entscheidung mit langer Vorgeschichte

Doch jetzt hat die Stadt überraschend eingelenkt: Am Mittwoch gibt sie bekannt, dass die Busse nun doch wieder ans Rheinufer fahren dürfen, um sicheres Aus- und Einsteigen möglich zu machen. Es bedarf noch ein paar technischer Vorbereitungen, ein Blumenbeet muss weg, dann dürfen die Reisebusse wieder den Parkstreifen am Rheinufer nutzen.

Diese Entscheidung hat eine sehr lange Vorgeschichte. Es ist ja nicht so, als hätte man sich nicht darum bemüht, das Problem aus der Welt zu schaffen: Busunternehmer, Köln-Tourismus, Ratsmitglieder, Touristik-Unternehmen, die Industrie- und Handelskammer und das Dezernat für Mobilität. In einem eigens dafür einberufenen Reisebusforum.

Alle waren guten Willens und sich nach gut zwei Jahren einig: Genial einfach. Wir drehen die Einbahnstraße um, fahren an der Bastei nicht rein, sondern raus. Doch der Test-Reisebus, entwickelt an einem Runden Tisch unter Federführung der IHK, ging in der einjährigen Detailplanung der Stadtverwaltung der Sprit aus. Im Computer-Simulationsprogramm setzte er an einer Bodenwelle kurz auf und scheiterte dann an einem Hindernis kurz vor der Ausfahrt, das die einen als Blumenbeet, die anderen als „Böschung mit Steinumfassung“ bezeichnen.

Das war’s dann wohl. Am Ende hat keiner mehr an eine Lösung geglaubt. Das Reisebusforum wurde im Juni 2025 zu Grabe getragen.

Mitte Januar 2026 teilt das Verkehrsdezernat bei einem weiteren Treffen mit der IHK und anderen Mitgliedern des ehemaligen Reisebusforums mit, dass das offizielle Budget für die Errichtung eines Reisebushaltepunktes an der Bastei bei null Euro liegt: „Der Knackpunkt ist die Festlegung der fachlich richtigen Federführung zur baulichen Anpassung des Blumenbeets“, heißt es in einem Protokollvermerk. 

09.07.2025, Köln: Markus Klein, Inhaber des Busunternehmens Piccolonia, zeigt uns am Rheinufer, wie man mit einem Reisebus problemlos zu den Kreuzfahrtschiffen kommt. Die Stadt behauptet das Gegenteil. Foto: Arton Krasniqi

Der Bus fährt entgegen der Einbahnstraßenrichtung. Diese Fahrt hat die Stadt am Ende doch überzeugt.

Für die Geschäftsführerin der Rhein River Company, die im Frühjahr ihren Anleger am Konrad-Adenauer-Ufer mit großem finanziellem Aufwand erneuern lässt, damit dort zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig liegen können, ist diese Nachricht eine Katastrophe. Die Nachfrage nach Flusskreuzfahrten sei unverändert hoch. Was das Ufer-Fahrverbot für Reisebusse angeht, habe sie die Hoffnung aufgegeben, dass die Stadt sich noch bewege, sagt Heike Scorl, das Kofferschlepper-Elend aus ihrem Bürofenster immer vor Augen.

Mittwochs ist es immer besonders voll am Rheinufer. Doch seit Mittwoch dieser Woche ist alles anders. Auf erneute Nachfrage unserer Zeitung teilt die Stadtverwaltung mit, dass die Einbahnstraße für Busse jetzt doch freigegeben werden kann.

Nach der baulichen Anpassung der Böschungseinfassung kann die Rampe von Reisebussen zur Ausfahrt auf das Konrad-Adenauer-Ufer genutzt werden
Stadtverwaltung

Im Wortlaut heißt es: „Im Juli 2025 gelang dem Fahrer eines Kölner Reisebusunternehmens die Ausfahrt aus der Einbahnstraße Trankgassenwerft über die nördliche Rampe mit einem leeren Bus. Die Ausfahrt erfolgte entgegen der Richtung der Einbahnstraße. Damit jedoch voll besetzte lange Reisebusse die Engstelle im Kurvenbereich passieren können, ist eine bauliche Anpassung erforderlich. Bei der Prüfung der Ausfahrt aus der Einbahnstraße Trankgassenwerft hat sich gezeigt, dass die Einfassung einer Böschung ein Hindernis darstellt. An der Steinumfassung sind Abbruch- und Schleifspuren sichtbar, die auf Kollisionen beim Ausschwenken zum Ausfahren aus der Trankgassenwerft hindeuten. Nach der baulichen Anpassung der Böschungseinfassung kann die Rampe von Reisebussen zur Ausfahrt auf das Konrad-Adenauer-Ufer genutzt werden.“

Was muss das für ein tollkühner Busfahrer sein, der gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt, um die überwiegend älteren Kreuzfahrttouristen aus aller Herren Länder von den Schmerzen des Kofferschleppens zu befreien?

Da kommt man doch ganz locker rum
Herbert Czarnetzki, Busfahrer

Die Antwort fällt uns leicht. Schließlich waren wir dabei, denn diese Zeitung hatte bei einem Busunternehmen angefragt, die Fahrt entgegen der Einbahnstraßenrichtung einfach mal zu probieren. Es fuhr Herbert Czarnetzki, zu diesem Zeitpunkt 73 Jahre alt, seit 40 Jahren Busfahrer aus Leidenschaft. Und er hat einen Chef, der den städtischen Problemberg mit Aufsetzgefahr zwischen Machabäerstraße und Bastei am frühen Morgen des 21. Juli 2025 ein für alle Mal aus dem Weg schaffen will: Markus Klein, Inhaber des Busunternehmens Piccolonia-Reisen.

„Da kommt man doch ganz locker herum“, sagt Czarnetzki und muss nicht einmal rangieren, als er den Bus an der Bastei-Ausfahrt auf die Rheinuferstraße fährt. Die Stadtverwaltung sieht das zunächst anders, aber lenkt acht Monate nach der erfolgreichen Probefahrt dann doch ein. Und so wird Czarnetzkis Fahrt doch noch eine historische sein. Er ist der Mann, dem es gelang, mit einer einzigen Busfahrt eine Einbahnstraße umzudrehen. Das ist jetzt amtlich. Am Mittwoch, dem 29. April 2026. Auch wenn es noch ein paar Tage dauern wird.