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Kommentar zur Olympia-BewerbungKöln und NRW können am Sonntag viel gewinnen

3 min
Auf dem Messehochhaus leuchtet der Schriftzug "JA"

Das Ja zu Olympia leuchtet auf dem Kölner Messe-Hochhaus.

Schon aus der Idee von Olympia kann sich eine große Dynamik entwickeln, findet Jens Meifert. 

Im Sport gilt eine einfache Regel: Siege werden erst gefeiert, wenn die Ziellinie überlaufen oder der entscheidende Treffer gesetzt ist. Alles andere sind hübsche Zwischenstände -  die im Zweifel am Ende nichts wert sind. Insofern beschreiben die positiven Ergebnisse der Olympia-Umfrage im Auftrag von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau nur eine starke Tendenz. Und doch sagt das Ergebnis  viel aus. Über die Befindlichkeit der Menschen mit Blick auf die Spiele und über die Chancen Kölns, die sich schon mit einer Bewerbung  eröffnen.

Olympische Spiele sind und waren immer Geschichten voller Verheißungen. Die Spiele erzählen die Story einer heilen Welt, in der der Bessere gewinnt und der Verlierer fair gratuliert, die Spiele grenzen nicht aus, sie vereinen, hier werden Träume inszeniert und gelebt. Dabei sein? Mindestens alles. Es ist die größte Bühne, die der Sport zu bieten hat. Aber es ist auch der Blick in  eine bessere, strahlende Zukunft. Dass die Realität mit dieser Vision nicht immer Schritt halten kann - das ist eine andere Sache.

Lust auf Olympia ist nicht selbstverständlich

Die Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen lässt sich von der olympischen Idee begeistern. Noch wichtiger für die Vertreter der Olympia-Initiative an Rhein und Ruhr: In den 17 an der Bewerbung beteiligten Kommunen ist die Zustimmung sehr entschieden pro Spiele, die Zeichen stehen auf „Ja“. Das zeigt, dass die Menschen im größten Bundesland Lust haben, nach über 50 Jahren wieder die Wettkämpfe in  Deutschland zu erleben. Das ist nicht selbstverständlich, es gab zahlreiche gescheiterte Anläufe in der Vergangenheit. Und es sind Zeiten, in denen die meisten Menschen ganz andere Sorgen haben. Es zeigt, dass sie ihren Optimismus nicht verloren haben. 

Gerade für Köln könnte daraus eine neue Dynamik entstehen. Die Stadt neigt dazu, sich selbst klein zu reden, die Zweifel größer zu schreiben als die Chancen oder schlimmer noch: sich nichts mehr zuzutrauen. Noch immer fährt die U-Bahn nicht durchgehend von Süd nach Nord, noch immer ist die Oper nicht eröffnet. Manch einer zuckte zusammen, als der OB auf dem ein oder anderen Podium kund tat, man sei im Wettbewerb um die Ringe schlicht besser als München. Ein klares Ja für die Spiele in der führenden Stadt der Bewerbung könnte da doppelt Kräfte freisetzen: für die Bewerbung selbst, aber auch nach innen in die Stadt. Ja, wir können das!

Olympia verspricht eine Schubkraft

Wenig überraschend sehen die meisten Menschen den Image-Gewinn, die Bekanntheit und die Tourismus-Ströme als größten Zugewinn. Vor allem in den Bewerberstädten werten die Befragten den versprochenen Ausbau der Infrastruktur, der Verkehrswege  und des Stadtbildes als Chance. Das ist auch in Köln ein schlagendes Argument. Die Stadt benötigt dringend eine Idee, wie sie ihre Brücken, Straßen und Plätze wieder in Schuss bringt, wie sie sich modernisiert, mehr Wohnungen baut, schnellere Verkehrsverbindungen schafft. Kurz: Lösungen für all die großen Probleme, die anstehen, für die aber das Geld fehlt. Olympia verspricht da eine Schubkraft. 

Für Köln und NRW geht es an diesem Sonntag nur um den ersten Schritt. Je breiter die Zustimmung in möglichst allen 17 beteiligten Kommunen ausfällt, desto besser sind die Chancen gegenüber den anderen deutschen Bewerberstädten: Hamburg, Berlin und München. In der bayerischen Landeshauptstadt haben 66,4 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für Olympia gestimmt. Das ist eine Ansage. Aber jedes klare Votum wäre ein gutes Signal. Nach innen und nach außen. Und wenn die Idee von Olympia am Ende nur dazu führt, dass Köln und die Menschen wieder an die eigenen Stärken glauben - dann ist schon viel gewonnen.