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Nagelbombenanschlag von 2004Die nächsten Jahre passiert nichts – Erneut Verzögerung beim Keupstraßen-Mahnmal

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Der „NSU“ verübte den Anschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004

Der „NSU“ verübte den Anschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004.

Das Mahnmal in der Keupstraße rückt erneut nach hinten. Denn der Baubeginn auf dem Nachbargrundstück ist laut Investor ungewiss.

Bald jährt sich der Nagelbombenschlag in der Keupstraße zum 22. Mal – und noch immer gibt es kein Mahnmal, das an den rechtsextremen Terror des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) und seine Kölner Opfer erinnert. Laut einem Bericht des WDR ist auch in den kommenden Jahren nicht damit zu rechnen, dass der Gedenkort realisiert werden kann. Der Bau würde demnach frühestens 2030 beginnen. Das hängt mit dem Nachbargrundstück und einem Investor zusammen.

Der Kölner Stadtrat hatte 2014, zehn Jahre nach dem Attentat vom 9. Juni 2004, den Beschluss zu einem Mahnmal gefasst. 2016 wählte eine Jury den Entwurf des Berliner Künstlers Ulf Aminde aus: Ein hybrider Erinnerungsort mit einer Bodenplatte und einem multimedialen Teil sollte demnach entstehen. Seitdem ist aber wenig passiert. Das Grundproblem ist, dass der gewählte Standort in Sichtweite des Tatorts bislang nicht der Stadt gehörte, sondern privaten Eigentümern, zuletzt dem Düsseldorfer Immobilienentwickler Gentes. Dieser sagte 2021 zu, der Stadt das südöstliche Ende des Areals für das Mahnmal zu überlassen. Dass die Realisierung noch Jahre dauern wird, wurde schon 2025 deutlich. Die Verzögerung sorgt bei Anwohnern und Betroffenen für Frust.

Der 20. Jahrestag des Nagelbombenanschlags wurde 2024 mit einer großen Gedenkveranstaltung begangen. Parallel zum Kulturfest Birlikte nahm ein Kuratorium für das Denkmal seine Arbeit auf, der digitale Teil des Mahnmals wurde geplant. Die damalige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker wertete dies als positiven Schritt in die richtige Richtung. Beim architektonischen Teil trat man aber auch ein Jahr später immer noch auf der Stelle. Reker sagte im Juli 2025: „Ich finde es schrecklich, dass wir es noch nicht geschafft haben, das Mahnmal zu errichten.“ Auch 2026 werde wohl kein Baubeginn sein.

Neubauten der Gentes-Group verzögern sich

So ist es auch gekommen. Stattdessen machten Berichte über die Verwahrlosung des Grundstücks die Runde. Obdachlose und Drogenabhängige waren dort zu finden. Die alten Industriehallen vermüllten zusehends. Nach dem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurden die Hallen auf der Industriebrache „Alte Feuerwache“ mittlerweile abgerissen.

Gentes plant in dem gesamten Bereich nach wie vor den Bau von mehr als 300 Wohnungen, so der letzte Stand. Außerdem sollen dort Büro- und Gewerbeflächen entstehen. Laut WDR werde für die Neubauten der geplante Standort des Mahnmals aber als Baustelleneinrichtung benötigt, erst danach könnte dann die Fläche dort gestaltet werden.

Aber momentan würden für die Neubauten keine Nutzer gefunden, so Gentes. Grund sei die schlechte Lage auf dem Immobilienmarkt. Ein Baubeginn ist also vorerst nicht in Sicht. „Angesichts der 33 Monate dauernden Bauarbeiten stehe das Gelände für das Mahnmal frühestens im Jahr 2030 zur Verfügung“, zitiert der WDR den Immobilienentwickler.