Sie lag oft mit der Stadt Köln über Kreuz wegen des lange ausbleibenden Anbaus für das Wallraf-Richartz-Museum. Jetzt ist Marisol Corboud gestorben.
„Große Unterstützerin für Köln“Marisol Corboud mit 89 Jahren gestorben

Mit 89 Jahren gestorben: Marisol Corboud.
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Wer über die Jahre mit Marisol Corboud telefonierte, konnte erleben, wie die Witwe des Kunstmäzens Gérard Corboud leidenschaftlich für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums (WRM) argumentierte. Die Stadt Köln stand ja bei Gérard Corboud im Wort für dieses Gebäude.
170 Bilder hatte der Schweizer Gérard Corboud der Stadt über die Fondation Corboud als „ewige Leihgabe“ übergeben. Seitdem trägt das Museum den Namen als Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Marisol ist zuletzt deren Präsidentin.

Das Wallraf-Richartz-Museum (rechts) und der Anbau dahinter.
Copyright: Christ & Gantenbein
Doch schon 2001, bei der Eröffnung des WRM-Neubaus in der Innenstadt, ist klar, dass für diese Werke nicht genug Platz im WRM ist. Die Stadt verpflichtet sich, mehr Raum zu schaffen – doch über viele Jahre tut sich sehr wenig in der Sache, Planung und Bau kommen nicht voran.
Gérard Corboud ist darüber erbost, lehnt die vorgeschlagene Ehrenbürgerschaft ab, stirbt im Jahr darauf mit 91 Jahren, der Erweiterungsbau ist weit entfernt.
Das hat alles schon viel zu lange gedauert
Seine Witwe Marisol, gebürtige Kölnerin und wohnhaft in der Schweiz, kann über all die Jahre nicht nachvollziehen, warum die Stadt Köln das Gebäude nicht längst gebaut hat, warum sie ihm keine höhere Priorität einräumt, warum das alles so lange dauert.
In diesen Momenten kann sie sehr mit der Kölner Verwaltung und dem Stadtrat hadern, sagt Sätze wie: „Das hat alles schon viel zu lange gedauert.“ Oder: „Köln hat die schlechteste Regierung, die ich kenne. Köln ist eine Katastrophe, sogar Düsseldorf ist besser organisiert.“ Und: „Das ist alles nur Geschwätz.“
Witwe kämpfte für den Wunsch ihres Mannes
Als Mitglied des Stifterrats bearbeiten Marisol Corboud und dessen Vorsitzender Peter Jungen die Verwaltung ohne Unterlass, um an ihr Ziel zu kommen: dass die Stadt den Erweiterungsbau umsetzt. Die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) betont damals, sich nicht unter Druck setzen zu lassen.
Corboud droht sogar damit, 19 Bilder der Leihgabe der Fondation Surpierre abzuziehen und tut das 2019 auch. Die Bilder haben nichts mit der Sammlung Corboud zu tun.

Der Spatenstich für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums im Mai 2024: NRW-Kulturministerin Ina Brandes, Stifterratsvorsitzender Peter Jungen, Marisol Corboud, die damalige OB Henriette Reker und Architekt Christoph Gantenbein.
Copyright: Michael Bause
Erst ab 2020 sind versöhnlichere Töne zu hören, damals beschließt der Stadtrat den Erweiterungsbau. Er soll neben dem Haupthaus entstehen, nur die Martinstraße wird die beiden Häuser trennen, ein unterirdischer Tunnel soll die zwei Gebäude verbinden. Marisol Corboud sagt damals: „Ich bin erleichtert, weil ich weiß, dass es der tiefste Wunsch meines Mannes war.“
Ein Wunsch, den er nicht mehr erlebt hat – ebenso wie seine Witwe, die laut Peter Jungen kurz vor dem Wochenende mit 89 Jahren verstorben ist. 2024 hat sie noch am Spatenstich teilgenommen, sagt damals: „Mein Mann ist zwar nicht mehr unter uns, aber er ist immer da.“ Sie lobt sogar die Stadt und Reker.
Stadt Köln habe „große Unterstützerin“ verloren
WRM-Museumsdirektor Marcus Dekiert dankt ihr seinerzeit für ihre kritische und vertrauensvolle Begleitung des Projekts. Bei der Grundsteinlegung ein Jahr später ist sie nicht mehr dabei.
Mittlerweile sind für den Erweiterungsbau Kosten von 129,7 Millionen Euro veranschlagt, er soll Ende 2028 eröffnen – ebenso wie das Haupthaus nach seiner Generalinstandsetzung für 29,6 Millionen Euro. Zwischenzeitlich muss das Haus deshalb sogar demnächst insgesamt rund 18 Monate komplett schließen.
Am Sonntag teilt der Stifterrat mit: „Marisol Corboud hat seit Jahren immer wieder bedauert, dass der Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums noch nicht erstellt ist. Sie hat die Bemühungen des Stifterrats um die Errichtung des Erweiterungsbaus nachhaltig und deutlich unterstützt.“ Die Stadt Köln habe eine große Unterstützerin verloren.

