Eine Glückwunschkarte mit Melodiechip, blinkende Schuhe, Kinderspielzeug, oder eine E-Zigarette: All diese Gegenstände können eine zerstörerische Wirkung entfalten, wenn sie falsch entsorgt werden. Wie verheerend die Folgen sein können, weiß Christian Hündgen ganz genau. Auf dem Gelände seines Swisttaler Entsorgungs- und Recyclingunternehmens gab es vier Großbrände innerhalb von nur drei Jahren. Zuletzt gingen im Juli rund 200 Tonnen Kunststoffabfall in Flammen auf. Eine schwarze Rauchwolke, die weithin im Kreisgebiet zu sehen war, stand über dem Swisttaler Ortsteil Ollheim. Im Sommer 2025 soll ein beschädigter Akku in einem Zerkleinerungsgerät in der Müllsortierungsanlage zu einem Großbrand geführt haben. Damals entstand ein Schaden von mindestens zwei Millionen Euro. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Tage. Nur sieben Wochen später folgte ein weiterer Großbrand, auch damals brannte eine Halle nieder. „Tag für Tag brennen Sammelfahrzeuge und Recyclinganlagen, Millionenwerte werden vernichtet und, noch schlimmer, Menschen gefährdet, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Schwerverletzten oder Todesopfer zu beklagen sind“, warnt Hündgen, der zugleich NRW-Landesvorsitzender des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) ist.
Sortierung per Maschine: Keine hundertprozentige Sicherheit
Hündgen verwertet in Ollheim vor allem Müll aus Privathaushalten und hat sich auf gelbe Säcke spezialisiert. Nach eigenen Angaben verarbeitet das Unternehmen den Plastikmüll von vier Millionen Menschen, was einem Marktanteil von fünf Prozent in Deutschland entspricht. Der Abfall werde vollautomatisch sortiert und verarbeitet; nur an wenigen Stellen erfolgten Nachkontrollen von Hand. So würden auch Akkus aussortiert, wie alles andere, was nicht in den gelben Sack gehöre. Die Geräte lieferten jedoch keine hundertprozentige Sicherheit. Deshalb habe man bundesweit das Problem, dass Müllwagen oder Verwertungsbetriebe brennen. Neben diesen großen Brandereignissen beschäftigen den Swisttaler Entsorger immer wieder kleine Feuer. Seine Mitarbeiter rücken regelmäßig aus, um kleinere Brände zu löschen. Dazu zählen etwa ferngesteuerte Spielzeugautos, die ihre Besitzer achtlos weggeworfen haben.
Zahl der Brände fast verdreifacht
Wie sehr Entsorger inzwischen mit brennenden Batterien zu kämpfen haben, zeigt eine Auswertung mehrerer Branchenverbände, die am Mittwoch (14. Oktober) veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse sind beunruhigend: Die Zahl der Brandereignisse in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft hat sich demnach innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht. Allein in 181 untersuchten Anlagen entstanden zwischen 2021 und 2025 Schäden von schätzungsweise 250 bis knapp 400 Millionen Euro. Der Anteil der Brandereignisse, die auf Lithium-Ionen-Batterien zurückgeführt werden, ist laut Erhebungen der Verbände zwischen 2021 und 2025 von rund 63 auf 73 Prozent gestiegen. In nahezu der Hälfte der befragten Anlagen lag der überwiegende Brandentstehungsort 2025 bereits vor dem ersten Aufbereitungsaggregat, etwa bei der Anlieferung, in Lagern, Bunkern oder Fahrzeugen.
Die Recyclingwirtschaft könne die Risiken nur begrenzt beeinflussen, trage die wirtschaftlichen Folgen aber bislang weitgehend alleine, betont Hündgen. Selbst erhebliche Investitionen in den Brandschutz allein könnten das Problem nicht lösen. Prävention müsse früher ansetzen – bevor Batterien und batteriehaltige Geräte falsch entsorgt werden und in die Anlagen gelangen. „Wir müssen die Ursachen bekämpfen, statt nur die Folgen zu begrenzen“, betont der Chef des Swisttaler Entsorgers. In den vergangenen Jahren sei die Zahl batteriebetriebener Produkte, die aufgrund ihrer Größe leicht im Hausmüll landen können, stark gestiegen – und damit auch die Zahl der Fehlwürfe.
Auch die RSAG kämpft mit Fehlwürfen: Brand in Troisdorf
Diese Fehlwürfe beschäftigen immer wieder auch die Rhein-Sieg-Abfallgesellschaft (RSAG). Im August 2025 brannte es in der Entsorgungsanlage an der Josef-Kitz-Straße in Troisdorf. Das Feuer war in einem Restmüllbunker ausgebrochen und hatte auf einen angrenzenden Bunker mit Altpapier übergegriffen. 95 Eisatzkräfte der Feuerwehr waren im Einsatz, Brandschutzwände verhinderten Schlimmeres. Dass die Schäden verheerend sein können, verdeutlicht die Studie: Von den ermittelten Gesamtschäden entfallen demnach schätzungsweise 200 bis 320 Millionen Euro auf Brandereignisse mit Lithium-Ionen-Batterien als wahrscheinliche Ursache. Neben Sachschäden berücksichtigt die Studie auch Betriebsunterbrechungen, Feuerwehreinsätze und weitere wirtschaftliche Folgen.

Brand bei der RSAG in Troisdorf.
Copyright: RSAG
Parallel verschärft sich laut den Entsorgern die Lage auf dem Versicherungsmarkt. Hündgen warnt: „Zugleich müssen Recyclinganlagen wieder zu angemessenen Bedingungen versicherbar sein. Andernfalls drohen weitere Betriebseinschränkungen und Geschäftsaufgaben. Auch notwendige Investitionen in Innovationen und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft stehen auf dem Spiel.“
Die Entsorgungswirtschaft sieht die Hersteller stärker in der Pflicht. Die Verbände schlagen deshalb einen Präventions- und Ausgleichsfonds vor, den die Hersteller finanzieren sollen. Weitere Brände sind aus ihrer Sicht absehbar. Sensoren in den Anlagen könnten zwar einen Teil der Batterien aufspüren, aber nicht alle.
Die Verbände begrüßen die neue EU-Batterieverordnung. Ab dem 18. Februar 2027 müssen Gerätebatterien so konstruiert sein, dass Nutzerinnen und Nutzer sie problemlos selbst entnehmen können. Uwe Feige, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), spricht sich für wohnortnahe Depotcontainer für Elektroschrott aus, damit Verbraucher ihre Altgeräte leichter entsorgen können. Wichtig sei zudem, die Menschen immer wieder darüber aufzuklären, wo Batterien hingehören: nicht in den Restmüll oder die Gelbe Tonne. Stattdessen stehen Wertstoffhöfe zur Verfügung. Größere Akkus von E-Bikes nehmen häufig auch Fahrradhändler zurück.
Die Rhein-Sieg-Abfallgesellschaft (RSAG) hat nach diversen Vorfällen bereits im Sommer diesen Jahres eine Kampagne zur richtigen Entsorgung gestartet. Die RSAG macht unter anderem mit Plakaten und Videos auf diese von vielen Menschen oft unterschätzte Gefahr aufmerksam. Auf ihrer Internetseite bietet die Abfallgesellschaft Videos und weitere Informationen zur sicheren Entsorgung von Batterien und Akkus an. Lose Batterien und Akkus können laut der RSAG entweder im Handel zurückgegeben werden oder kostenfrei bei den RSAG-Entsorgungsanlagen in Sankt Augustin und Eitorf, sowie beim Wertstoffhof in Troisdorf oder beim Elektro-Kleinteile-Mobil.
www.rsag.de/richtig-entsorgen

