Abo

Flowserve SihiBeschäftigte in Troisdorf bangen um ihre Arbeitsplätze

3 min
Die Beschäftigten von Flowserve Sihi am Standort Troisdorf protestieren gegen die Schließung. Unterstützung kam am Freitag, 27.2., von Kollegen aus Itzehoe

Die Beschäftigten von Flowserve Sihi am Standort Troisdorf protestieren gegen die Schließung. Unterstützung kam am Freitag, 27.2., von Kollegen aus Itzehoe

Von Oberlar aus nehmen die Beschäftigten Serviceaufgaben für die Kunden des Pumpenherstellers wahr. Die Geschäftsleitung in Itzehoe plant, den Standort zu schließen.

„Ich habe gerne hier gearbeitet“, sagt Maurizio Filz, geradezu familiär nennt er die Atmosphäre. 2021 hat der junge Mann aus Wesseling seine Ausbildung im Servicestandort von Flowserve Sihi an der Oberlarer Landgrafenstraße begonnen. Nach der Ausbildung wurde der heute 23-Jährige als Industriekaufmann übernommen. Setzt die Geschäftsleitung des Unternehmens ihre Pläne um, wird Filz seinen Arbeitsplatz in den kommenden Wochen oder Monaten verlieren.

Kollegen aus Itzehoe unterstützen Beschäftigte in Troisdorf

Im November habe die Geschäftsführung die Pläne bekanntgemacht, am Hauptsitz im norddeutschen Itzehoe Stellen zu streichen und Troisdorf komplett zu schließen, berichtet André Drzimkoswki vom Flowserve-Betriebsrat Itzehoe, der auch für Troisdorf zuständig ist. Um 4 Uhr morgens ist er wie weitere 20 Kollegen am Freitag, 27. Februar, in den Bus gestiegen, um sich bei einer Kundgebung mit den Betroffenen in Troisdorf solidarisch zu zeigen.

Die Beschäftigten von Flowserve Sihi am Standort Troisdorf protestieren gegen die Schließung. Unterstützung kam am Freitag, 27.2., von Kollegen aus Itzehoe

Elf Stellen würden mit einer Schließung des Standorts Troisdorf bei Flowserve Sihi an der Landgrafenstraße

Elf Vollzeitäquivalente wären laut Drzimkowski allein an der Oberlarer Landgrafenstraße betroffen, in Schleswig-Holstein sollen 72,5 Stellen entfallen. Dort arbeiten aktuell 578 Beschäftigte; Teile der bislang in Norddeutschland geleisteten Produktion von Pumpen und Pumpentechnik sollen, so Drzimkowski, nun von externen Unternehmen übernommen werden.

Die Arbeit des in Troisdorf angesiedelten „Quick Response Center Köln“  – Wartung, Notfalleinsätze oder sonstiges Geschäft nach dem Verkauf von Anlagen – solle künftig von Straßburg und dem niederländischen Etteleur aus erledigt werden. Die Angebotsverfolgung und das Rechnungswesen sollen nach Budapest velagert werden. Als Servicestandorte blieben dann nur noch Itzehoe und Erfurt erhalten. 

Auch hier hängen junge Familien und Zukunftspläne davon ab
André Drzimkoswki, Flowserve Sihi Betriebsrat

Als „sehr herzlos“ hat Betriebsrat André Drzimkowski die Bekanntgabe der Schließungspläne im November empfunden. Die Beschäftigten aus Troisdorf seien online zugeschaltet worden; erst Tage später sei ein Vertreter der Geschäftsleitung angereist. Dann hätten auch die Betroffenen Fragen stellen können. „Auch hier hängen junge Familien und Zukunftspläne davon ab“, betont Drzimkowski.

Seit Ende 2025 wird zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsleitung verhandelt; die nächsten Runden sind für den 5. und 10. März angesetzt. Bis zum Ende des laufenden Quartals wolle die Firmenleitung die Planungen abschließen. „Das sehen wir nicht so“, zeigt sich der Betriebsrat kämpferisch. Zumal die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens für die Arbeitnehmervertreter die geplanten Einschnitte nicht rechtfertigen.

„Die letzten drei Jahre haben wir Gewinne gemacht“, sagte Betriebsratsmitglied Roland Petereit, auch er aus Itzehoe angereist. „Richtig gut“ seien diese Jahre gewesen, „Überstunden ohne Ende“ hätten die Beschäftigten geleistet. Es seien sogar neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt worden.

„Was hier passiert, ist aus meiner Sicht eine absolute Katastrophe und ein Skandal“, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Michael Korsmeier aus Siegburg vor den Protestierenden. „Es geht hier nur um Profit.“ Der Tag dürfe aber nicht „ein Tag des Kahlschlags“, sondern müsse „ein Tag des Widerstands“ werden.