Ohne städtischen Anteil zieht sich auch das Land aus der Finanzierung der Beratungsstelle zurück. Mit schweren Folgen für Ratsuchende aus Troisdorf.
Kein städtischer Zuschuss mehrVerbraucherberatung in Troisdorf steht vor dem Aus

Der Verbraucherzentrale am Kölner Platz in Troisdorf droht das Aus: Im Hauptausschuss beschloss eine Mehrheit, den jährlichen Zuschuss auf null zu setzen.
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Sichtlich schockiert verfolgte Dr. Konstantin von Normann den weiteren Verlauf der Sitzung. „Das ist eine Bombe“, sagte der Leiter der Beratungsstelle Troisdorf der Verbraucherzentrale wenig später. Kurz zuvor hatte auf Antrag der FDP/UWG-Fraktion eine Mehrheit im Troisdorfer Hauptausschuss beschlossen, den Vertrag zu kündigen und die städtischen Zuschüsse für die Beratungsstelle auf Null zu setzen. CDU und AfD hatten dem Antrag zur Mehrheit verholfen.
Damit stehen die allgemeine Verbraucherberatung und die Umweltberatung am Kölner Platz spätestens ab dem Jahresende 2029 vor dem Aus. Bis dahin, so von Normann, laufe ein gültiger Vertrag. Bürgermeister Alexander Biber sagte in der Sitzung, dass eine Kündigung erst 2028 wirksam werden könne.
Politiker in Troisdorf sehen ausreichend andere Informationsmöglichkeiten
Die Finanzierung der Verbraucherberatungsstellen teilen sich hälftig das Land und die jeweiligen Kommunen. Deren Beteiligung ist Bedingung für die 50-Prozent-Zahlung des Landes. Bleibt sie aus, zieht sich auch das Land zurück. Im laufenden Jahr stehen 125.600 Euro für die allgemeine Verbraucherberatung im Haushaltsentwurf, für das kommende Jahr 135.700 Euro. In den Folgejahren stieg der Zuschuss auf 137.000 beziehungsweise 143.000 Euro. Für die Umweltberatung sind jährlich 41.000 Euro etatisiert.
„Mündige Bürger“ seien „auf staatliche Zuschüsse für diese Beratungsstellen nicht angewiesen“, hatten die Liberalen ihren Antrag begründet. Es gebe ausreichend andere Möglichkeiten, sich zu informieren. Angesichts des Sparzwangs für den Haushalt biete sich jetzt „die Gelegenheit, zu überprüfen“, welche Ausgaben unverzichtbar seien, erklärte im Ausschuss Tobias Kollmorgen. Friedhelm Herrmann (CDU) nannte die Verbraucherberatung „eine wichtige Aufgabe“, doch keine Kernaufgabe für die Stadt. In der Beratung gehe es nicht um „stadtspezifische Themen“.
Der Antrag kam für uns aus dem Nichts. Es gab vorab keine Information
Gerade die Arbeit der Verbraucherzentrale mache aus den Ratsuchenden mündige Bürger, erwiderte empört Thomas Möws (Bündnis 90/Die Grünen). Eine Streichung der Zuschüsse sei „ein Kahlschlag gegen die Ärmsten und Schwächsten“. Nach wie vor würden Kundinnen und Kunden von Banken oder Telefonanbietern „abgezockt“, suchten rechtlichen Rat bei der Verbraucherzentrale. Wie Thomas Möws – „demnächst werden wir mehr Leute im Leistungsbezug haben“ – erklärte auch René Wirtz für die SPD, dass „am falschen Ende gespart“ werde.

Dr. Konstantin von Normann ist Leiter der Verbraucherberatung in Troisdorf
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„Der Antrag kam für uns aus dem Nichts“, sagte Beratungsstellenleiter von Normann im Gespräch mit der Redaktion. „Es gab vorab überhaupt keine Information.“ Seither berate das Troisdorfer Team mit der Regionalleitung für das südliche Rheinland mögliche Reaktionen. Man werde das Gespräch mit der Politik und dem Bürgermeister suchen. Troisdorf, so von Normann, wäre die erste Beratungsstelle in Nordrhein-Westfalen, die geschlossen würde.
1987 eröffnet, käme 2029 nach über 40 Jahren „das Ende unserer erfolgreichen und niederschwelligen Arbeit“. Die Kosten weiter zu senken, sei nicht möglich, machte er klar: Mit 1,5 Stellen in der allgemeinen Beratung und einer halben Stelle für die Umweltberatung gehöre die Beratungsstelle schon zu den kleinsten im Land, kleinere gebe es nicht. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass sich günstigere Räumlichkeiten zur Miete finden ließen.
Troisdorfer werden anderswo nur schwer Beratungstermine bekommen
Um die 3500 Personen suchten zuletzt jährlich den Rat der Verbraucherzentrale in Troisdorf. Spätestens nach einer telefonischen Erstberatung – die Telefonanlage der Verbraucherzentrale NRW vermittelt Gespräche im Zweifelsfall auch in weiter entfernte Regionen – hätten diese Menschen in Zukunft ein Problem, weiß von Normann: „Alle anderen Beratungsstellen in der Region sind ausgelastet“, mehr persönliche Gesprächstermine als jetzt schon könnten sie nicht anbieten. Ganz abgesehen von der „Laufkundschaft“, die nach wie vor den Weg in die Beratungsstelle finde.
Dabei sei die Energieberatung aktuell wieder enorm gefragt. Gerade für einen ersten Überblick wollten und könnten viele Ratsuchende nicht gleich große Summen ausgeben. Finanziert aus Bundesmitteln, ist diese Beratung erst einmal kostenlos – mit einer Schließung der Beratungsstelle entfalle aber auch dieses Angebot.
Das Internet schafft immer neue Probleme für Kundinnen und Kunden
Mietrechtsberatung ist ein weiteres großes Thema, das Menschen in Bedrängnis dann wohl künftig einem Anwalt vortragen müssten: Auch hier gibt es im Umkreis keine zusätzlichen Kapazitäten. Mancher Anwalt schicke sogar Klienten zur Verbraucherzentrale, weil der Streitwert zu gering sei, weiß Konstantin von Normann.
Sein Fazit: „Insgesamt zeigt sich, dass wir wichtig sind.“ Die Ratsuchenden hätten weniger Probleme mit dem stationären Handel, mit Handwerkern oder überhöhten Telefonrechnungen, haben die Beratenden in Troisdorf festgestellt. Aber, so von Normann: „Das Internet bietet immer mehr Möglichkeiten, Menschen abzuzocken.“
