Im Finale sicherte sich Max Schönhaus nach dem Erfolg im Doppel auch den Einzeltitel.
ATP-Tennis-TurnierProfisport und unbezahlter Einsatz in Troisdorf

Gut besucht war die Anlage des TC RW Troisdorf während der Turniertage.
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Als am Freitagabend die letzten Ballwechsel gespielt waren, zog über der Anlage des TC Rot-Weiß Troisdorf plötzlich ein Unwetter auf. Innerhalb weniger Minuten verwandelten Starkregen, Hagel, Blitz und Donner die Tennisanlage in eine Seen- und Pfützen-Landschaft. Zuschauer suchten Schutz im Clubrestaurant „Nel Bosco“, Helfer brachten Material in Sicherheit. Es war der spektakuläre Schlusspunkt eines Turniertages beim ATP-Turnier „NRW International“, und zugleich die einzige größere Wetterkapriole der gesamten Woche.
Ansonsten dominierten internationales Profitennis, außergewöhnliche Geschichten und jede Menge ehrenamtliches Engagement beim 30 000 US-Dollar-Turnier. Denn während auf den Plätzen um Weltranglistenpunkte gekämpft wurde, sorgten hinter den Kulissen viele Menschen dafür, dass das Turnier reibungslos ablief.
Troisdorfs Vereinspräsident mit der Titan-Hüfte
Einer von ihnen war und ist Uwe Maaß. Der 85-jährige Vorsitzende des TC Rot-Weiß Troisdorf verfolgte das Geschehen mit Krücken an seiner Seite. Kürzlich erst wurde ihm ein künstliches Hüftgelenk aus Titan eingesetzt. „In drei Monaten will ich selbst wieder auf dem Court stehen und Tennis spielen“, ließ Maaß keine Zweifel aufkommen.
Gemeinsam mit Veranstalter Marc Raffel begann die Organisation bereits im vergangenen September. Der Verein fungierte als Ausrichter und unterstützte die Einwerbung von Sponsorengeldern im niedrigen sechsstelligen Bereich. Besonders bemerkbar machte sich in diesem Jahr die Rückkehr zum Herrentennis nach zwei Jahren mit hochklassigen Damen-Turnieren.

Ein Unwetter zog am Freitag kurz nach den letzten Ballwechseln über die Anlage.
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„Wir mussten bei der Hospitality deutlich zulegen, insbesondere bei den kostenlosen Unterkünften für die Spieler“, berichtete Maaß. Dank des zweier weiterer Hotels in der Stadt sei dies gelungen. Auch beim Zuschauerinteresse sah Maaß positive Entwicklungen: „Es hat geholfen, dass viele deutsche Spieler dabei waren und attraktives Tennis gezeigt haben.“
Bis zu 30 Schläger wurden täglich neu bespannt
Tom Patzschke gehörte zweifellos zu den wichtigsten Personen des Turniers. Der 59-Jährige aus Fürth ist professioneller Besaiter und hatte bis Freitagabend bereits 135 Schläger neu bespannt. „Das war sogar etwas unterdurchschnittlich“, sagt Patzschke. In den ersten Turniertagen bearbeitete er teilweise bis zu 30 Schläger täglich.
Für jeden benötigte er zwischen 15 und 20 Minuten. Die eigentliche Kunst bestehe darin, mehrere Schläger eines Spielers exakt identisch zu bespannen: „Manchmal kommen Spieler mit fünf Schlägern auf einmal. Wichtig ist, dass sie nachher alle die gleichen Eigenschaften beim Schlag haben."
Wie groß die Unterschiede sein können, erklärte Patzschke anschaulich: „Wenn ich härter besaite, haben die Spieler mehr Kontrolle. Bei einer weicheren Besaitung beschleunigt der Ball stärker. Das ist wie bei einem Trampolin.“ Sogar das Wetter spielt eine Rolle. Nach Regenfällen wird häufig etwas weicher bespannt, weil sich die Bälle mit Wasser vollsaugen und schwerer werden.
Ohne die vielen Helfer läuft in Troisdorf nichts
Werner Twardy ist ein „Wiederholungstäter“ unter den freiwilligen Helfern. Bereits im vergangenen Jahr organisierte er mit weiteren Helfern den Fahrdienst für Spieler und Offizielle. In diesem Jahr stellte der Sponsor dafür drei Fahrzeuge zur Verfügung. Doch der Shuttle-Dienst war längst nicht die einzige Aufgabe. „Wir machen weit mehr als nur Personenfahrten“, so Twardy. „Wir haben abgeflattert, Hinweisschilder hergestellt und angebracht und uns teilweise sogar um die Technik auf der Anlage gekümmert.“ Zusätzlich kamen alleine bei ihm zwischen Pfingstsonntag und Finaltag rund 1000 gefahrene Kilometer zusammen.
Deutsche Talente begeistern das Publikum in Troisdorf
Rund 400 Zuschauer verfolgten am Samstag die Halbfinals und das rein deutsche Doppelfinale, das Max Schönhaus und Kai Wehnelt gegen Christoph Negritu und Adrian Oetzbach mit 6:3, 6:4 gewannen. Turnierveranstalter Marc Raffel strahlte: „Viele Zuschauer, tolle Stimmung, starke deutsche Spieler und Matches mit Qualität – das war beste Werbung für unser Turnier und für Tennis in Troisdorf.“

Hochklassigen Sport boten die Teilnehmer wie Mika Petkovic beim Tennisturnier in Troisdorf
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Bemerkenswert: Die heftigen Regenfälle vom Vorabend hinterließen auf den Plätzen kaum Spuren. Beschwerden über die Platzqualität gab es keine. Die Anlage präsentierte sich auch nach dem Unwetter in ausgezeichnetem Zustand.
Finale vor großer Kulisse
Das Finale am Sonntag vor rund 600 Zuschauern gewann Max Schönhaus mit 6:4, 6:3 gegen Mika Petkovic. Für den 18-Jährigen war es der Höhepunkt einer perfekten Woche, nachdem er zuvor bereits den Doppeltitel mit Kai Wehnelt geholt hatte. „Wenn man Spieler wie Max Schönhaus und Mika Petkovic hier so erlebt, dann kann man auf das deutsche Herrentennis wieder sehr positiv blicken“, sagte Veranstalter Marc Raffel.