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Reise durch legendäre MusicalsChor Furore präsentiert sich in Troisdorf herzerwärmend und rasant

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Die Solisten Juliane Bischoff und Sebastian Hartgenbusch und der Chor Furore

Die Solisten Juliane Bischoff und Sebastian Hartgenbusch und der Chor Furore

18 Chorlieder aus verschiedenen Musicals präsentierte der Damenchor. Als Solisten hatte der Chor Musical-Sänger gewonnen.

Mit seinem Konzerttitel traf der Troisdorfer Chor Furore den Nagel auf den Kopf: „Musical-Fieber“. Kurz und knapp und dennoch inhaltsreich. Ließ das Motto doch viele Assoziationen zu, von feurig, mitreißend, leidenschaftlich und emotional bis rasant und heißblütig. Wobei letzteres keineswegs unangemessen für einen Damenchor war, in dem auch ältere Semester singen. Taten es diese doch mit der gleichen Hingabe wie die jungen Kolleginnen.

Und Stücke wie „You’re The One That I Love“ (aus „Grease“ – Farrar), „What A Feeling“ („Flashdance“ – Moroder) oder „I Am What I Am“ („La Cage aux Folles“ – Hermann) wären den Gastgeberinnen nicht abgekauft worden, hätten sie sich nicht geschlossen derart furios präsentiert wie am Sonntagabend.

Dirigent schneiderte alle 18 Chorstücke seinen Damen auf den Leib

Ein großes Verdienst kommt Dirigent Wolfram Kastorp zu, der sämtliche 18 Chorstücke seiner Damen auf den Leib geschneidert hatte, dabei keine Zugeständnisse („Ich bin halt mal pingelig“ – Kastorp) hinsichtlich der erforderlichen Tempi und Wucht der Intonation machend. Wenngleich er zu Beginn beim Ewigkeitssong „Don't Cry For Me Argentina“ („Evita“ – Webber) auf die Kunst des leisen Singens setzte. Das ist durchaus fordernd, weil auch kleine Fehler den Gesamtklang beeinträchtigen.

Was für den Rest des Abends gelten sollte, war die außergewöhnlich hohe Textverständlichkeit. Auch bei den vielen englischen Texten, die allesamt überzeugend abgeliefert wurden. Was Wolfram Kastorp freute, der „mehr als zufrieden“ mit der Leistung des Chors war. Er begrüßte zudem, dass sich die Sängerinnen zusätzlich zu den Proben trafen, um die englische Aussprache zu üben.

Musicals in allen Tonalitäten: herzerwärmend romantisch oder rasant

Das trug Früchte, wie das herrliche „I Know Him So Well“ („Chess“ – Andersson) oder „Starlight Express“ aus Andrew Lloyd Webbers gleichnamigen Musical zeigten. Das eine herzerwärmend romantisch, das andere rasant, die Rollschuh-Lokomotiven in die Stadthalle holend. Gelungen waren die Reverenzen in die Anfangszeiten des Musicals mit dem federleichten „Ich hätt' getanzt heut Nacht“ aus Loewes „My Fair Lady“ oder Bernsteins „Somewhere“ und „I Feel Pretty“ (beide „West Side Story“).

Könner des Musical-Fachs hatten die Gastgeberinnen mit Juliane Bischoff und Sebastian Hartgenbusch gewonnen, die ihre Auftritte mimisch und neckisch würzten. Hartgenbuschs „Stars“ und Bischoffs „Feuerwerk“ („Moulin Rouge“) standen sich in Sachen Ausdrucksstärke und gegenständliche Intonation in nichts nach, ihr Duett „Herr im Haus“ begeisterte mit seinem Wechselspiel.

Die Solisten Juliane Bischoff und Sebastian Hartgenbusch

Die Solisten Juliane Bischoff und Sebastian Hartgenbusch

Ihre Ohrwürmer „If I Were A Rich Man“ oder „If I Can't Have You“ unterstrichen beider Vielseitigkeit und Stimmumfang, die wie geschaffen für das Musical-Genre sind. Dementsprechend wurden sie gefeiert. Was auch für die Vorbereitung des Chors galt, seine Sorgfalt in Dynamik und Geschmeidigkeit zwischen den Stimmgruppen.

Das Gesamtbild auf der Bühne mit eleganten Damen nebst Garderobe-Wechsel, den auch Kastorp vollzog,indem er nach der Pause in silbernem Pailletten-Sakko erschien, waren weitere i-Tüpfelchen. Furore kam an, fand in der Zugabe mit „You Never Walk Alone“ und dem Kehraus-Lied „Wer hat an der Uhr gedreht“ die richtigen Worte.