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Aufenthalt in Psychiatrie drohtTroisdorfer wegen mehrfacher Körperverletzung vor Gericht

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Das Landgericht in Bonn.

Vor dem Bonner Landgericht muss sich ein Troisdorfer wegen mehrfacher Körperverletzung verantworten. (Symbolbild)

Der Angeklagte berief sich vor Gericht auf Erinnerungslücken, was seine Taten angeht. Er leidet an paranoider Schizophrenie.

Die Schwarzfahrten waren schnell vom Tisch: Vor der 10. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht muss sich ein 36-jähriger Troisdorfer wegen eines ganzen Straußes an Straftaten verantworten: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten in sechs Anklageschriften diverse Fälle von Körperverletzung, Beleidigungen, Bedrohungen und das erwähnte „Erschleichen von Beförderungsleistungen“ vor. Außer einer Strafe könnte dem Angeklagten allerdings auch die unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie drohen, der Troisdorfer leidet an einer paranoiden Schizophrenie.

Für die mögliche Anordnung einer Unterbringung sind die insgesamt 23 fahrscheinlosen Fahrten mit der Bahn zwischen Troisdorf und Köln allerdings irrelevant. Und so beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft auf Anregung des Vorsitzenden Richters Marc Eumann gleich nach Verlesung der Anklage die vorläufige Einstellung dieser Tatvorwürfe.

Körperverletzungsdelikte wiegen schwerer als Schwarzfahren

Die Körperverletzungsdelikte haben da als sogenannte Anlasstaten ein deutlich stärkeres Gewicht. Denn um eine Person unbefristet in die Psychiatrie zu schicken, bedarf es mehr als Schwarzfahrten und Beleidigungen. Immer wieder hatte der Angeklagte offenbar ohne jeden erkennbaren Grund fremden Menschen mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Laut Staatsanwalt war ein Bonner Juwelier das erste Opfer: Am 24. September 2024 soll er den Mann mittags vor dessen Ladenlokal in der Bonner Innenstadt zweimal unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der nächste Faustschlag soll dann am selben Tag um 17.30 Uhr einen Siegburger an der Luisenstraße getroffen haben.

Mann erlitt durch Schlag des Angeklagten mehrere Knochenbrüche

Die weiteren Taten trugen sich dann laut der Anklage bis Ende September vergangenen Jahres in Troisdorf zu. Am 3. Oktober 2024 soll er zwei Männern gedroht haben, zur Fortführung einer von ihm provozierten Auseinandersetzung ein Messer zu holen.

Am 15. November entbrannte ein Streit auf einem Bahnsteig des Troisdorfer Bahnhofs, bei dem ein Mann im Gleisbett gelandet sein soll. Am 28. Januar 2025 soll der Angeklagte einen Mann vor dessen an der Godesberger Straße geparktem Wagen derart heftig gegen die linke Wange geschlagen haben, dass das Opfer diverse Knochenbrüche erlitt. Im Juli sollen dann zwei Jugendliche Schläge auf die Wange bekommen haben, und im August und September wurden laut Anklage eine Frau und ein Mann Opfer wüster Beschimpfungen. 

Vor Gericht stritt der Angeklagte die Taten nicht ab, in einer von seinem Anwalt Max Ziemer vorgetragenen Erklärung berief er sich aber auf Erinnerungslücken. Sein Mandant habe bereits in der vierten Schulklasse mit dem Haschischkonsum begonnen, sagte der Verteidiger. Nach einer im Alter von 26 Jahren erlittenen Psychose sei dann eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden. Der Angeklagte befindet sich aktuell in einem psychiatrischen Krankenhaus, das Siegburger Amtsgericht hatte die vorerst befristete Unterbringung mit Blick auf die Anklage angeordnet.