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Tierisch Zugkraft statt MaschinenNeue NRW-Förderung für Rückepferde in Windeck vorgestellt

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Ein Rückepferd zieht einen Holzstamm durch einen Wald. Ein Halter geht daneben und hält das Pferd an der Leine.

Rückepferde sind beim Ziehen von Baumstämmen wendig und hinterlassen keine Spuren auf dem Waldboden.

Etwa 10.000 Festmeter Holz werden im Jahr durch die Wälder NRWs gerückt. In Privatwäldern ist der Anteil noch gering. Das soll sich ändern.

Sie ziehen bis zu 800 Kilogramm schwere Baumstämme hinter sich her und hinterlassen dabei kaum Furchen im Waldboden. Im Gegensatz zu schweren Maschinen gelangen die Pferde auch an schwer zugängliche Stämme und bewegen sie wendig aus dem Wald. Nachdem die Kaltblüter wiederholt ihr eigenes Gewicht aus dem Waldstück in Windeck auf die Straße gezogen haben, stehen sie anschließend da, als wäre nichts gewesen.

In der Gemeinde waren am Mittwoch fünf Rückepferde im Einsatz, die mit ihren Besitzerinnen und Besitzern aus verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens angereist waren. Sie gehören zum regionalen Landesverband der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ). Die Arbeitspferde sind darauf trainiert, schwere Lasten im Wald zu ziehen und können als Alternative oder Ergänzung zu schweren Maschinen eingesetzt werden.

Landesförderung soll Anreize für Einsatz von Rückepferden in Privatwäldern erhöhen

Hintergrund dieser Rückarbeiten ist eine neue Landesförderung, die jeden transportierten Festmeter Hartholz in Privatwäldern mit fünf Euro fördert, wie die NRW Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Silke Gorißen mitteilte. „Festmeter“ ist eine Maßeinheit, die einen Kubikmeter Rundholz bezeichnet, sprich ein Stück Stamm. Nach Angaben des Ministeriumssprechers, Matthias Kowalski, rücken Pferde in NRW jährlich etwa 10.000 Festmeter Holz. Der Anteil in Privatwäldern sei allerdings gering. Demnach überwiege der Einsatz der Tiere in Kommunal- oder Staatswäldern.

Der nachhaltige Einsatz von Rückepferden solle mittels der Förderung privaten Forstbesitzern zugänglicher gemacht werden. Nach Angaben des Ministeriums sollen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Pferderückung verbessert und Anreize geschaffen werden, das bodenschonende Verfahren im Wald stärker einzusetzen. „Der Pferdeeinsatz erfolgt häufig in Kombination mit Maschinen zum Beispiel mit einem kleinen Forwarder, einem Transportfahrzeug in der Forstwirtschaft“, heißt es von Kowalski.

Traditioneller Transport schont Waldbäden

„Zugpferde leisten auch in der modernen Forstwirtschaft immer noch wertvolle Arbeit – leise, klimafreundlich, ressourcenschonend und im Einklang mit der Natur“, sagte Hubert Zimmermann, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Zugpferde bei dem Termin in Windeck. Die stärkere Unterstützung der traditionellen Arbeitsweise setze ein Zeichen für Umweltbewusstsein, Traditionserhalt und Zukunftsperspektiven. Gerade bei empfindlichen Waldböden sei die schonende Vorgehensweise notwendig, um die Natur nicht unnötig zu strapazieren.

Weiter sagte der Windecker, dass Rückepferde im Rhein-Sieg-Kreis am häufigsten im Siebengebirge oder im Kottenforst eingesetzt würden. Nach Informationen von Zimmermann sind seinem Verein NRW-weit zwölf Pferderückbetriebe gemeldet. Vereinsmitglied Gerd Aschoff erläuterte, dass die Einzelunternehmen in der Regel nur wenige Pferde besäßen und bei größeren Aufträgen gemeinsam agierten. „Transportfahrzeuge kommen beim Einsatz von mehreren Tieren oft gar nicht hinterher“, so Aschoff mit einem Augenzwinkern. 

Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen sich aufs Tierwohl bedacht

Sabine und Roland Jansing vom Projekt „Rückbar“ in Münster erklärten, dass sie und andere Halterinnen und Halter von Rückepferden, ebenso wie die Tiere selbst, eine Ausbildung durchlaufen haben. Nach Angaben des Ehepaars ist nicht die Größe der Pferde entscheidend, sondern ihre Nervenstärke. Im Wald gebe es ständig Geräusche wie knackende Zweige, und beim Transport der Stämme könnten Äste gegen die Tiere schlagen. Entscheidend sei, dass die Pferde in solchen Situationen ruhig blieben.

Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit Rückepferden arbeiten, sind den Jansings zufolge sehr auf das Tierwohl bedacht. Die Kommandos beim Rücken erfolgten meist über die Stimme, die Leine am Geschirr sei lediglich Beiwerk. Das Geschirr sei zudem so konstruiert, dass die Leinen beim Ziehen nicht in die Haut der Pferde einschneiden. Die Tiere tragen zudem häufig Fliegenhauben, die die Ohren vor Insekten schützen und sie gleichzeitig aufmerksam für Anweisungen halten.

Weiterführende Informationen zu dem forstlichen Förderangeboten des Landes NRW finden sich online.

www.waldbauernlotse.de