Nicht nur der Landesbetrieb Wald und Holz will Windräder auf dem Nutscheid-Höhenzug bauen. Die Idee eines Windparks dort stammt aus Windeck.
WindenergieWaldnachbarschaften aus Waldbröl und Ruppichteroth machen gemeinsame Sache

Im August 2023 stellte die Windecker Klima-Initiative um Johannes Thema (rechts) am Hohen Wäldchen in Waldbröl ihre Ideen für einen Windpark auf dem Nutscheid-Höhenzug zwischen Waldbröl, Windeck und Ruppichteroth vor.
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Ziel erreicht – eine gute Nachricht zwar, doch für Johannes Thema von der Windecker Klima-Initiative auch eine mit fadem Beigeschmack: Die Gruppe hatte vor etwas mehr als drei Jahren nicht nur die Idee entwickelt, dass auf dem Rücken des Nutscheid-Höhenzugs ein Windpark gebaut werden könnte, sondern auch gleich vorgerechnet, dass sich ein solches Vorhaben für die Anrainerkommunen Waldbröl, Windeck und Ruppichteroth lohnt. „Und jetzt haben wir allein aus der Zeitung erfahren, dass diese Idee tatsächlich Wirklichkeit werden soll“, bedauert Thema und beklagt mangelnde Transparenz.
Vor genau einer Woche hat der Landesbetrieb Wald und Holz – wie berichtet – bekanntgegeben, er wolle dort auf Flurstücken im Besitz des Landes Windräder aufstellen. Als Stromerzeuger habe Iberdrola Renovables den Zuschlag erhalten, die Wurzeln dieses Unternehmen liegen in Valencia (Spanien).

Auf einer solchen Fläche auf dem Nutscheid-Höhenzug könnten sich künftig ein Windräder drehen. Der Landesbetrieb Wald und Holz hat einen Investor für einen Windpark dort gefunden.
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Und nicht nur das: Gemeinsam haben jetzt die Stadt Waldbröl und ihre Nachbarn Windeck und Ruppichteroth mitgeteilt, dass örtliche Waldnachbarschaften ebenfalls an einem Energie-Vorhaben feilen und Waldboden verpachten wollen – und zwar an den Versorger Statkraft Germany, einer Tochterfirma des norwegischen Staatsunternehmens Statkraft mit Sitz in Düsseldorf.
Die Größe der gesamten Waldbröler Planungsflächen beziffert die Stadtverwaltung auf etwa 27 Hektar. Hinzu kämen weitere 18,5 Hektar, auf denen sich die kommunalen Grenzen überschneiden. Noch aber dürften die beteiligten Eigentümergruppen nicht benannt werden.
Jede der Waldnachbarschaften aus Waldbröl und Ruppichteroth soll ein eigenes Windrad bekommen
Nach Informationen dieser Zeitung sind dies die beiden Waldbröler Waldnachbarschaften Obergeilenkausen und Niedergeilenkausen sowie die Waldnachbarschaft in Velken (Ruppichteroth). André Hannes aus dem Vorstand der Waldnachbarschaft Obergeilenkausen bestätigt den nachbarschaftlichen Schulterschluss: „Das Holz ist weg, die Fläche ist da, Geld für eine Wiederaufforstung gibt es nicht“, führt Hannes aus. „Warum sollen wir nebeneinanderher arbeiten, wenn man sich zusammentun kann?“
Geplant sei, dass jede Nachbarschaft ein Windrad erhalte – „sofern die Gutachten dies zulassen“. Seit Ende vergangenen Jahres bereits würden in der Nutscheid die notwendigen Untersuchungen ausgeführt, berichtet Hannes. Seine Nachbarschaft besitze eine Fläche von etwa 80 Hektar, ein Zehntel davon sei nun für den Bau einer Windkraftanlage vorgesehen.
In Waldbröl-Schönenbach soll vielleicht das benötugte Umspannwerk gebaut werden
Von einem harten Stück Arbeit spricht indes Wilfried Schmidt von der Waldnachbarschaft Velken. „Wir als Nicht-Profis in diesem Geschäft haben viele Komponenten abgeklopft und lange nach dem Unternehmen gesucht, das am besten zu uns passt“, erklärt er die Wahl von Statkraft. Die Größe der benötigten Velkener Flächen könne er noch nicht beziffern, sagt Schmidt. „Die ergibt sich noch.“
Weiteren Informationen dieser Zeitung zufolge soll das Umspannwerk für die Anlagen der drei Waldnachbarschaften in der Nähe der Waldbröler Ortschaft Schönenbach gebaut werden: Die Verhandlungen über den Kauf des Grundstücks liefen, heißt es.
Klima-Initiative aus Windeck möchte auch weiterhin im Boot bleiben
Nach den Einschätzungen der Windecker Klima-Initiative könnten insgesamt sieben Windräder, jedes 250 Meter hoch, gebaut werden. Schon damals hieß es, zwei der Anlagen könnten in der Marktstadt und eine könnte in Ruppichteroth errichtet werden, die übrigen in Windeck.
„Unsere Gruppe würde weiterhin gern Hilfestellung geben und etwa Kooperationen vermitteln, Kontakte herstellen“, betont Johannes Thema. Mit dem Inkrafttreten des Regionalplans im vergangenen Dezember sind nun Vorrangflächen ausgewiesen und damit die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen.
Der Landesbetrieb Wald und Holz gibt sich dagegen vage, wann der Bau beginnen und welche Größe der Nutscheid-Windpark erreichen soll. Nur so viel: Zu beachten sei, dass der neue Regionalplan den gesamten Projektierungsraum abbilde, nicht aber die Fläche, die am Ende beansprucht werde, sagt Sprecherin Malin Schneider-Pluppins. „Diese lässt sich erst im Verlauf der Planung darstellen.“ Mit einer zurzeit kalkulierten Leistung von rund 40,8 Megawatt könnten die Anlagen Strom für etwa 25.000 Haushalte erzeugen.
In der weiteren Nachbarschaft, nämlich an der Römerstraße zwischen Ruppichteroth und Eitorf, möchte auch Maximilian Graf von Nesselrode, Hausherr von Burg Herrnstein, acht Windkraftanlagen bauen. „Die Genehmigungen erwarten wir in diesem Jahr.“
Blick in die Historie auf Waldbröler Seite
Im März 2023 legt die Windecker Klima-Initiative um Johannes Thema und Ruth Bönisch ihre Berechnungen vor – Ergebnis: Ein Windpark auf den vom Borkenkäfer kahlgefressenen Flächen entlang des Nutscheid-Höhenzugs lohne sich, rund 5000 Zwei-Personen-Haushalte könnten mit Strom versorgt werden. Und in den Anrainerkommunen Waldbröl, Windeck und Ruppichteroth klingelten die Kassen.
Unter dem Titel „Wind in der Nutscheid“ stellt die Windecker Initiativgruppe im August 2023 auf dem Hohen Wäldchen in Waldbröl ihre Visionen vor. Danach strömen rund 120 Menschen zu einer Bürgerversammlung ins Waldbröler Bürgerdorf am Alsberg, dort gibt zudem die in Lindlar gegründete Energie-Genossenschaft Bergisches Land ihre Visitenkarte als möglicher Vermarkter ab. Auch erklärt sich die Genossenschaft dazu bereit, selbst in das Projekt zu investieren.
Im September 2023 stimmt nach dem Windecker Gemeinderat auch Waldbröls Stadtrat geschlossen dafür, sich für einen interkommunalen Windpark einzusetzen. Danach wird es still um dieses Projekt.

