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Schule„Mathe nicht am Nachmittag“

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Mathe- und Sowilehrer Jochen Poppe (45) erstellt mit einem Kollegen die Stundenpläne für gut 1100 Gymnasiasten.

Herr Poppe, kommende Woche beginnt auch am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wiehl das neue Schuljahr. Steht der Stundenplan?

Der steht schon länger. Ich kümmere mich seit drei Jahren gemeinsam mit einem Kollegen darum, wir teilen uns die Arbeit. Unser Ziel ist es immer, möglichst früh in den Ferien damit durch zu sein.

Wann fangen Sie an zu planen?

In der Regel kurz nach den Osterferien. Dann sind die Kurswahlen für die Oberstufe durch. Ihre Stundenpläne zu erstellen, ist am aufwendigsten, weil jeder Schüler einen anderen hat. Sobald wir wissen, wie sich die Schüler entschieden haben, legt der Oberstufenkoordinator fest, welche Kurse zu einem Block zusammengefasst werden und gleichzeitig stattfinden können. Möglichst viele Schüler sollen zeitgleich unterrichtet werden. So wollen wir Löcher im Stundenplan vermeiden.

Das klappt aber ja nicht immer. Viele Eltern sind vor allem verärgert, weil so viel Unterricht ausfällt …

Der Ärger der Eltern ist im Einzelfall nachvollziehbar. Deshalb planen wir ja gezielt. Im Tagesgeschäft kann aber immer etwas Unerwartetes passieren. Ich kann mich an keinen Tag im vergangenen Jahr erinnern, an dem wir nicht kurzfristig um 7 Uhr eine neue Lösung finden mussten.

Es gab keinen Tag ohne Ausfälle?

Nein. Natürlich ist nicht jeden Tag aufs Neue jemand krank, es kann ja auch sein, dass ein Vertretungslehrer an einer anderen Schule eine feste Stelle angeboten bekommt. Wenn wir kurzfristig eine Vertretung brauchen, versuchen wir immer, einen Kollegen zu finden, der entweder die gleiche Klasse oder das gleiche Fach unterrichtet. Längerfristige Vertretungsstellen schreiben wir über eine Internetbörse des Schulministeriums aus.

Und wenn Sie keinen Ersatz finden?

Im schlimmsten Fall müssen wir Unterrichtsstunden im betreffenden Fach kürzen. Die Kurse in der Oberstufe tasten wir dabei aber nicht an. Da geht es ja um die Vorbereitung aufs Abitur, an den fünf Wochenstunden pro Leistungskurs können wir nicht rütteln. Notfalls müssen wir intern umorganisieren, um den Ausfall zu kompensieren.

Wie viele Stunden planen Sie einen Kollegen im Schnitt ein?

Das Land gibt für Vollzeitkräfte 25,5 Stunden in der Woche vor. Kollegen über 55 Jahre, die Vollzeit unterrichten, werden aber Entlastungsstunden angerechnet. Und Mitglieder der Schulleitung unterrichten auch weniger. Bevor wir festlegen, welche Kurse mit wie vielen Stunden stattfinden und wie die Stundenpläne für die Unter-, Mittel- und Oberstufe aussehen, gucken wir zuerst, wie viele Lehrerwochenstunden wir zur Verfügung haben – dieses Jahr sind es bei 84 Kollegen 1816 Stunden.

Wovon hängt es ab, wie Sie die Kollegen einteilen?

Ob wir neue Lehrer bekommen, erfahren wir vom Land meist im Mai. Bei der Stundenverteilung versuchen wir, dienstliche Zwänge und individuelle Bedürfnisse der Kollegen in Einklang zu bringen. Für die Erstellung der Lehrpläne haben wir uns Qualitätskriterien auferlegt: Nach Möglichkeit begrenzen wir die Zahl der Springstunden, also der Löcher im Lehrplan, pro Kollege auf fünf Stück in der Woche. Kein Lehrer soll mehr als sechs Stunden am Tag unterrichten. Wir wollen ein gutes Arbeitsklima schaffen.

Und worauf achten Sie bei der Erstellung der Stundenpläne?

Vor allem in der Unter- und Mittelstufe gilt: Die Stunden in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sollen gleichmäßig über die Woche verteilt werden und nicht am Nachmittag stattfinden.

Gibt es etwas, das Ihnen bei der Planung Kopfzerbrechen bereitet?

Die verkürzte Ausbildungszeit der Referendare. Dadurch sind die jungen Kollegen teils erst ab Februar einsetzbar – also mitten im Schuljahr. Zur Überbrückung im betreffenden Fach müssen wir also immer einen zusätzlichen Kollegen einplanen. Dazu kommt der verpflichtende Nachmittagsunterricht durch G8. Vor allem Sport findet oft nachmittags statt. Wir haben aber nur vier Hallen zur Verfügung. Die Verteilung der Räumlichkeiten ist am aufwendigsten.

Arbeiten Sie eigentlich mit einem Computerprogramm?

Ja, ohne macht das heute niemand mehr. Allerdings nutzen wir den PC eher zur Unterstützung. Die einzelnen Unterrichtsstunden innerhalb der Pläne tragen wir meist händisch ein. Darin sind wir erfahrungsgemäß einfach besser als der Computer (lacht).

Wie viele Stunden haben Sie an den diesjährigen Stundenplänen gefeilt?

Ohne die Vorbereitungszeit ungefähr 60. Zum Halbjahr gibt es aber immer Änderungen, die neue Stundenpläne erfordern – das kostet dann noch mal zusätzlich Zeit.

Warum tun Sie sich diese Extra-Arbeit an?

(Lacht) Weil es mir Spaß macht. Das kann natürlich nicht jeder nachvollziehen, so was muss einem ja auch liegen. Aber als Mathematiklehrer denke ich mich gerne in solche Aufgaben rein.