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Sonderkommission ermittelt102 Anschläge auf Geldautomaten in NRW in diesem Jahr

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In Essen wurden kürzlich zwei Automaten fast zeitgleich beschädigt.

Nordrhein-Westfalen – Die Täter kommen gerne nachts. Um ihr Ziel zu erreichen, setzen sie Gas, gewerblichen oder militärischen Sprengstoff und Pyrotechnik ein. Allein in diesem Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen bislang 102 Anschläge auf Geldautomaten registriert.

In 49 Fällen waren die Täter erfolgreich und konnten durch die Sprengung Bargeld erbeuten.

Ermittlungskommission „Heat“ im Einsatz.

Weil die Zahl der Attacken auf Geldautomaten im bevölkerungsreichsten Bundesland bereits 2015 stark anstieg, ist seit vergangenem Oktober die Ermittlungskommission „Heat“ im Einsatz.

Eingerichtet beim Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf, setzt sie sich aus LKA-Beamten und Mitarbeitern einzelner Kreispolizeibehörden zusammen und soll bei Sprengungen die Spurenlage „zentral und umfassend auswerten und analysieren, um die Täter zu identifizieren und festzunehmen“.

So zumindest kündigte LKA-Direktor Uwe Jacob die neue Ermittlungsgruppe vergangenen Herbst an.

Während vor Ort meist nach wie vor die einzelnen Kreispolizeibehörden für die Sachbearbeitung zuständig sind, sollen bei den „Heat“-Ermittlern parallel alle Informationen zusammenlaufen und an zentraler Stelle verknüpft werden.

Analyse der Muster und Vorgehensweisen der Täter

So soll es einfacher sein, bestimmte Muster und Vorgehensweisen der Täter zu analysieren und etwaigen überregional agierenden Gruppen auf die Schliche zu kommen.

Knapp ein Jahr ist „Heat“ nun im Einsatz. Wie aber sieht die Bilanz aus? Insgesamt sieben Tatverdächtige konnte allein die Ermittlungskommission bislang festnehmen – nicht gerade viel.

„Die Umstände sind schwierig“, sagt LKA-Pressesprecher Frank Scheulen. „Die Täter sind in wenigen Minuten fertig, stürzen ins Fahrzeug und sind dann oft sehr schnell über die niederländische Grenze.“

Nicht nur in NRW haben sich die Vorfälle nahe der Grenze zum Nachbarland seit vergangenem Jahr stark gehäuft. „Die Kollegen in Niedersachsen haben ähnliche Probleme“, berichtet Scheulen.

Auch dort wurde eine spezielle Ermittlungsgruppe beim zuständigen LKA eingerichtet. Bundesweit betrachtet wurden in NRW und in Niedersachsen 2015 die meisten Geldautomaten gesprengt.

Das zeigt ein detaillierter Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA).

Demnach landete Niedersachsen 2015 mit 28 versuchten und erfolgreichen Sprengungen auf Platz zwei im bundesweiten Vergleich – für NRW weist das Bundeskriminalamt 70 Fälle aus. In ganz Deutschland wurden insgesamt 157 Anschläge gezählt.

Mit Blick auf die zunehmende Kriminalität aus den Niederlanden spricht das BKA in seinem Bericht von einem „Verdrängungseffekt“ – zurückzuführen unter anderem auf verstärkte Präventionsmaßnahmen der dortigen Geldinstitute und das rigorose Vorgehen der niederländischen Strafverfolgungsbehörden.

NRW hat sehr viele Geldautomaten

Laut LKA in Düsseldorf ist NRW allerdings auch so ein attraktives Ziel: Denn hier stünden sehr viele Geldautomaten. Allein die Sparkasse betreibt eigenen Angaben zufolge landesweit rund 5000 Ausgabegeräte.

Um mögliche Zusammenhänge zwischen einzelnen Taten herzustellen, arbeiten die Ermittlungsgruppen in NRW und Niedersachsen nicht nur untereinander zusammen. „Wir kooperieren auch eng mit den niederländischen Behörden.“ Im Großraum Amsterdam/Utrecht habe man derzeit eine große Gruppe mit etwa 250 Personen im Blick, die immer wieder in verschiedenen Konstellationen in Deutschland aktiv werde, so Scheulen. Die Täter auf frischer Tat zu schnappen, sei aber so gut wie unmöglich. „Die legen ein ziemlich rabiates Fluchtverhalten an den Tag. Verfolgungsjagden müssen wir meist nach kurzer Zeit abbrechen, weil es durch die hohen Geschwindigkeiten für alle Beteiligten zu gefährlich ist“, sagt Frank Scheulen. Sobald die Täter dann die Grenze erreicht hätten, „sind uns die Hände gebunden“.

Dann seien die niederländischen Kollegen am Zug. „In der Hinsicht wünschen wir uns manchmal, dass es noch etwas schneller geht“, so der LKA-Sprecher.

14 Tatverdächtige ermittelt und festgenommen

2016 wurden NRW-weit insgesamt – also durch die Ermittlungsgruppe und örtliche Polizeibehörden – bislang 14 Tatverdächtige ermittelt und festgenommen. Darunter ausschließlich Deutsche und Niederländer mit marokkanischem Migrationshintergrund.

Sprengsichere Tresore und farbige Geldscheine

Um Geldautomaten effektiver vor Sprengungen durch Kriminelle zu schützen, arbeiten Polizei und Landeskriminalämter bereits eng mit den Geldinstituten zusammen.

Das LKA in Düsseldorf etwa hat in diesem Rahmen im Oktober 2015 Handlungsempfehlungen für die Banken herausgegeben. Sie werden fortlaufend aktualisiert. Laut LKA-Sprecher Frank Scheulen fließen dabei unter anderem auch die Erkenntnisse der Ermittlungskommission „Heat“ ein.

Geldinstitute nutzen verschiedene Möglichkeiten, um ihre Ausgabegeräte vor Sprengungen zu schützen. Laut Rheinischem Sparkassen- und Giroverband werden neue Maschinen mit sprengsicheren Tresoren ausgerüstet.

Bereits installierte Geräte würden mechanisch nachgerüstet oder etwa mit Einfärbesystemen ausgestattet.

Bei einer Detonation werden die Geldscheine dadurch in Farbe getränkt. Das soll Täter abschrecken. (cmi)