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DormagenZwölfjähriger steht beim Tod von Yosef unter Verdacht – Motiv weiterhin unklar

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Mit Bildern und Blumen wird des gestorbenen Yosef gedacht.

Yosef wurde nur 14 Jahre alt.

Yosefs Mutter veröffentlichte das Schulzeugnis ihres Jungen und verlangt „Gerechtigkeit“. Der verdächtige Mitschüler ist nicht strafmündig.

Am Waldsee in Dormagen wurde am 28. Januar der Körper des 14-Jährigen Yosef entdeckt. Er wurde gewaltsam getötet. Eine Analyse von Yosefs Mobiltelefon führte die Behörden zum mutmaßlichen Täter. Der deutsche Junge ist zwölf Jahre alt und daher nicht strafmündig. Mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten kam er unter die Aufsicht des Jugendamtes in Dormagen, wo er sich weiterhin befindet.

Es wird kein Gerichtsverfahren oder einen Prozess geben. Ein laufendes Ermittlungsverfahren soll jedoch die Tat vollständig aufklären. Janne Jakobek, die verantwortliche Staatsanwältin aus Düsseldorf, teilte mit, dass dieses in ein bis zwei Wochen beendet sein soll.

Der Fall Yosef (†14): Behörden schweigen zu einem möglichen Motiv

Die Befragungen des Jungen wurden von Kriminalbeamten vorgenommen, welche für den Umgang mit Kindern geschult sind. Abschließend müsse „aus Gründen äußerster Vorsicht“ geklärt werden, ob eventuell andere Personen in die Tat verwickelt waren, „auch wenn es dafür keine Anhaltspunkte gibt“.

Das Verfahren wird schlussendlich eingestellt. Alle wichtigen Informationen zur Tat werden dann in der Ermittlungsakte festgehalten. Über den Inhalt, wie zum Beispiel ein mögliches Geständnis des Jungen, die Waffe oder das Motiv, gibt die Behörde keine Auskunft. Man wisse aber, dass die Öffentlichkeit Antworten erwartet.

Die Opferseite, in diesem Fall Yosefs Mutter, kann bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragen – bei Zustimmung durch die Behörde kann dann ein rechtlicher Vertreter nicht die ganze, aber Teile der Akte einsehen.

Stadt Dormagen bietet Dialogabend mit einem Experten an

Der Leiter des Jugendamtes Dormagen, Mike Wetzel, erklärte, ein Fall „dieser Dimension“ sei ihm komplett neu. Bei aller Dramatik aber rede man hier von einem Kind. Der erste Schritt sei es gewesen, zu schauen: Was braucht die Familie, was braucht das Kind? Um dann die „optimalen Hilfen für die Betroffenen zu installieren“.

Es müsse im Rahmen der Diagnostik und der pädagogischen Beurteilung „sehr, sehr gründlich“ geschaut werden, wieso es zu so einer Tat komme um dann gezielte Maßnahmen anzubieten und zu ergreifen. Wetzel spricht in diesem Zusammenhang von Jugendhilfeeinrichtungen „mit sehr starken Schwerpunkten“, die es bundesweit gebe, ob in NRW, Ostfriesland, Rheinland-Pfalz oder Bayern.

Zeugnis des Schülers Yosef aus Dormagen

Ein Dokument der Erinnerung an einen guten Schüler: Yosefs letztes Zeugnis.

Der Dormagener Pfarrer Heribert Lennartz sagt, der Schrecken in der Bevölkerung sei sehr groß. Es sei jetzt die Frage, auch ohne strafrechtliche Maßnahmen: Wie kann der Täter wieder gesellschaftsfähig gemacht und „aus der Verirrung“ herausgeholt werden? Vor wenigen Tagen hatte Lennartz eine von einer Mitschülerin Yosefs initiierten Andacht in der Kirche St. Michael geleitet.

Carolin Tietze, Inhaberin der „Delhovener Apotheke“, sagt, es würde allen helfen, zu wissen, was und vor allem warum es geschehen ist. Dass die beiden Schüler verfeindet gewesen sein könnten und Mobbing ein Motiv mag niemand glauben. Yosefs Bilder und die zu Herzen gehenden Sätze seiner Freunde und Mitschüler würden so lange im Schaufenster bleiben, wie es Yosefs Mutter wünsche.

Ein mit Herzen, Bildern und Beileidsbekundungen gestaltetes Schaufenster.

Im Schaufenster der Delhovener Apotheke: Gedenken an Yosef.

Die Stadt Dormagen veranstaltet am Donnerstag (19. März) einen „Informations- und Dialogabend “ anlässlich des Todesfalls und der vielen Fragen, die die Dormagener haben. Wie es in der Einladung heißt, soll der Abend Raum geben, über das Thema zu sprechen, Sorgen zu äußern und gemeinsam einzuordnen, was geschehen ist.

Als fachlicher Ansprechpartner will Chefarzt Dr. Gerhard Hapfelmeier (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, forensischer Gutachter) erklären, wie Gewalt entstehen kann, welche psychischen Störungsbilder eine Rolle spielen können und wie solche Entwicklungen einzuordnen sind. Von 18 bis 20 Uhr im Bürgerhaus Horrem an der Knechtstedener Straße 18a. Anmeldung unter familienbuero@stadt-dormagen.de. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.