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Costa Ricas Navas vor Spiel gegen DFB-Elf„Wir werden kämpfen wie die Stiere“

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Keylor Navas, Torhüter von Costa Rica

Keylor Navas kündigt der DFB-Elf einen großen Kampf an.

Keylor Navas, Costa Ricas Keeper und größter Star, spricht im Interview über das Gruppenfinale gegen Deutschland und die Stärken der DFB-Elf.

Kein Spieler aus Costa Rica hat mehr Titel gesammelt als Keylor Navas. Der 35-Jährige gewann dreimal die Champions League, wurde spanischer und französischer Meister und 2017/2018 zum „Uefa Torhüter des Jahres“ gewählt. Auch an ihm wird es liegen, ob Deutschland im letzten WM-Gruppenspiel am Donnerstag noch ins Achtelfinale einziehen kann.

Herr Navas, können Sie sich erinnern, was Sie am 9. Juni 2006 gemacht haben?

Sie sprechen wohl auf das Auftaktspiel bei der WM in Deutschland an?

Genau. Deutschland siegte 4:2, es war der Startschuss zum „Sommermärchen“.

Damals war ich 19 und bereits Profi. Leider kam diese WM für mich einen Tick zu früh. Wir haben uns gegen den Gastgeber richtig gut verkauft und tolle Werbung für unser Land abgegeben. Auch wenn wir nach drei Spielen bereits ausgeschieden waren, haben wir aus diesem Abenteuer viel mitgenommen und an Erfahrung und an Cleverness viel hinzugewonnen.

Viel Respekt vor Antonio Rüdiger

Freuen Sie sich nun darauf, gegen die DFB-Elf anzutreten?

Jede WM bleibt für ein kleines Land wie Costa Rica mit nur rund fünf Millionen Einwohnern etwas ganz Besonderes. Gegen Deutschland werde ich auf bekannte Gesichter treffen und es wird ein heißer Fight. Die Deutschen haben eine neue Ära mit Hansi Flick eingeleitet und mit vielen jungen Spielern, die extrem talentiert sind, wie Musiala oder Moukoko.

Wo sehen Sie die deutschen Stärken?

Sie haben einen großen Bayern-Block. Das ist ein Riesenvorteil, denn diese Spieler kennen sich perfekt. Sie finden sich blind auf dem Rasen. Außerdem schätze ich Antonio Rüdiger sehr – ein starker Innenverteidiger, der kaum was anbrennen lässt und sehr zweikampfstark ist.

WM 2014 als Wendepunkt in der Karriere von Keylor Navas

Zählt die DFB-Elf trotz der Niederlage gegen Japan noch zum Favoritenkreis?

Auch wenn Deutschland seit seinem Triumph 2014 kaum noch für positive Ergebnisse sorgen konnte, ist mit dieser Nation immer zu rechnen. Deutschland ist und bleibt eine Turniermannschaft, die jederzeit über sich hinauswachsen kann.

Wie wird Costa Rica gegen Deutschland auftreten?

Das werde ich euch sicherlich nicht verraten. (lacht) Unser Coach ist immer für eine taktische Überraschung gut. Er studiert unsere Gegner immer bis ins letzte Detail, schaut stundenlang Videos. Wir können nicht nur mauern, sondern auch selber das Spiel organisieren und viel Ballbesitz haben.

Wie wäre ein Achtelfinaleinzug von Costa Rica zu bewerten?

Wir wollen für eine Überraschung sorgen. Sollten wir tatsächlich ins Achtelfinale einziehen, dann wäre es wohl eine Sensation wie 2014, als wir Italien geschlagen und England zu einem Unentschieden gezwungen haben. Daran müssen wir glauben. Wir werden uns teuer verkaufen und wir werden wie die Stiere kämpfen, um unser Land viel Glück und Freude zu bereiten.

War die WM 2014 in Brasilien der Wendepunkt in Ihrer Karriere? Sie wurden dort dreimal zum „Man of the Match“ gewählt.

Sicherlich hat mir das Turnier viel gebracht. In puncto Selbstvertrauen, auch um besser mit dem Druck umzugehen sowie um noch bekannter zu werden, keine Frage. Auf eine WM schaut die ganze Welt. Es ist dann bei einem solchen Ereignis deutlich einfacher, an Renommee zu gewinnen, als beispielsweise über die nationale Liga.

Deutschland für Keylor Navas nicht unter den großen Favoriten

Mit Real haben Sie die Champions League dreimal gewonnen. Worauf kommt es bei solchen Wettbewerben an?

Immer an sich zu glauben ist einfach das A und O. Ohne diese Einstellung kann man die Erwartungen nicht erfüllen. Das ist schlichtweg unmöglich. Natürlich braucht man einen starken und ausgeglichenen Kader. Und eine gute Atmosphäre in der Kabine zu erzeugen ist ebenfalls unheimlich wichtig. Wenn man jeden Tag zusammensitzt, miteinander arbeitet, isst, muss man sich gut verstehen, um erfolgreich zu sein.

Wer sind Ihre Favoriten auf den WM-Titel?

Brasilien habe ich schon vor dem Turnier sehr stark eingeschätzt, auch weil mein Teamkollege Neymar bei PSG zuletzt in einer herausragenden Form war – jetzt hat er sich leider verletzt. Dennoch denke ich, dass er sein Nationalteam nach so langer Zeit ohne Titel (2002, d. Red.) zum größten Triumph führen kann – deshalb sind sie besonders hungrig. Das Gleiche gilt übrigens für Argentinien mit Lionel Messi. Auch er ist topfit und wirkt hoch motiviert bei seinem letzten großen Turnier. Von den europäischen Teams haben aus meiner Sicht Frankreich und Spanien am ehesten das Potenzial, sehr weit zu kommen.

Das Gespräch führte Alexis Menuge