Deutsche Eltern hätten wenig Bildungsambitionen für ihre Kinder, hat Karin Prien (CDU) als Reaktion auf den erneuten „Pisa-Schock“ gesagt.
Empörung nach Pisa„Elternbashing“ – Warum Ministerin Prien maximal ungeschickt kommuniziert


Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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In Deutschland hängt der schulische Erfolg von Kindern und Jugendlichen stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus ab. Das ist eine wesentliche Erkenntnis der neuen Pisa-Studie. Und das ist auch alles andere als neu, denn seit Jahren ist klar, dass Deutschland bei der sozialen Durchlässigkeit eher schlecht abschneidet. Der sozioökonomische Hintergrund beeinflusst die Bildungswege und Bildungsergebnisse erheblich.
Das heißt konkret: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einer einkommensarmen und bildungsfernen Familie studiert und später einen gut bezahlten Beruf ausübt, ist deutlich geringer als bei Eltern, die ökonomisch abgesichert und akademisch gebildet sind. Ob Kinder und Jugendliche aus migrantisch geprägten Familien kommen, spielt dagegen nur eine sekundäre Rolle.
Dieses Gefälle zu ändern, ist nicht nur eine Frage von Chancengerechtigkeit, sondern auch enorm wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Viele Potenziale werden so verschenkt, ganze Teile der Gesellschaft abgehängt, die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert sich. Denn Bildung ist der Schlüssel zu einem guten Job und gesellschaftlicher Teilhabe.
Karin Prien scheint Eltern die Schuld für Pisa-Misere zu geben
Auf diese Erkenntnis wird von allen, die sich auch nur entfernt in den vergangenen Jahren mit Bildungsthemen beschäftigt haben, hingewiesen. Es gibt Konzepte, wie dem begegnet werden kann. Das Startchancen-Programm von Bund und Ländern ist dafür nur ein Beispiel und in der Tat nur ein Anfang. Wenn sich aber nun ausgerechnet Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) überrascht zeigt, dass es in deutschen Elternhäusern eine „sehr niedrige Bildungsaspiration“ gibt, kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
Denn genau das ist ihr Job: dafür zu sorgen, dass Bildung eben nicht vom Elternhaus abhängt. Konzepte gibt es viele. Das gemeinsame Lernen sollte über die Grundschule hinaus verlängert und gestärkt werden, weil oft immer noch die Herkunft des Schülers oder der Schülerin über die Wahl der weiterführenden Schule entscheidet. Insbesondere in Grundschulen sollte der Ganztag als Erfahrungsraum ausgebaut werden, sodass er systematisch zur Bildung und Förderung beitragen kann – unabhängig vom Elternhaus. Alle Kinder sollten über die Schule Zugang zu Kunst, Musik, Sport und Kultur haben.
Ministerin Prien kommuniziert ungeschickt
Davon abgesehen ist es auch einfach nur kommunikativ ungeschickt, Eltern gegen sich aufzubringen. Den gesellschaftlichen Gruppierungen, welche die Prien-Äußerung erreicht, liegt die Bildung ihrer Kinder vermutlich ohnehin am Herzen. Empörte Kommentare lassen sich in der Tat in den sozialen Medien finden. „Wir Eltern sind also das Problem, weil wir die Bildung unserer Kinder nicht für wichtig genug erachten“, heißt es da über die als Schuldzuweisung empfundene Äußerung. Man könne als Eltern eben nicht das komplett marode Bildungssystem reparieren, so der Tenor.
Abgesehen davon habe Kanzler Friedrich Merz erst jüngst gesagt, die Menschen sollten mehr arbeiten – was Eltern denn noch alles bewältigen sollen, fragen sich viele ebenfalls. Ulrich Schneider, ehemaliger Chef des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, schrieb auf X von „Elternbashing“.
Diejenigen dagegen, die mehr für das Fortkommen ihrer Kinder tun sollten, haben oft andere Probleme, als Interviews mit der Bildungsministerin zu hören oder zu lesen. Schlimmstenfalls verstärkt sich der Frust und das Gefühl, ohnehin abgehängt zu sein. Karin Prien wäre also dringend geraten, nicht mit dem Finger auf Eltern zu zeigen, sondern weitere Lösungskonzepte zu erarbeiten.
Geschickter hat sich übrigens Priens Parteifreundin und NRW-Schulministerin Dorothee Feller geäußert. Sie schreibt in einer Erklärung zu Pisa: „Die familiäre Unterstützung der Kinder fällt in Deutschland deutlich niedriger aus als im OECD-Durchschnitt“, darauf müsse man weiter reagieren. Das klingt deutlich neutraler als bei Prien.
