Präparate wie Wegovy, Mounjaro und Saxenda, häufig unter dem Begriff „Abnehmspritze" zusammengefasst, stehen derzeit im Fokus der Öffentlichkeit. Frei verkäuflich sind diese Mittel jedoch nicht: Sie unterliegen der Verschreibungspflicht und setzen ein ärztliches Rezept voraus. Dieses lässt sich inzwischen auch über telemedizinische Plattformen anfragen. Der Anbieter DrAnsay listet fünf Präparate zur Gewichtsreduktion, darunter Kapseln zur Hemmung der Fettaufnahme sowie wöchentlich anzuwendende Injektionen. Ein Überblick über den Ablauf, die medizinischen Hintergründe und wichtige Hinweise für Interessierte.
Hinweis: ksta.de ist kein medizinisches Fachportal. Dieser Beitrag dient der sachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob ein Medikament für Sie geeignet ist, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wirkweise der Abnehmspritzen im Überblick
Die Injektionspräparate basieren auf Wirkstoffen, die ein körpereigenes Hormonsignal imitieren. Das Darmhormon GLP-1 wird nach der Nahrungsaufnahme freigesetzt und signalisiert dem Gehirn unter anderem ein Sättigungsgefühl. Während Semaglutid (Wegovy) und Liraglutid (Saxenda) dieses Hormon nachahmen, wirkt Tirzepatid (Mounjaro) zusätzlich auf ein zweites Hormon namens GIP. Dadurch tritt das Sättigungsgefühl früher ein und das Hungergefühl nimmt ab. Eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität ersetzen die Präparate jedoch nicht: Gemäß Zulassung sind sie stets begleitend zu einer kalorienreduzierten Diät und vermehrter Bewegung einzusetzen.
Seit dem Jahr 2020 ist Adipositas in Deutschland als Krankheit anerkannt. Da starkes Übergewicht Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe begünstigen kann, stehen hierfür verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung.
Voraussetzungen und Zulassung der Präparate
Zugelassen sind die Injektionen sowie die Wegovy-Tabletten für Erwachsene ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 (Adipositas). Eine Verordnung ist zudem bei einem BMI zwischen 27 und unter 30 möglich, sofern mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, Prädiabetes, Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe vorliegt. Für den Fettblocker Orlistat gilt ein Schwellenwert von einem BMI ab 30 beziehungsweise ab 28 bei bestehenden Risikofaktoren.
Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit dürfen die Präparate nicht angewendet werden. Das Medikament Ozempic zählt im engeren Sinne nicht zu den Abnehmspritzen: Es verfügt über eine Zulassung zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, nicht jedoch zur reinen Gewichtsreduktion.
Ablauf der Anfrage bei DrAnsay
Der Bestellprozess gliedert sich in vier Schritte:
Zunächst wählen Sie das betreffende Präparat auf der Plattform aus.
Anschließend füllen Sie einen medizinischen Fragebogen aus, der nach Angaben des Anbieters ausschließlich von der prüfenden Ärztin oder dem prüfenden Arzt eingesehen werden kann.
Im nächsten Schritt bestätigen Sie die Versand- und Zahlungsmodalitäten.
Abschließend wird das Medikament geliefert oder zur Abholung bereitgestellt. Die Gebühr für das Online-Rezept beträgt 19 Euro, die Kosten für das Arzneimittel kommen hinzu.
Ein relevanter Hinweis zur Abwicklung: Nach Angaben von DrAnsay erfolgt die Ausgabe der Medikamente zur Gewichtsreduktion seit April 2026 über eine niederländische Apotheke (Stadsapotheek BV in Venlo). Ob tatsächlich ein Rezept ausgestellt wird, hängt von der ärztlichen Begutachtung ab; ein automatischer Anspruch besteht nicht.
Fünf gelistete Präparate im Überblick
In der Kategorie Gewichtsreduktion führt die Plattform fünf verschreibungspflichtige Arzneimittel, die sich hinsichtlich Wirkstoff, Darreichungsform und Preis unterscheiden. Zur preislichen Einordnung: Das Kapselpräparat Orlistat beginnt bei 98 Euro. Injektionen wie Wegovy liegen in der Einstiegsdosis bei rund 172 Euro, Saxenda startet ab 292 Euro – jeweils zuzüglich der Rezeptgebühr von 19 Euro. Mit steigender Dosierung erhöhen sich die Preise entsprechend.
Wegovy FlexTouch
- Wirkstoff: Semaglutid
- Anwendung: einmal pro Woche zur gleichen Tageszeit, zum Beispiel am Bauch oder Oberschenkel
Wegovy Tabletten
Die Darreichungsform als Tablette nutzt denselben Wirkstoff wie die Injektion und verfügt seit Juli 2026 über eine EU-Zulassung.
- Wirkstoff: Semaglutid
- Anwendung: einmal täglich als Tablette. Die Dosis wird laut Anbieter schrittweise über mehrere Monate gesteigert. Die EU-Zulassung gibt es seit Juli 2026.
Mounjaro KwikPen
Das Präparat basiert auf einem Wirkstoff, der die beiden körpereigenen Hormone GLP-1 und GIP nachahmt.
- Wirkstoff: Tirzepatid
- Anwendung: einmal pro Woche
- ➔ Zum DrAnsay Sortiment
Saxenda
Saxenda ist das am längsten verfügbare Injektionspräparat dieser Gruppe. Gemäß Fachinformation sollte die Therapie abgebrochen werden, sofern nach zwölfwöchiger Anwendung der Höchstdosis keine Gewichtsabnahme von mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts erreicht wurde.
- Wirkstoff: Liraglutid
- Anwendung: einmal täglich, möglichst zur gleichen Uhrzeit
Orlistat 1 A Pharma
Bei Orlistat handelt es sich um eine Alternative in Kapselform. Der Wirkstoff hemmt im Darm teilweise die Fettverdauung, wodurch etwa 30 Prozent der über die Nahrung aufgenommenen Fette unverdaut ausgeschieden werden. Laut Fachinformation tritt dieser Effekt innerhalb von 24 bis 48 Stunden ein.
- Wirkstoff: Orlistat
- Anwendung: eine Kapsel zu jeder der drei Hauptmahlzeiten, höchstens drei Kapseln pro Tag
- ➔ Zum DrAnsay Sortiment
Ergebnisse aus klinischen Studien
Die klinischen Untersuchungen zu den einzelnen Wirkstoffen weichen hinsichtlich Laufzeit, Dosierung und Zusammensetzung der Probandengruppen voneinander ab, weshalb ein direkter Vergleich der Kennzahlen nur eingeschränkt möglich ist. Sämtliche Angaben stellen Durchschnittswerte aus Studien dar, in denen die Teilnehmenden begleitend Ernährungs- und Bewegungsprogramme absolvierten. Individuelle Verläufe können davon deutlich abweichen.
- Mounjaro: In der Studie SURMOUNT-1 mit 2.539 Erwachsenen ohne Diabetes verloren die Teilnehmenden mit der höchsten Dosis nach 72 Wochen im Schnitt 20,9 Prozent ihres Gewichts. In der Placebogruppe waren es 3,1 Prozent.
- Wegovy-Spritze: In der Studie STEP 5 waren es nach 104 Wochen im Schnitt 15,2 Prozent, gegenüber 2,6 Prozent unter Placebo. Etwa jeder Dritte (36 Prozent) kam auf mindestens 20 Prozent.
- Wegovy-Tabletten: In der Zulassungsstudie OASIS 4 lag der Durchschnitt nach 64 Wochen bei 13,6 Prozent, gegenüber 2,2 Prozent unter Placebo. Wer die Tabletten wie vorgesehen einnahm, kam auf 16,6 Prozent.
- Saxenda: In der Zulassungsstudie sank das Gewicht nach 56 Wochen im Schnitt um etwa 8 Prozent, bei Placebo um 2,6 Prozent. Rund 63 Prozent erreichten mindestens 5 Prozent Gewichtsverlust.
- Orlistat: Laut Fachinformation erreichten nach zwölf Wochen 37 von 100 Behandelten mindestens 5 Prozent Gewichtsverlust. In der Vergleichsgruppe waren es 19 von 100.
Eine direkt vergleichende Untersuchung (SURMOUNT-5 mit 751 Teilnehmenden) ergab unter Tirzepatid (Mounjaro) eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 20,2 Prozent, während unter Semaglutid (Wegovy) 13,7 Prozent verzeichnet wurden. Finanziert wurde diese Studie von Eli Lilly, dem Hersteller von Mounjaro. Eine pauschale Empfehlung für ein bestimmtes Präparat lässt sich daraus nicht ableiten; die Auswahl obliegt der ärztlichen Beurteilung.
Rechtliche Einordnung des Angebots von DrAnsay
Angesichts der Rezeptvergabe ohne persönlichen Praxisbesuch stellt sich häufig die Frage nach der rechtlichen Zulässigkeit. Grundsätzlich sind telemedizinische Dienstleistungen in Deutschland erlaubt, und die Plattform DrAnsay operiert regulär am Markt. Voraussetzung für ein Rezept ist die Prüfung des ausgefüllten Fragebogens durch approbierte Ärztinnen und Ärzte; die Abgabe des Arzneimittels erfolgt über eine Apotheke. Patientinnen und Patienten, die ein auf diesem Weg ärztlich ausgestelltes Rezept einlösen, handeln nach derzeitigem Stand im Rahmen der geltenden Gesetze.
Zur vollständigen Einordnung zählt jedoch auch, dass DrAnsay in der Vergangenheit Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen war. Dabei ging es insbesondere um Werbemaßnahmen sowie die Kooperation mit Apotheken im Bereich medizinisches Cannabis – unter anderem im Zuge einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg sowie eines noch nicht rechtskräftigen Urteils des Landgerichts Düsseldorf. Diese Verfahren richten sich allerdings nicht gegen die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform. Darüber hinaus wurde bei anderen Telemedizin-Anbietern gerichtlich verhandelt, inwieweit eine ausschließliche Fernbehandlung per Fragebogen bei Adipositas den medizinischen Sorgfaltsstandards genügt. Da sich die Rechtsprechung in diesem Bereich weiterentwickelt, empfiehlt sich eine sorgfältige Prüfung der Anbieterangaben.
Kosten und Erstattung durch die Krankenkassen
Gesetzliche Krankenkassen kommen für die Kosten von Präparaten zur Gewichtsreduktion derzeit nicht auf. Gemäß § 34 SGB V werden solche Medikamente als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel eingestuft und sind auch bei diagnostizierter Adipositas von der Erstattung ausgeschlossen. Eine Kostenübernahme greift lediglich bei Typ-2-Diabetes im Rahmen der entsprechenden Diabetes-Therapie. Wer die Mittel zur Gewichtsabnahme nutzt, trägt die Ausgaben in der Regel als Selbstzahler.
Laut DrAnsay bewegen sich die Einstiegspreise je nach gewähltem Mittel zwischen rund 98 und 292 Euro, zuzüglich 19 Euro für die Rezeptausstellung. Da die Therapie auf mehrere Monate angelegt ist und die Dosierung üblicherweise stufenweise gesteigert wird, nehmen die Kosten im Verlauf zu. Für die höchste Dosis der Wegovy-Tabletten weist ein anderer Anbieter beispielsweise monatliche Kosten von rund 278 Euro aus. Interessierte sollten daher während des Bestellvorgangs genau auf Dosierung, Packungsgröße und den Gesamtpreis achten.
Wichtige Hinweise vor einer Anfrage
- Nebenwirkungen: Häufig sind laut DrAnsay Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung, meist vorübergehend. Bei Orlistat sind ölige Stühle und Durchfall typisch, besonders nach fettreichen Mahlzeiten. Außerdem kann es die Aufnahme fettlöslicher Vitamine verringern. In seltenen Fällen kann es zu ernsteren Reaktionen kommen.
- Ehrliche Angaben im Fragebogen: Die Ärztin oder der Arzt kann nur auf Basis Ihrer Angaben entscheiden. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder bestehende Erkrankungen sollten unbedingt angegeben werden.
- Nach dem Absetzen: Studien zeigen, dass das Gewicht nach dem Ende der Behandlung teilweise zurückkommt. Eine Abnehmspritze ist deshalb eher ein langfristiges Thema als eine Kur.
- Werbeversprechen prüfen: Aussagen wie „bis zu 20 Prozent" beschreiben Bestwerte aus Studien, keine Garantie.
Bei Unsicherheiten bezüglich der Eignung einer solchen Therapie empfiehlt sich vorab eine Rücksprache in der hausärztlichen Praxis. Wer den telemedizinischen Weg in Betracht zieht, findet bei DrAnsay vorab einsehbare Informationen zu Ablauf und Preisgestaltung.
Über die Plattform DrAnsay
Das Telemedizin-Portal DrAnsay.de wurde im Jahr 2018 von Dr. jur. Can Ansay gegründet. Nach Unternehmensangaben vermittelt der Dienst Online-Rezepte in Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten sowie über 500 kooperierenden Apotheken. Das Spektrum umfasst neben Folgerezepten und allgemeinmedizinischen Anliegen auch die Bereiche Frauen- und Männergesundheit sowie Verordnungen für medizinisches Cannabis, Potenzmittel und Präparate zur Gewichtsreduktion. Laut eigener Darstellung verzeichnet die Plattform mehr als eine Million Patientinnen und Patienten; sämtliche genannten Kennzahlen beruhen auf Angaben von DrAnsay.
