Gastronom Geert Dilien blickt zwar zuversichtlich auf den kommenden Samstag, bereitet sich aber angesichts der 5000 angemeldeten Demoteilnehmer auf dem Heumarkt dennoch vor. „Ich mache mir viele Gedanken. Wir werden unsere Außengastronomie wegräumen“, sagt der Wirt des Gilden im Zims am Montag auf Nachfrage.
Diese bleibt üblicherweise stehen, über Nacht ist sie gesichert. Doch um mögliche Stolperfallen zu vermeiden, soll sie am Samstag weg: Denn an ein normales Geschäft ist laut Dilien ohnehin nicht mehr zu denken, wenn sich ab 14 Uhr massenweise junge Leute auf den Heumarkt drängen. Wie berichtet, hat die Initiative „Gen Z regelt“ zum bundesweiten Protest aufgerufen. In Köln haben über die Webseite der Initiative Stand Montag bislang mehr als 11.400 Menschen ihr Kommen zugesagt – also doppelt so viele wie angemeldet.

Geert Dilien ist Wirt im Gilden im Zims.
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Nach eigenen Angaben solidarisiert sich „Gen Z regelt“ mit den Schülerprotesten in Frankreich, Belgien und Spanien. „Nach aktuellem Stand liegen keine konkreten Hinweise darauf vor, dass es zu gewalttätigen Aktionen oder zu vergleichbaren Entwicklungen wie in Frankreich kommen wird“, sagte die Kölner Polizei am Freitag. Man gehe aber in Kooperationsgesprächen vor der Veranstaltung mit den Anmeldern in den Dialog.
Heumarkt-Wirt Dilien glaubt nicht, dass es zu ähnlichen Gewaltexzessen wie in Frankreich oder Italien komme. Deshalb habe er nicht geplant, sein Lokal zu verbarrikadieren. Er appelliert an die Menschen aus Köln, „friedlich zu demonstrieren“, und verlässt sich auf eine hohe Polizeipräsenz.
Auch der Gastronom Raouf Khammassi vom XII. Apostel geht derzeit nicht davon aus, dass die Demonstration ausarten werde. „Wir können Frankreich und Deutschland nicht vergleichen, das sind ganz andere Traditionen in der Protestkultur. Ich bin daher nicht übermäßig besorgt, dass die Protestierenden den gleichen Weg der Gewaltausschreitungen einschlagen werden. Protestieren ist ein gutes Recht in der Demokratie, aber es sollte nicht mehr sein als das“, so der Wirt und Hotelbetreiber.
Wie schätzen Sie das Risiko ein, dass die Demonstration am Samstag eskaliert?
Doch auch Khammassi hat sich schon detaillierte Gedanken zu Vorsichtsmaßnahmen gemacht. „Wir werden unser leichtes Mobiliar wegräumen und reintragen, damit nicht die Gefahr besteht, damit herumzuwerfen. Die anderen sehr schweren Tische lassen wir stehen“, so Khammassi. „Notfalls werden wir schließen“, sollte sich die Situation doch zuspitzen. An einen Security-Dienst habe man auch gedacht, doch die Option letztlich verworfen. „Wir wollen nicht provozieren. Und wenn es wirklich losgeht, können die auch nicht groß helfen.“ Da verlasse man sich auf die Polizei.
Dehoga: Unternehmen brauchen Planungssicherheit
Die Kölner Polizei steht nach eigenen Angaben in der Vorbereitung der Demo im ständigen Austausch mit anderen Sicherheitsbehörden des Bundes und des Landes. Zudem beobachte man die öffentliche Mobilisierung der Gruppe, auch bei den Anmeldezahlen über die Webseite. „Bei Demonstrationen gehört es auch dazu, dass wir uns auch an betroffene Wirte und Händler wenden“, sagt ein Sprecher der Kölner Polizei. In solchen „Stakeholder-Schreiben“ wird dann unter anderem über Sperrungen und Verkehrsbehinderungen informiert.
Christoph Becker, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein (Dehoga), hatte bis Montagmittag noch nichts von den Behörden gehört. „Ich habe gegenüber der Stadt deutlich gemacht, dass die Unternehmen Planungssicherheit brauchen, auch für ihre Mitarbeiter und ihre Gäste“, so Becker. Es müsse nach Möglichkeit versucht werden, die Demonstration aus der Innenstadt herauszuziehen, wenn zumindest die Gefahr von Vandalismus und gewalttätigen Auseinandersetzungen drohe, so Becker. Das sei aber rechtlich sicher kein einfaches Unterfangen.
Manchmal profitieren wir auch davon, wenn die Leute herkommen und danach etwas trinken. Aber Gewalt kennen wir hier nicht. Das wäre für uns eine Premiere und fremd
Regelmäßige Kundgebungen und Veranstaltungen sind die Gastronomen am Heumarkt gewohnt. Für den Geschäftsführer des Eiscafés Stella D'Oro, Jakob Isiklar, ist das Demogeschehen am Platz mittlerweile Alltag und daher kein Grund zu Alarmismus. So hat er auch von den geplanten Jugendprotesten am Samstag noch nichts gehört. „Manchmal profitieren wir auch davon, wenn die Leute herkommen und danach etwas trinken. Aber Gewalt kennen wir hier nicht. Das wäre für uns eine Premiere und fremd“, sagt XII-Apostel-Wirt Khammassi.
Geert Dilien vom Gilden im Zims hingegen beklagt sich über die hohe Anzahl an Versammlungen am Heumarkt. „Es ist fast immer schlecht für das Geschäft. Viele Menschen, Reden – das stört die normalen Gäste. Und auch bei Großveranstaltungen mit lauter Musik ist es nachteilig für uns. Dann kommen noch Absperrungen hinzu“, so der Gastronom. „Warum müssen immer so viele Demos am Heumarkt sein? Ich finde es ungerecht und fände es besser, wenn es mehr auf die gesamte Stadt verteilt wäre.“

