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Kader-Aus für Waldschmidt und KainzLukas Kwasnioks gefährliches Spiel

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Für das Heidenheim-Spiel nicht berücksichtigt: Luca Waldschmidt (l.) und Florian Kainz

Für das Heidenheim-Spiel nicht berücksichtigt: Luca Waldschmidt (l.) und Florian Kainz

Das erfahrene FC-Duo musste das Trainingslager-Hotel früh morgens verlassen und steht nicht im Kölner Aufgebot für Heidenheim.

Luca Waldschmidt und Florian Kainz dürften kaum begeistert davon gewesen sein, am Freitagmorgen um 5 Uhr ohne die Teamkollegen das Trainingslager-Hotel in La Nucia verlassen zu müssen. Um sich dann zum 150 Kilometer entfernten Flughafen Valencia fahren zu lassen, von dort in den Flieger nach Barcelona zu steigen, und schließlich per Anschlussflug nach Köln zu gelangen. Aber das war am Freitag nun mal das Los der   beiden Routiniers des 1. FC Köln, da ansonsten alles vom Flughafen Alicante aus ausgebucht war.

Eine kleine Odyssee für Waldschmidt und Kainz

Der Grund für die unverhoffte Odyssee: Trainer Lukas Kwasniok hatte Waldschmidt und Kainz aus dem Kader für das wegweisende Spiel des Bundesliga-Aufsteigers am Samstag (15.30 Uhr) beim 1. FC Heidenheim gestrichen. Ebenfalls fehlen wird mit Dominique Heintz (32) ein weiterer Routinier – allerdings, weil der Verteidiger nach dem Abschlusstraining am Freitag im Trainingslager an der Costa Blanca angeschlagen und nicht einsatzfähig ist. Eine MRT-Untersuchung soll Aufschluss über die Schwere der Blessur geben.

Fest steht, dass durch Heintz' Ausfall die Sorgen in der Abwehr immer größer werden, da mit dem gesperrten Rav van den Berg und dem noch nicht fitten Joel Schmied zwei weitere Innenverteidiger ausfallen. Und die langzeitverletzten Timo Hübers und Luca Kilian ohnehin kein Thema sind. Auf Waldschmidt und Kainz verzichtete Kwasniok freiwillig, für sie rückten Nachwuchs-Stürmer Fynn Schenten sowie Ersatztorwart und Kassenwart Matthias Köbbing in den Kader.

Unverständnis über Aussagen in autorisiertem Interview

Waldschmidts vorläufige Ausbootung ist wohl als Denkzettel zu verstehen. Kwasniok und Sportdirektor Thomas Kessler teilten dem 29-Jährigen sein Kader-Aus persönlich mit. Der unausgesprochene Vorwurf: Der Stürmer stelle sein Ego über das der Mannschaft. Eine Rolle spielte offenbar ein Interview im „Express“, in dem Waldschmidt seine Unzufriedenheit über seine Einsatzzeiten zum Ausdruck gebracht hatte. Die ist nicht unbedingt neu beim Angreifer, vor neun Monaten hatte Waldschmidt im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ ähnliche Aussagen getätigt. Auf die Frage, ob er Vertrauen spürte, hatte der siebenfache Nationalspieler entgegnet: „Mal so, mal so – um ehrlich zu sein. Wenn man immer wieder angezweifelt wird, kann man das nicht ganz beiseiteschieben.“ Und stellte selbst die rhetorische Frage: „Wann haben wir zuletzt wirklich konstant guten Fußball gespielt?“ Trainer war damals aber ein anderer: der später geschasste Gerhard Struber.

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FC-Trainer Lukas Kwasniok

Die neuerliche Wortmeldung von Waldschmidt, der in Spanien weder sonderlich auf- noch abfiel, sorgte aber allem Anschein nach beim FC intern für Irritationen. Und diesmal folgten Konsequenzen. Allerdings wurde das Interview, wie auch das aus dem letzten Jahr, vom Verein – wie üblich – autorisiert, also vor Veröffentlichung gelesen, an einigen Stellen verändert, abgesegnet und freigegeben.

Interessenten für Luca Waldschmidt und Florian Kainz

Immerhin: In der kommenden Woche bekommen beide FC-Profis neue Chancen, sich zu bewähren. Dennoch dürften sich beide Spieler Gedanken machen. Wechsel-Gedanken. Nach Informationen dieser Zeitung sind die Bundesliga-Aspiranten Hertha BSC und Hannover 96 an Waldschmidt und der FC Venedig und sein Heimat-Klub Sturm Graz an Kainz interessiert. Fraglich ist, ob Waldschmidt diese Vereine als seine Kragenweite sieht. Auch ein Wechsel ins Ausland scheint möglich. Und ob der dienstälteste FC-Profi Kainz (201 Pflichtspiele) einen schmucklosen Abgang als erstrebenswert erachtet, ist ebenfalls unklar. Die FC-Verantwortlichen haben bisher keine konkreten Absichten, Spieler abzugeben, allerdings ist das Transferfenster bis zum 2. Februar geöffnet. „Ich würde nicht ausschließen, dass uns noch Spieler verlassen werden“, sagte Sportdirektor Thomas Kessler, der aber bei keinem Spieler mit einem zeitnahen Wechsel rechnet.

Nun sollte man die Maßnahmen des Trainers zumindest sportlich nicht überhöhen. Doch sie passen ins Bild der prekären Situation beim FC, der zuletzt in sechs Spielen nur zwei Punkte geholt hatte. Mehrere Profis sind unzufrieden, beklagen fehlende Rückendeckung und Vertrauen. Oder kommen mit der direkten, manchmal unberechenbaren Art des Trainers nicht zurecht. Kwasniok hatte in Spanien seiner Mannschaft eine Standpauke gehalten, bemängelte die Einstellung und Haltung. Allerdings abgesprochen mit Kessler, der ebenfalls mit den Leistungen einiger Spieler nicht zufrieden ist, und Vizepräsident Ulf Sobek.

Wegweisende Spiele gegen Heidenheim und Mainz

Klar ist: Mit solchen Maßnahmen geht Kwasniok ein hohes Risiko ein. Sie müssen aufgehen. Das Duell in Heidenheim ist für den Trainer im doppelten Sinne ein gefährliches Spiel – aus sportlicher und atmosphärischer Sicht. Und ähnlich wegweisend wie das Heimspiel in einer Woche gegen Schlusslicht Mainz 05. Zwischendurch kommt der FC Bayern am 14. Januar nach Müngersdorf. Heidenheim, so Kwasniok, sei ein entscheidender Gegner im Kampf um den Klassenerhalt, deshalb sei das Spiel mit einer gewissen Brisanz hinterlegt. „Da musst du deinen Mann stehen. Fußball ist auch Herz, Mentalität und Zweikampf. Ich glaube, dass wir Jungs haben, die sich auch darauf freuen.“ Die Freude bei Waldschmidt und Kainz vor dem heimischen TV dürfte sich indes in Grenzen halten.