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FC-Remis in der Analyse„Jeder Punkt hilft“ – Torschütze Finkgräfe auch auffälligster Kölner Dribbler

Lesezeit 4 Minuten
FC-Profis bejubeln den Führungstreffer durch Max Finkgräfe in Hoffenheim.

FC-Profis bejubeln den Führungstreffer durch Max Finkgräfe in Hoffenheim.

Die Kölner Fans feierten ihre Mannschaft für das 1:1 im Karnevals-Auswärtsspiel bei der TSG.

Nach dem Schlusspfiff boten sich in den Kurven der Sinsheimer Arena sehr unterschiedliche Bilder. Die Kölner Fans feierten ihre Mannschaft für das 1:1 (0:0)-Unentschieden im Karnevals-Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim, obgleich den Gastgeber noch spät der Ausgleich gelungen war.

Am Südende des Stadions schimpfte der Block mit den Anhängern der Kraichgauer die Heimelf jedoch trotz des späten Erfolgserlebnisses mächtig aus: „Wir wollen euch kämpfen sehen“, war von der Tribüne zu hören, doch die Protestgesänge gingen im Jubel der vielen Tausend Kölner unter.

1. FC Köln gibt Führung in der Nachspielzeit aus der Hand

Und das, obwohl der FC tief in der Nachspielzeit den Sieg aus der Hand gegeben hatte: Der erneut herausragende Max Finkgräfe hatte Köln mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung gebracht (79.). Sekunden vor dem Schlusspfiff jedoch hatte Andrej Kramaric mit starker Einzelleistung den Ausgleich erzielt.

Am Ende blieben trotz des Jubels im Kölner Block gemischte Gefühle, denn der zweite Sieg nacheinander hätte die Kölner weiter stabilisiert. Finkgräfe nahm sich vor, glücklich zu sein. „Ich freue mich trotzdem und versuche, es positiv zu sehen. Aber es fühlt sich am Ende natürlich wie eine Niederlage an. Ich trainiere das schon jeden Tag so, vor allem auch nach dem Training, da schnappe ich mir zehn Bälle. Ich habe zu mir gesagt: Das muss es jetzt sein, denn den Freistoß trainiere ich jeden Tag. Danach: pure Emotion. Jeder Punkt hilft“, sagte der Teenager, der vom neuen Trainer Timo Schultz erneut gelobt wurde: „Max nimmt sich fast nach jedem Training den Ball und übt Freistöße. Dass er den so getroffen hat, freut mich extrem. Er hat wieder eine super Leistung gezeigt. Der Junge macht richtig Spaß“, sagte der Coach, der trotz des „sehr bitteren“ späten Ausgleichs von einer verdienten Punkteteilung sprach.

Köln hat nun vier Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze, verpasste aber die Chance, mit einem Sieg den Kampf um Rang 15 zu eröffnen. Dennoch präsentierten sich die Kölner erneut kontrolliert und stabil und blieben zum dritten Mal in Folge ungeschlagen.

Kölner Fußball bleibt kontrolliert, planvoll und nicht gerade spektakulär

Schultz stellte Luca Kilian für den erkrankten Timo Hübers in der Innenverteidigung auf. Weitere Veränderungen an seiner Startelf gab es nach dem 2:0 gegen Frankfurt nicht. Und auch der Kölner Fußball erinnerte an die jüngsten Auftritte: kontrolliert und planvoll. Nach vorn jedoch nicht gerade spektakulär.

Die Partie fand zunächst überwiegend zwischen den Strafräumen statt. Nach einer Viertelstunde allerdings hatten die Gastgeber, die angesichts des Kölner Fan-Aufkommens ein Auswärtsspiel erlebten, die erste Gelegenheit des Nachmittags: Beier setzte sich auf dem Flügel durch, wo Kilian Probleme mit der Geschwindigkeit des 21-Jährigen hatte. Bebou kam an den Ball und zu einem freien Schuss, der jedoch am langen Pfosten vorbeistrich. Dennoch ärgerte sich Finkgräfe sichtlich, der Hoffnungsträger hatte sich allzu leicht verladen lassen. Dennoch war es Finkgräfe, der die ersten auffälligen Szenen bei Kölner Ballbesitz hatte. Früh tauchte er am und auch im Strafraum auf und brachte Flanken ins Zentrum. Zudem bot er eines seiner Diagonal-Dribblings, die zu einem seiner Markenzeichen werden könnten. Neben den direkten Freistößen, versteht sich.

Finkgräfe auch der auffälligste Dribbler der Kölner

Dass Finkgräfe der auffälligste Dribbler auf Kölner Seite war, unterstrich aber auch, dass offensiv nicht viel zusammenging. Jan Thielmann stand im Sturmzentrum zwar Mann gegen Mann gegen Florian Grillitsch, kam jedoch kaum in die Lage, seine Tempovorteile einzubringen. Nach einer halben Stunde allerdings hätte das Kölner Lauern beinahe zum Erfolg geführt. Ihlas Bebou verpatzte eine Ball-Annahme, Dejan Ljubicic sprintete dazwischen und zog davon. Doch Bebou hielt den Österreicher am Trikot fest. Gelb statt Großchance, es blieb bei Ansätzen der Kölner Offensive.

Die TSG dagegen hatte vor der Pause noch einen gefährlichen Moment, als Skov den Ball in der 43. Minute zu Weghorst spielte, dessen Schuss aus der Drehung jedoch deutlich über das Kölner Tor flog. Die Partie blieb auch nach dem Seitenwechsel arm an Torszenen, wenngleich Köln noch den besseren Eindruck hinterließ. Hoffenheim leistete sich unerklärliche Abspielfehler und wurde kaum gefährlich. Matarazzo wechselte dreimal, was dem Spielfluss ebenfalls nicht half. Die Partie stockte und stockte. Doch dann machten sich zwei Kölner auf, die Dinge auf eigene Faust zu regeln.

Zunächst startete Linton Maina einen Tempolauf ins Zentrum, wo er in torgefährlicher Position gefoult wurde. Finkgräfe trat an; der linke Fuß des 19-Jährigen ist bei den Kölner Torhütern wohlbekannt, denn allzu oft hebt er nach dem Training noch einen Zehnersatz Bälle über die Mauer. Am Sonntag übertrug er seine Kunst auf die große Bühne: Aus 25 Metern trat er an und setzte den Ball unhaltbar in die Maschen.

Zehn Minuten vor Schluss hielten die Kölner den Sieg in den Händen. Doch sie gaben ihn noch aus der Hand: Tief in der Nachspielzeit kam der spät eingewechselte Kramaric im Kölner Strafraum an den Ball, legte sich den Ball mit der Brust perfekt auf den linken Fuß und traf mit klinischer Präzision zum Ausgleich.

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