Köln verliert 1:2 gegen RB Leipzig – und hadert nach starkem Auftritt mit einer höchst seltsamen Abseits-Entscheidung
SpielberichtStarker 1. FC Köln unterliegt Leipzig – Ärger über Abseitsentscheidung

Sebastian Sebulonson und seine Kollegen fordern einen Hand-Elfmeter, doch am Ende entschied der Schiedsrichter auf Abseits.
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Die Verzweiflung in Müngersdorf nach dem 1:2 (0:1) des 1. FC Köln gegen RB Leipzig war groß. Nach einem starken Spiel hatten die Kölner gegen die favorisierten Gäste besonders in der zweiten Halbzeit groß gekämpft. Jan Thielmann (51.) hatte Baumgartners Führung aus der 29. Minute egalisiert; nach dem erneuten Rückschlag durch Baumgartners 1:2 folgte eine Szene von reinem Drama: Nach einem Freistoß klärte die Leipziger Defensive nicht nachhaltig; nach zwei Abwehrversuchen fiel der Ball vor Thielmanns Füße, der sich ein Herz nahm und satt abschloss. Der Schuss kam flach aufs Tor; Baumgartner warf sich in die Bahn. Vom eigenen Körper prallte dem Österreicher der Ball an die Hand und wäre ohne diesen Kontakt ins Tor gegangen.

Die digitale Überprüfung der entscheidenden Szene zeigt, dass Sebulonsen mit der Ferse um Zentimeter jenseits der Abseitslinie steht.
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Ein Strafstoß also – doch die Prüfung zog sich hin. Während Schiedsrichter Willenborg zum Bildschirm schritt, signalisierte er bereits, dass es gar nicht um das Handspiel ging. Sondern um eine mögliche Abseitsstellung.
Tatsächlich ergab die grafische Auswertung der TV-Aufnahme, dass Sebastian Sebulonsens Ferse um Zentimeter im Abseits gewesen war. In früheren Zeiten wäre das ein Fall für „gleiche Höhe“ oder „im Zweifel für den Angreifer“ und damit kein Abseits gewesen. Der digitale Befund war jedoch eindeutig, wenngleich lächerlich knapp.
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Dennoch war die Angelegenheit nicht erledigt – zu klären blieb, ob das Abseits überhaupt strafbar gewesen war. Denn vor Thielmanns Schuss hatten zwei Leipziger nacheinander versucht, den Ball aus der Gefahrenzone zu köpfen und damit neue Spielsituationen ausgelöst. Darauf beschränkte sich am Ende die Debatte. Lukas Kwasniok war erwartungsgemäß unglücklich über die Entscheidung. Dem Kölner Trainer ging es um David Raums Abwehraktion: „Das war ein kontrollierter Kopfball. Ich mache dem Schiedsrichter keinen Vorwurf. Aber eigentlich doch“, sagte der Trainer, der dennoch gefasst mit dem Ergebnis umging. Der Kölner Auftritt bewahrte ihn davor, an der Heimniederlage zu verzweifeln. „Es war eine famose Leistung meiner Mannschaft, die ans Äußerste gegangen ist“, sagte er.
Eric Martel, an beiden Gegentoren direkt beteiligt, betonte ebenfalls die starke Kölner Leistung. Die Heimelf habe einen Punkt verdient, sagte er, und zur Schiedsrichterentscheidung: „Du kannst mir nicht erzählen, dass das Abseits war“. Für Baumgartner wäre der Elfmeter eindeutig gewesen, zur Abseitsentscheidung äußerte sich der Doppelschütze nicht mehr. „Ich habe noch versucht zu jubeln und mir einzureden, dass es kein Handspiel ist“, sagte der Österreicher, und zu den Kölner Protesten: „Verstehe ich.“ Auch Jan Thielmann trauerte der verpassten Chance nach. Vier Zähler liegen die Kölner noch vor dem Relegationsplatz. „Wir müssen ins Punkten kommen, die Tabelle wird enger.“
Den ersten Abschluss des Nachmittags hatten die Kölner nach einer Umschaltaktion, als Ache auf Lund legte, der Linksschuss des US-Nationalspielers jedoch zu harmlos ausfiel, um Peter Gulacsi in Schwierigkeiten zu bringen. In der nächsten Aktion gelang den Gästen der erste gefährliche Vorstoß über außen. Raum brachte den Ball in den Kölner Strafraum, wo Romulo aus kurzer Distanz den Pfosten traf. Es schien die erwartete Partie zu werden: Starke Leipziger Flügel und eine Kölner Mannschaft, die ihr Heil in Kontern sucht.
Das macht mich nach wie vor fuchsteufelswild. Wenn man in der Bundesliga etwas holen will, muss man sich bei Standards besser anstellen
Leipzig unterliefen allerdings auch Fehler, so etwa, als Jakub Kaminski in der 22. Minute den Ball tief in der Hälfte der Gäste gewann und Krauß El Mala freispielte, der mit dem linken Fuß überhastet am langen Pfosten vorbeischoss. Das hätte die Führung sein können, stattdessen fiel das Tor auf der anderen Seite. Nach einer knappen halben Stunde schlug Raum einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Kölner Strafraum. Marvin Schwäbe kam ein paar Schritte aus seinem Tor, blieb jedoch im Niemandsland stehen, als er bemerkte, dass er den Ball nicht erreichen würde. Und hatte dort keine Chance, Baumgartners Kopfball zu parieren, den Martel nicht verhindert hatte. „Das macht mich nach wie vor fuchsteufelswild. Wenn man in der Bundesliga etwas holen will, muss man sich bei Standards besser anstellen“, sagte Kwasniok später.
Zur Pause hatte im Kölner Team nur Cenk Özkacar mehr Ballkontakte als Torwart Marvin Schwäbe. Der FC offenbarte große Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden. Dennoch war die Lage nicht aussichtslos: Köln hatte durch Lund und El Mala zwei Großchancen gehabt, taktisch ordentlich ausgesehen und nur ein Tor per Standard kassiert. Man kann schlechter aussehen gegen Leipzig.
In der 49. Minute flankte Lund erneut stark, Ache setzte den Kopfball knapp neben das Tor. Es war zwar ein schwieriges Spiel für die Kölner, die unter dem Druck des Gegners ächzten und litten. Doch sie kämpften sich mehr und mehr ins Spiel. So etwa in der 51. Minute, als Said El Mala in den Strafraum dribbelte und der Ball nach Johannessons robustem Einsatz gegen Nusa vor Thielmanns Füße fiel, dem aus 15 Metern ein traumhafter Schuss mit dem Spann in den Winkel gelang. „Den treffe ich natürlich richtig gut“, sagte Thielmann später. Es war ein verdienter Ausgleich für den beherzt kämpfenden FC.

Verdienter Jubel über ein Traumtor, auch wenn am Ende die Niederlage stand: Jan Thielmann
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Doch die Freude war nicht von Dauer. Fünf Minuten nach dem Ausgleich misslang Lund ein Befreiungsschlag. Schlager spielte auf Baumgartner, der den Ball perfekt mitnahm und mit rechts ins kurze Eck vollendete – unhaltbar diesmal.
Kwasniok brachte Bülter für Johannesson, erhöhte das Risiko – gleich hatte der FC die nächste Großchance: Kaminski schlug über den Ball; und im Rückraum zeigte Sebulonsen, dass er ein erstaunlicher Verteidiger geworden ist, mit links freilich weiterhin kein Präzisionsschütze.
Es folgte die Szene des Tages, deren Auswirkungen immerhin eine neunminütige Nachspielzeit bedeuteten. Der FC setzte alles auf eine Karte, auch Zugang Felipe Chávez debütierte noch. Doch die Wende gelang den Kölnern nicht mehr.

