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Köln trifft auf DortmundFC-Trainer unter Druck – Kwasnioks Kampf um die Kontrolle

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Lukas Kwasniok erlebte mit seinen Spielern eine intensive Trainingswoche. Der Glaube des Trainers an einen Sieg über Dortmund ist stark.

Lukas Kwasniok erlebte mit seinen Spielern eine intensive Trainingswoche. Der Glaube des Trainers an einen Sieg über Dortmund ist stark. 

Lukas Kwasniok ist mit dem 1. FC Köln nach den Ergebnissen der vergangenen Wochen unter Druck geraten – nun kündigte der Trainer an, im Fall der Fälle selbst zurücktreten zu wollen

Der Druck am Geißbockheim ist mittlerweile hoch; nach nur zwei Siegen aus 15 Spielen spürt der 1. FC Köln die Gravitation der Abstiegszone. Zwei Punkte stehen die Kölner noch vor Rang 16; sollte dieses Wochenende für den FC einen ähnlich desaströsen Verlauf nehmen wie das vergangene, können sich die Kölner am Sonntagabend auf dem Relegationsplatz wiederfinden – und damit zum ersten Mal in dieser Saison unter dem Strich stehen.

Lukas Kwasniok kann die Tabelle lesen, er spürt die prekäre Lage. Doch lenkt er den Blick weiterhin auf das Gute. In seiner speziellen Rhetorik. „Wenn jetzt Corona käme, was keiner will, dann hätten wir unser Ziel erreicht. Die Jungs haben bis jetzt gezeigt, dass sie über dem Strich stehen können. Das bedeutet, dass wir das auch in den nächsten zehn Spielen unter Beweis stellen können – und stellen werden“, sagte der Trainer vor der Partie gegen Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr, Rhein-Energie-Stadion). Der Pandemie-Gedanke kam dem Trainer, weil er im Frühjahr 2020 mit dem 1. FC Saarbrücken die Meisterschaft der abgebrochenen Regionalliga-Saison hatte feiern dürfen. Nach 23 Spieltagen war seine Mannschaft Tabellenführer gewesen.

Ein Abbruch der Saison steht tatsächlich nicht zu befürchten, die Bundesliga wurde während der Pandemie ohnehin zu Ende gespielt. Kwasniok meint: Was 24 Spieltage lang funktioniert hat, kann auch bis zum Ende gutgehen. Die Energie in seinem Kader sei jedenfalls intakt. „Wir lassen uns nicht nur von Ergebnissen leiten. Der tägliche Umgang, die Bereitschaft, füreinander da zu sein. Das ist kein Gegeneinander, das ist ein totales Füreinander“, berichtete er nach einer starken Trainingswoche. Kwasniok wirkt überzeugt, seine Loyalität gilt weiter der Mannschaft. Das ist bemerkenswert, schließlich hat er an anderen Stationen bereits eine Neigung gezeigt, unter Druck seinen Spielern die Freundschaft zu kündigen, wenn die Leistung nicht mehr stimmte.

Doch das 0:2 gegen Augsburg ist verziehen. Kwasniok hat in dieser Saison mehrfach beteuert, jedes Spiel gewinnen zu wollen. In Augsburg sah seine Mannschaft allerdings so aus, als spiele sie auf 0:0, auf Halten. Das sei aber nicht auf seine Initiative hin passiert, erklärte der Trainer. „Die Energie hat gefehlt. Wir haben so ein bisschen gehofft, dass die Augsburger irgendwie einen Fehler machen und wir irgendwie einen reinstolpern“, räumte er ein. Es schien, als beschränke sich die Kölner Spielidee tatsächlich auf das Hoffen, man könnte einen Ball reinstolpern. Das war sehr wenig, und als Kwasniok es aussprach, klang an, dass seine Analyse des Auftritts nicht besonders positiv ausgefallen war.

Die Energie hat gefehlt. Wir haben so ein bisschen gehofft, dass die Augsburger irgendwie einen Fehler machen und wir irgendwie einen reinstolpern
Lukas Kwasniok über den Kölner Auftritt beim 0:2 in Schwaben

Auch Selbstkritik schwang mit, doch das war vor einer Woche. Seitdem hat er seine Mannschaft vollkommen anders erlebt. Die Intensität sei in dieser Woche im Training wieder bei hundert Prozent gewesen, sagte er. Schon kurz nach dem Schlusspfiff in Augsburg hatte er einen Sieg über Dortmund als Plan ausgegeben. Er habe weiter „die Vision, eine große Mannschaft zu schlagen“, teilte er nun mit. Von der Pleite in Augsburg zur Überraschung gegen den Tabellen-Zweiten – Lukas Kwasniok ist kein Mann für die Übergangszone.

Der Coach erschien mit Material zur Pressekonferenz, gut vorbereitet: Er habe sich „Beispiele aus der Premier League rausgeschrieben“: Wolverhampton habe in 26 Spielen neun Punkte geholt, dann sieben in vier Spielen. Eine Ergebniskrise mag nicht beherrschbar sein. Aber er kann Beispiele finden, die belegen, dass Krisen etwas Normales sind – und selbst die größte Krise früher oder später endet. Das vergrößert zwar nicht die Wahrscheinlichkeit eines Kölner Sieges über Dortmund zur Topspielzeit am Samstagabend. Aber es gibt ein Gefühl von Kontrolle.

Thomas Kessler (M.) verfolgte das Training in dieser Woche mit den Vizepräsidenten Ulf Sobek und Jörg Alvermann.

Thomas Kessler (M.) verfolgte das Training in dieser Woche mit den Vizepräsidenten Ulf Sobek und Jörg Alvermann.

In Augsburg stimmte die Leistung nicht mehr. Das darf so nicht bleiben – findet Kwasniok, finden aber auch seine Vorgesetzten. Thomas Kessler jedenfalls wünscht sich vor allem eine Kölner Mannschaft, die erfolgreich spielt. „Wir reden nichts schön, weil am Ende Ergebnisse zählen. Entsprechend konsequent analysieren wir unsere Spiele und leiten daraus unsere Entscheidungen ab“, sagte der Geschäftsführer in dieser Woche. „Wir wissen, was gefordert ist, und ich erwarte, dass wir das entsprechend umsetzen.“

Lukas Kwasniok hat das zur Kenntnis genommen. Bevor er sich aber den Gesetzen der Branche unterwirft, plant er, die Dinge selbst zu entscheiden. „Wenn ich das Gefühl nicht mehr habe, glaubt mir: Ich weiß, wo die Büros der Verantwortlichen sind“ ,sagte er. Er werde also nicht gehen, weil andere das wollen. Vorher würde er die Entscheidung selbst treffen.

Trennung ist Chefsache

Das klang wie ein Entgegenkommen, doch Trennungen von Cheftrainern sind im Profifußball nach wie vor überwiegend Sache der Geschäftsführer, nicht der Trainer selbst. Überhaupt wäre die Basis eines Rücktritts, wie Kwasniok ihn da skizzierte, einzig sein eigenes Gefühl. Das wäre wohl zumindest für Thomas Kessler eine etwas dünne Grundlage.

Eine Freistellung des Trainers steht allerdings auch nicht unmittelbar bevor. Zwar war in den vergangenen Tagen mehrfach von einem Drei-Spiele-Ultimatum bis zur Länderspielpause die Rede. Doch war es bislang nur Kwasniok, der das Thema öffentlich ansprach. Abgesehen von einem kurzfristigen Gefühl der Kontrolle hat ihm das eine kuriose Situation eingebracht: Nach jedem nicht gewonnenen Spiel wird er sich nun die Frage gefallen lassen müssen, wie es um sein Gefühl bestellt ist. Und wann er sich auf den Weg in die Chefetage begeben wird.