Der 1. FC Köln darf sich nach dem 3:1-Erfolg gegen Mitkonkurrent Werder Bremen im Abstiegskampf als Gewinner des Spieltags fühlen.
3:1 im Kellerduell mit BremenDer ersehnte Befreiungsschlag des 1. FC Köln

Kölner Glücksgefühle: Die FC-Spieler tanzen nach dem Abpfiff ausgelassen vor der Südkurve.
Copyright: Herbert Bucco
Noch Minuten nach dem Abpfiff tanzten die Spieler des 1. FC Köln vor der Südkurve, lachten, klatschten sich ab. Endlich wieder ein Sieg – nach zuvor acht Spielen ohne Erfolg. Ein Gefühl, das fast schon fremd geworden war, nach dem sich die Kölner aber umso mehr gesehnt hatten. Entsprechend groß war die Erleichterung. Und es war ein besonders wichtiger Erfolg: Der Bundesliga-Aufsteiger landete mit dem 3:1 im Kellerduell mit Werder Bremen den ersehnten Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Nach fast 70 Minuten in Überzahl durfte sich der FC als klarer Gewinner des 29. Spieltags fühlen.
„Es tut unglaublich gut, ich glaube, das Gefühl wird noch besser werden später“, sagte Jungstar Said El Mala, der erstmals in der Bundesliga einen Elfmeter verwandelte und damit den Weg zum Sieg ebnete. „Diese drei Punkte haben uns extrem gut getan. Es war sehr wichtig für den Abstiegskampf. Wir haben uns das verdient.“ Es waren „Big Points“ für die Mannschaft von Cheftrainer René Wagner, der ein gelungenes Heimdebüt feierte und erstmals einen Sieg mit seiner neuen Mannschaft bejubeln durfte. „Ich bin überglücklich. Das sollte der Mannschaft für die kommenden Aufgaben Selbstvertrauen geben“, sagte Wagner.
Durch den ersten Erfolg nach acht sieglosen Spielen hat der FC nun fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und den FC St. Pauli, bei dem die Kölner am Freitag antreten. Auf den ersten direkten Abstiegsplatz, auf dem Wolfsburg steht, beträgt der Vorsprung sogar neun Zähler – ein komfortables Polster. Mit einem weiteren Erfolg auf dem Kiez würden die Zeichen klar in Richtung Klassenerhalt zeigen.
Die Ergebnisse der Konkurrenz am Vortag spielten dem FC zusätzlich in die Karten. Wolfsburg verlor sein Heimspiel gegen Frankfurt (1:2), St. Pauli war beim 0:5 gegen Bayern chancenlos. Auch Gladbach (0:1 in Leipzig) und Union Berlin (1:3 in Heidenheim) gingen leer aus. Bei Union hatte die anhaltende Formschwäche Konsequenzen: Sportchef Horst Heldt stellte Trainer Steffen Baumgart frei. Personell konnte der FC nahezu aus dem Vollen schöpfen. Abgesehen von den Langzeitverletzten Timo Hübers und Luca Kilian standen Wagner alle Spieler zur Verfügung. Im Vergleich zum 2:2 in Frankfurt – seinem Debüt – nahm er drei Änderungen vor: Jahmai Simpson-Pusey rückte für Rav van den Berg in die Viererkette, Martel kehrte nach Gelbsperre zurück und verdrängte Tom Krauß auf die Bank, Isak Johannesson erhielt den Vorzug vor Denis Huseinbasic.
Werder hilft tatkräftig mit
Nach einer Choreographie für den vor wenigen Wochen verstorbenen FC-Fan Nicolas, ein Mitglied der „Wilden Horde“, wandelte sich die zunächst ruhige und emotionale Atmosphäre schnell in eine elektrisierende Stimmung. Der FC startete schwungvoll – und profitierte früh vom ersten Bremer Fehler. In der fünften Minute ließ Ex-Kölner Leonardo Bittencourt Johannesson zu viel Raum. Der Isländer steckte auf Jakub Kaminski durch, der im Strafraum von Olivier Deman am Fuß getroffen wurde. Schiedsrichter Tobias Reichel entschied sofort auf Elfmeter. Said El Mala übernahm die Verantwortung und verwandelte souverän unten rechts zum 1:0 (7.). Für den 19-Jährigen war es bereits der elfte Saisontreffer. Noch nie hatte in dem Alter ein Spieler für den 1. FC Köln so oft getroffen.
Die frühe Führung brachte jedoch nicht die erhoffte Sicherheit. Köln wurde in der Folge zu passiv und ließ den Gegner etwas ins Spiel kommen, ohne jedoch wirklich in Gefahr zu geraten. Glück für den FC: Werder blieb fehleranfällig und machte sich das Leben immer wieder selbst schwer. Nach einem viel zu kurzen, schlampigen Rückpass von Bittencourt erkannte Ragnar Ache die Situation blitzschnell, spritzte dazwischen, legte den Ball an Marco Friedl vorbei und wurde von ihm als letzter Mann zu Fall gebracht. Reichel zeigte folgerichtig Rot (26.), die Entscheidung hielt auch der VAR-Prüfung stand.

Pure Erleichterung: Die Kölner Bank um Trainer René Wagner jubelt über das Tor zum 3:1.
Copyright: Herbert Bucco
Werder musste damit mehr als eine Stunde in Unterzahl agieren. Dennoch blieb die Partie fußballerisch über weite Strecken auf überschaubarem Niveau. Der FC kontrollierte das Geschehen, ohne zu glänzen. Kurz vor der Pause hätte Ache erhöhen können, scheiterte jedoch am stark reagierenden Keeper Mio Backhaus. Auch nach der Pause blieb Bremen ungefährlich – abgesehen von einem Distanzschuss von Lynen, bei dem FC-Torhüter Marvin Schwäbe eingreifen musste (52.).
In der 65. Minute erhöhte Köln verdient auf 2:0: Nach einer Ecke köpfte Cenk Özkacar an den Pfosten, Ache reagierte am schnellsten und drückte den Ball im Nachsetzen über die Linie. Der Verteidiger sprintete anschließend über den halben Platz zu Co-Trainer Lukas Sinkiewicz und bedankte sich beim früheren FC-Profi. „Sinke hat mit den Verteidigern daran gearbeitet“, verriet Wagner. Eine Vorentscheidung war das 2:0 jedoch nicht. Nach VAR-Eingriff entschied Reichel erneut auf Elfmeter – diesmal für Bremen, nachdem Ache im Strafraum gegen Romano Schmid zu spät gekommen war. Schmid verwandelte sicher zum 1:2 (75.). Plötzlich wurde es noch einmal eng.
Kurz darauf hatte der eingewechselte Luca Waldschmidt die direkte Antwort auf dem Fuß, traf mit einem tollen Schuss jedoch nur die Latte (77.). So entwickelte sich eine unnötig spannende Schlussphase. Der FC betrieb Chancenwucher und versäumte es, für die Entscheidung zu sorgen.
Erst in der siebten Minute der Nachspielzeit erlöste Isak Johannesson den FC nach Vorarbeit von Waldschmidt mit dem Treffer zum 3:1. Dass der Ball als Eigentor von Backhaus gewertet wurde, spielte keine Rolle mehr – der Jubel war groß, die Erleichterung greifbar.