Der 1. FC Köln gleicht in Heidenheim zweimal aus, ärgert sich aber am Ende über eine vertane Chance.
Analyse des FC-Spiels in HeidenheimDie große Krise ist vorerst abgewendet

Gute Haltungsnoten, aber kein Tor in Heidenheim: Ragnar Ache hatte keinen leichten Tag.
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Das Wichtigste zuerst
Der 1. FC Köln hat trotz zweier Rückstände und jeder Menge Pech in beiden Strafräumen zum Jahresauftakt einen Punkt geholt. Beim 1. FC Heidenheim spielte der Aufsteiger bei winterlichen Bedingungen 2:2 (1:2). Nach einer durchwachsenen ersten Hälfte erzielte der eingewechselte Said El Mala früh in der zweiten Halbzeit den Ausgleich. Besonders Mittelstürmer Ragnar Ache hätte nach dem Seitenwechsel noch mehrere Chancen gehabt, den Kölner Sieg zu besorgen. Doch viel Pech und ein überragender Heidenheimer Torhüter Diant Ramaj retteten den Punkt für die Hausherren.
Die Tore
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Einen Treffer wie den zum 0:1 kassiert man eigentlich nur einmal pro Saison – wenn überhaupt. Doch nach dem hinter dem Rücken gespielten Ball des Leverkuseners Terrier vor einem Monat probierte diesmal Marvin Pieringer einen Kunstschuss – und traf im Fallen volley mit dem Rücken zum Tor. Ein Treffer, mit dem niemand rechnen konnte, was wohl auch die Erklärung dafür war, dass FC-Keeper Marvin Schwäbe die Arme nicht mehr hochriss, obwohl der Ball zentral auf das Tor kam.
Der Kölner Ausgleich fiel aus einer Flanke des Belgiers Alessio Castro-Montes, der sich auf der linken Seite den Ball auf den rechten Fuß legte, mit viel Schnitt zum zweiten Pfosten spielte und Eric Martel fand, der den Ball mit dem Hinterkopf ins lange Eck beförderte. Starke Aktion von beiden.
Vor dem 1:2 waren die Kölner in Unterzahl, weil Castro-Montes nach einer Behandlungspause wegen einer blutigen Nase noch draußen stand. Der Außenspieler war für die Verteidigung kurzer Eckballvarianten vorgesehen, was eine Begründung dafür sein könnte, dass die Kölner den Gegner einfach gewähren ließen. Jedoch keine Entschuldigung, im Profifußball muss eine Mannschaft auch spontan reagieren können. Ibrahimovic brachte den Ball sofort aufs Tor. Schwäbe konnte nur nach vorn abwehren, Niehues erhielt einen zweiten Versuch, seinen Schuss konnte Simpson-Pusey nur noch ins eigene Tor abwehren.
Zur zweiten Halbzeit kam Said El Mala ins Spiel, und es dauerte nicht lange, bis er ein Said-El-Mala-Tor schoss. Nach Pass von Castro-Montes narrte er Schöppner, legte sich den Ball am Strafraumeck auf den rechten Fuß und zog ab. Der abgefälschte Ball des Angreifers landete in seltsamer Flugbahn im Tor, es war El Malas siebtes Saisontor.

Lukas Kwasniok im Heidenheimer Schneetreiben
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Das war gut
Nach den ernüchternden Auftritten vor Weihnachten hatte der FC am Samstag wieder zahlreiche Torchancen, wenngleich das gegen die schlechteste Abwehr der Liga keine Sensation war. Immerhin hielt Köln die Konkurrenz aus Mainz und Heidenheim auf Distanz, im Falle einer Niederlage wären Trainer Lukas Kwasniok und seine Mannschaft Gefahr gelaufen, in eine echte Krise zu stürzen. Dass die Kölner nach zwei Rückständen zurückkamen, deutete darauf hin, dass der Wille der Mannschaft intakt ist, wenngleich auch in Heidenheim mehrfach schwere Konzentrationsmängel zu verzeichnen waren.
Das war schlecht
Die Chancenverwertung. Bei aller Zufriedenheit darüber, dass die Kölner in Heidenheim nach den trüben Darbietungen in den Wochen vor Weihnachten wieder mehr Aktionen vor dem gegnerischen Tor hatten, blieb doch der Eindruck, dass drei Punkte am Samstag bei einer zurechnungsfähigen Chancenverwertung leicht zu haben gewesen wären.
In der zweiten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft und konnten uns darüber ärgern, nicht die drei Punkte mitgenommen zu haben
Moment des Spiels
Aches letzter Abschluss in der Nachspielzeit, als er Bülters Flanke aus nächster Nähe nicht am fantastisch haltenden Heidenheimer Keeper Ramaj vorbeibrachte. Eine Szene, die den Stürmer noch ein paar Tage beschäftigen dürfte.
Spieler des Spiels
Diant Ramaj. Der Heidenheimer Torwart rettete seiner Mannschaft mit mehreren schwer begreifbaren Paraden den Nachmittag – erstmalig in der 11. Minute gegen Kaminski, zum Abschluss dann noch einmal in der Nachspielzeit gegen Ache. Ein großer Auftritt des 24-Jährigen, den die Heidenheimer im Sommer von Borussia Dortmund ausgeliehen haben.
Das sagen die Trainer
Lukas Kwasniok (1. FC Köln): Die Zuschauer haben ein wildes Spiel erlebt, weil beide Mannschaften viel auf den zweiten Ball gegangen sind. Dann entstehen oft unkontrollierte Situationen. In der zweiten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft und konnten uns darüber ärgern, nicht die drei Punkte mitgenommen zu haben. Wir konnten Heidenheim auf Distanz halten, ich habe einen guten Geist meiner Mannschaft hier gesehen. Deshalb sind wir zufrieden.
Frank Schmidt (1. FC Heidenheim): Das Unentschieden kotzt mich sowas von an, da brauche ich eine Nacht, um das zu verarbeiten. Wenn wir rückblickend das Spiel gewinnen wollen, müssen wir aus den zwei Chancen in der ersten Halbzeit beim Stand von 2:1 ein Tor machen und 3:1 in Führung gehen. Die zweite Halbzeit haben wir uns ganz anders vorgestellt, Köln geht früh in Führung. Da hätten wir El Mala anders stellen müssen. Um ehrlich zu bleiben: In der zweiten Halbzeit hat Köln viel bessere Chancen gehabt, wir aber einen überragenden Torwart. Darum ist das Spiel 2:2 ausgegangen.
Das sagen wir
Der 1. FC Köln ist zwar nun im siebten Spiel nacheinander sieglos, doch der Jahresauftakt unter widrigen Bedingungen in Heidenheim ist geglückt. Gerade in der ersten Halbzeit war zwar zu sehen, wie fragil die Kölner Mannschaft derzeit ist. Doch im zweiten Durchgang zeigte sich auch die Qualität, die im Kader steckt. So blieb zwar der Ärger über die vergebene Chance auf einen Sieg. Doch sportlich sind vor den schwierigen Partien gegen den FC Bayern und Konkurrenz Mainz 05 die allergrößten Sorgen vorerst abgewendet.
Nach den Nicht-Berücksichtigungen von Luca Waldschmidt und Florian Kainz sowie der anhaltenden Verletzungsmisere in der Abwehr ist die Lage jedoch weiter prekär. Thomas Kessler braucht in den nächsten Tagen noch mindestens einen Erfolg auf dem Transfermarkt.

