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Auswärtsspiel in Bremen1. FC Köln zu Gast bei „Hyänen“

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FC-Trainer Lukas Kwasniok hat eine hohe Meinung von Werder Bremen und Trainer Horst Steffen.

FC-Trainer Lukas Kwasniok hat eine hohe Meinung von Werder Bremen und Trainer Horst Steffen. 

Vor dem Spiel in Bremen brütet Lukas Kwasniok noch über der Besetzung seiner Abwehrreihe – FC-Trainer wünscht sich besseres „Game-Management“ seiner Mannschaft

Lukas Kwasniok hält viel vom kommenden Gegner; der Trainer des 1. FC Köln hätte nichts dagegen, wenn er auch den Rest der Saison in guter Tabellen-Nachbarschaft mit dem SV Werder Bremen verbringen könnte. Kwasniok befürchtet offenbar nicht, dass dieser Wunsch damit enden könnte, dass Bremen am Ende auf Rang 16 und Köln als Siebzehnter einläuft. Dafür sei Werder zu stark. „Sie sind mittlerweile eine etablierte Bundesliga-Mannschaft“, sagte Kwasniok vor dem Auftritt des Bundesliga-Zehnten beim -Neunten am Samstag im Weserstadion (15.30 Uhr/Sky).

Für Kwasniok wird es ein Wiedersehen mit dem gegnerischen Coach. Mit dem SC Paderborn blieb er in der vergangenen Zweitligasaison gegen Horst Steffens Elversberger ungeschlagen: Ein 3:1-Auswärtssieg und ein 1:1 zu Hause bedeuteten eine starke Ausbeute gegen das Überraschungsteam. „Er ist ein Trainer, den ich sehr schätze“, sagte Kwasniok am Freitag. „Die Bremer spielen einen ansehnlichen Fußball und sind in Umschaltsituationen mit das Beste, was die Liga zu bieten hat. Sie warten wie Hyänen auf Bälle, die sie abgreifen können – um dich dann überfallartig auf dem falschen Fuß zu erwischen.“

Offene Fragen in der Abwehr

Tierisch gefährlich also, daher tüftelte Kwasniok auch am Freitag noch an der Formation seiner Abwehr. Rav van den Berg ist zwei Monate nach seiner Schulterverletzung wieder einsatzbereit – und zwar zu 100 Prozent, wie der niederländische U21-Nationalspieler in dieser Woche selbst wissen ließ. Weil Joel Schmied und Timo Hübers vorerst nicht zur Verfügung stehen, ist Kwasniok gezwungen, über van den Bergs Comeback nachzudenken. Freiwillig hätte er das nicht getan. „Ich muss gestehen, dass im Falle eines fitten Joel Schmied diese Überlegung für mich noch nicht vorhanden gewesen wäre“, sagte der Coach. Nach seiner Beobachtung sei van den Berg noch „an der Schwelle“ zur absoluten Matchfitness. Die Besetzung der hintersten Linie bleibe damit die einzige offene Position.

Rav van den Berg sieht sich bereit für einen Einsatz in der Kölner Startelf, Lukas Kwasniok hadert noch.

Rav van den Berg sieht sich bereit für einen Einsatz in der Kölner Startelf, Lukas Kwasniok hadert noch.

Ein weiterer Ausfall ist Ragnar Ache, der seit seinem Trainingsunfall am Mittwoch wegen einer leichten Gehirnerschütterung fehlt. „Es geht ihm eigentlich ganz gut“, sagte Kwasniok, doch die DFL-Protokolle bei Kopfverletzungen brauchen Zeit – und das ist gut so.

Zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge sind zwar noch keine Serie, doch um die gute Stimmung zu wahren, brauchen die Kölner frische Punkte. Kwasniok gibt sich gelassen, die Situation ist schließlich noch immer insgesamt besser als der aktuelle Trend. „Es liegt in der Natur der Sache, dass wir als Aufsteiger auch mal zwei Spiele am Stück verlieren und höchstwahrscheinlich sogar mal drei oder vier“, erklärt er. Bei allen Träumen sei das Ziel eben nach wie vor der Klassenerhalt. Dennoch müsse die Mannschaft Lehren aus den Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Frankfurt ziehen. Die Kölner haben Elfmeter hergegeben und „kapitale Aussetzer“ gehabt, wie der Trainer beschreibt. Doppelschläge waren die Folge – der FC verlor eigentlich ausgeglichene Partien innerhalb weniger Minuten. Das soll nicht wieder vorkommen. Gefragt sei, was Kwasniok „gutes Game-Management“ nennt: Man wolle nach einem Gegentor nicht wieder gleich das nächste kassieren, sondern in der Lage sein, in schwierigen Momenten „die Dinge einfach zu halten, um hinten raus wieder ins Spiel zu kommen“.

Die Jungs, egal wer beginnt, schaffen es auch zu dritt, Tore zu erzielen
FC-Trainer Lukas Kwasniok

Denn das ist eine große Qualität der Kölner Mannschaft: Potenzial von der Bank zu bringen, Moral zu zeigen, zurückzuschlagen. Selbst von einem 1:4 gegen Champions-League-Teilnehmer Frankfurt erholten sich die Kölner, stellten noch den Anschluss her. „Das können wir, das haben die Jungs eindrucksvoll bewiesen“, sagt Kwasniok.

Im Angriff hat der FC beinahe ein Überangebot, auch ohne Ragnar Ache. Doch Kwasniok will es bei drei Offensivspielern belassen, obwohl aus dem Zentrum zuletzt nur wenig Torgefahr kam. Er würde gern mit einem rein offensiven Mann im Mittelfeld spielen, habe jedoch das Gefühl, dass es dann „knistert und nicht mehr ganz so stabil ist“. Das Gute sei: „Die Jungs, egal wer beginnt, schaffen es auch zu dritt, Tore zu erzielen.“

Im Zentrum dürften also erneut zwei Spieler auflaufen, die „Supporter in beide Richtungen sind“, wie es Kwasniok am Freitag beschrieb. Das könnte neben Isak Johannesson Eric Martel sein, sollte der nicht in der Dreierkette gebraucht werden. Oder eben erneut Denis Huseinbasic, dessen Qualität am Ball der Trainer schätzt, weshalb er ihn dem Zweikämpfer Tom Krauß derzeit vorzieht.

Mehr Torgefahr wollen die Kölner eher über die Außenbahnen erzeugen, die gegen Frankfurt mit Sebastian Sebulonsen und Kristoffer Lund eher defensiv besetzt waren. Denkbar ist, dass Lund nach zwei unglücklichen Auftritten für Jakub Kaminski weichen muss, was Kwasniok die Möglichkeit gäbe, Said El Mala von Anfang an zu bringen. Doch gerade vorn gibt es Möglichkeiten für Überraschungen. Luca Waldschmidt etwa ist nach mehreren starken Joker-Einsätzen ein Kandidat für die Startelf. „Im vorderen Bereich habe ich nach wie vor die Qual der Wahl“, sagt Kwasniok. „Egal, wer da aufläuft: Er kann Tore erzielen.“

Werder Bremen: Backhaus - Sugawara, Pieper, Coulibaly, Friedl - Stage, Lynen - Puertas, Schmid, Grüll - Topp; 1. FC Köln: Schwäbe - van den Berg, Martel, Heintz - Sebulonsen, Johannesson, Huseinbasic, Kaminski - Waldschmidt, Bülter, Said El Mala. Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock).