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Duell mit formstarkem Ex-KlubBülter über Hoffenheim, Kölner Probleme und Konsequenzen

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1. FC Köln vs. RB Leipzig, 21. Spieltag, 08.02.2026, 15.30 Uhr, links: Marius Bülter (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Kölns Offensivspieler Marius Bülter lief in der vergangenen Saison noch für den kommenden FC-Gegner Hoffenheim auf.

Während der 1. FC Köln stark startete und nachließ, hat der kommende Gegner TSG Hoffenheim seit Oktober einen Lauf.

Die TSG Hoffenheim, der kommende Gegner des 1. FC Köln am Samstag (15.30 Uhr) in Müngersdorf, berührt zwar in Fußball-Deutschland nur wenige Fans, doch sie ist das Überraschungsteam der aktuellen Bundesliga-Saison. In der vergangenen Spielzeit mussten die Kraichgauer bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern und schlossen die Saison als enttäuschender Tabellenfünfzehnter mit nur 32 Punkten ab – drei Zähler über dem Strich.

In der laufenden Saison hat die Mannschaft von Trainer Christian Ilzer Dritter bereits nach 22 Spieltagen beeindruckende 45 Punkte gesammelt und ist Tabellendritter. Mit 47 Treffern hat sie nach dem FC Bayern die zweitmeisten Treffer erzielt. Und das in einer Saison ohne die großen Ausgaben auf dem Transfermarkt, unter dem Strich machten die Sinsheimer sogar ein Transferplus von knapp zwei Millionen Euro. Aber ablösefreie Neuzugänge wie Tim Lemperle, der vom 1. FC Köln kam, Routinier Vladimir Coufal, Schnäppchen wie Wouter Burger und vor allem die zurückgeholte Leihgabe Fisnik Asllani schlugen voll ein. Geführt wird das Team dabei von den erfahrenen Oliver Baumann, Grischa Prömel und Andrej Kramaric.

Marius Bülter, der Sommer-Zugang des FC, trug insgesamt zwei Jahre und bis Ende vergangener Saison das Trikot der TSG. Und kennt große Teile der Mannschaft noch bestens. Doch Bülter kann sich den Hoffenheimer Aufschwung auch nicht ganz erklären. „Was der Trainer jetzt anders macht, weiß ich nicht so genau. Ich glaube, so extrem viel haben sie gar nicht verändert. Aber es läuft jetzt gut bei ihnen und scheint zu passen. Es scheint sich auch eine Gruppe gefunden zu haben, wo jeder für jeden alles gibt“, sagt der Stürmer.

Nach FC-Sieg im Hinspiel entwickeln sich beide Teams gegensätzlich

Der Gruppen-Ansatz könnte in der Tat ein guter sein, denn die TSG wirkt wie eine funktionierende Einheit. Die sich aber erst einmal finden musste und mäßig in die Saison gestartet war. Denn nach einer 0:1-Niederlage am 3. Oktober gegen den kommenden Gegner, den Aufsteiger aus Köln, rangierte Hoffenheim mit sieben Zählern auf Platz elf. Der FC wiederum, für den Senkrechtstarter Said El Mala nach einem tollen Solo getroffen hatte, setzte seinen furiosen Start fort und war mit zehn Punkten nach sechs Spielen Sechster.

Vieles hat sich seitdem verändert, bereits wenige Zahlen belegen den unterschiedlichen Formverlauf. Der FC sammelte nur noch 13 Punkte aus 16 Partien (Schnitt: 0,81) und ist aktuell Zwölfter, die TSG dagegen beeindruckende 38 Zähler (Schnitt: 2,38). Bülter spricht von einem formstarken Gegner, der sehr intensiv spiele, klare Abläufe habe, hoch presse und sich so immer wieder gefährliche Situationen erarbeite. Doch der 32-Jährige macht sich und seiner Mannschaft Mut: „Wir haben ein Heimspiel und diese haben wir zuletzt ergebnistechnisch und auch leistungstechnisch eigentlich gut bestritten. Deswegen gehen wir schon mit Selbstvertrauen ran und auch mit dem Wissen, dass wir auch solchen Mannschaften wehtun können.“

Dafür muss am Samstag aber viel passen. Auch für Bülter, der nach einem starken Saisonstart mittlerweile seit elf Partien auf eine Torbeteiligung wartet. „Klar würde ich auch gerne wieder Tore schießen, aber am Ende war ich noch nie der Spieler, der sich nur über die Tore definiert, sondern auch über andere Sachen“, sagt der Offensivspieler.

Es muss sich im Kölner Lager einiges ändern, damit der FC nicht noch tief in den Abstiegssumpf gerät. Zum Beispiel das Verhalten nach ruhenden Bällen, die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok kassierte bereits 14 Gegentore nach Standards – so viele, wie kein anderes Team in der Liga. „Natürlich müssen wir ansprechen, dass wir da noch eine größere Aufmerksamkeit hinbekommen und die Konzentration nochmal extremer hochfahren“, sagt Bülter. Doch auch in der Offensive hapert es: Der FC erzielte erst vier Tore nach ruhenden Bällen.

Standards waren einfach ein großes Problem bei uns. Das ist für uns als Mannschaft jetzt ein klares Zeichen, dass wir da weiter hart dran arbeiten müssen
Marius Bülter über den Wechsel im FC-Trainerteam und die Folgen

Eine Konsequenz aus der eklatanten Schwäche: Hannes Dold wurde zu Beginn der Woche von Sportgeschäftsführer Thomas Kessler von seinen Aufgaben als Standard-Trainer entbunden. „Standards waren einfach ein großes Problem bei uns. Wir wollen da aber gar nicht unbedingt Hannes die Schuld für geben. Am Ende stehen wir auf dem Platz und haben die Verantwortung dafür. Das ist für uns als Mannschaft jetzt ein klares Zeichen, dass wir da weiter hart dran arbeiten müssen“, fordert Bülter. Ein Nachfolger für den langjährigen FC-Assistenten Dold, der im Klub bleiben soll (wenn er es selbst so will), ist noch nicht benannt, soll aber vorerst aus den eigenen Reihen stammen.

Da die Kölner Konkurrenten im Keller wie Augsburg und Mainz mittlerweile beschlossen haben, mit dem Punkten anzufangen, ist in der unteren Tabellenhälfte vieles enger zusammengerückt. Vier Zähler hat der FC noch Vorsprung auf Platz 16 und Bremen, sechs auf St. Pauli auf dem ersten direkten Abstiegsplatz. Das ist immer noch eine ordentliche, aber eine keinesfalls beruhigende Ausgangsposition.

Bülter hält wenig davon, in den Alarmmodus zu schalten. Die Situation des FC im Abstiegskampf sei „okay. Man muss ja auch immer schauen, wo wir herkommen und was das Ziel vor der Saison war. Das war die ganze Zeit der Klassenerhalt, und ich denke, wenn man dann zwölf Spieltage vor Schluss vier Punkte Vorsprung hat, dann steht man gut da. Aber es sind halt eben auch nur vier Punkte. Das ist alles sehr eng und jeder Spieltag kann das schnell verschieben. Das muss uns bewusst sein.“

Da sich an diesem Spieltag Mainz und der HSV, Wolfsburg und Augsburg sowie St. Pauli und Bremen gegenüberstehen, ist ausgeschlossen, dass kein Konkurrent im Abstiegskampf punktet.

Um das Polster auf den Tabellenkeller zu wahren, müssen die Kölner auch einmal eine Top-Mannschaft bezwingen, denn gegen sechs der sieben Spitzenteams der Liga gab es in bislang acht Spielen acht Niederlagen. „Es ist bitter. Wir haben uns das fünf- oder sechsmal in der Saison in der Kabine gefragt, warum wir nichts mitgenommen haben. Aber es muss uns auch Mut geben, weiter so zu arbeiten und vielleicht noch ein Stück mehr zu machen, um uns endlich mal zu belohnen“, sagt Bülter. Eine Erinnerung ans Hinspiel könnte die Zuversicht nicht nur bei ihm wachsen lassen.