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FC vor Duell mit St. PauliEin zartes Gefühl von Sicherheit

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René Wagner steht vor seinem dritten Spiel als Kölner Cheftrainer. Zuletzt setzte er vor allem auf das Kollektiv und eine transparente Kommunikation.

René Wagner steht vor seinem dritten Spiel als Kölner Cheftrainer. Zuletzt setzte er vor allem auf das Kollektiv und eine transparente Kommunikation. 

Der 1. FC Köln gastiert bei St. Pauli – fünf Punkte Vorsprung haben die Lage entspannt

St. Pauli und der 1. FC Köln haben in dieser Saison mehrfach als Tabellennachbarn gelebt. Zunächst im Penthouse, dann im Tiefparterre: Nach drei Spieltagen lagen sie mit je sieben Punkten auf den Champions-League-Plätzen drei und vier. Doch der Herbst wehte die Hoffnungen davon. Pauli holte aus zehn Spielen nur einen weiteren Punkt, neun Pleiten nacheinander bedeuteten einen tiefen Sturz. Der FC konnte das Niveau zwar ebenfalls nicht halten, blieb jedoch wettbewerbsfähig. Nach dem 1:0-Heimsieg über Wolfsburg am 20. Spieltag stand Köln neun Punkte vor den Hamburgern.

Doch im Februar kippte die Lage. Der FC holte aus vier Partien nur einen Zähler, Pauli dagegen neun. Nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund am 25. Spieltag und St. Paulis 0:0 in Frankfurt waren beide Klubs plötzlich punktgleich. Es war die Phase der Saison, in der Köln tief in den Abgrund blickte. Nur das Torverhältnis trennte den FC noch vom Relegationsrang.

Dass sich die Kölner nach dem 3:3 am 27. Spieltag von Lukas Kwasniok trennten, war nach der Tabelle dennoch nicht ganz logisch. Weil St. Pauli zweimal verloren hatte, hatte der Aufsteiger mit zwei Unentschieden wieder etwas Luft zwischen sich und die Hamburger gebracht. Doch die Tabelle war in jenen Tagen zweitrangig. Das Verhältnis zwischen Kwasniok und seiner Mannschaft schien zerrüttet.

Nach einem Unentschieden in Frankfurt und dem Sieg am vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen steht der FC nun wieder weniger prekär da. Vor dem Duell am Freitagabend (20.30 Uhr/Sky) beträgt der Vorsprung auf St. Pauli wieder fünf Punkte. Das sieht komfortabel aus, klar ist aber auch: Bei einer Niederlage und einem ungünstigen Verlauf des 30. Spieltags könnte der FC bis Sonntagabend auf Rang 15 sacken – nur noch zwei Zähler vor dem Relegationsrang.

Er arbeitet daran, in Zukunft bessere Lösungen am Ball zu finden. Ob seine Lösungen in Frankfurt oder gegen Bremen die besten waren oder nicht, entscheiden wir intern
FC-Trainer René Wagner über seinen Linksverteidiger Kristoffer Lund

René Wagner schaut lieber auf die „Riesenchance“ seiner Mannschaft am Millerntor: „Wir wollen drei Punkte sammeln, und wenn wir diese Punkte eingesammelt haben, sieht die Tabelle noch einmal wesentlich besser aus als jetzt“, hat er festgestellt.

Köln will sich unter Wagner konsequenter in der gegnerischen Hälfte festsetzen und viel Personal vor das Tor des Gegners bringen. Gegen Bremen zahlte sich das sofort aus: Mit der ersten Aktion holte Ragnar Ache einen Strafstoß heraus, den El Mala verwandelte. Wie er seine Spieler positioniere, sei in seinen ersten Wochen als Cheftrainer ein zentrales Thema gewesen, sagte Wagner. Der 37-Jährige trennt strikt zwischen einem Davor und einem Danach: „Die letzten dreieinhalb Wochen, seit ich hier bin“, sagte er zuletzt, als er über seine Arbeit sprach – obwohl er schon seit dem vergangenen Sommer hier ist. Doch die neue Rolle hat seinen Blick verändert. Für Wagner bedeutet die Beförderung denselben Neubeginn, den die Personalie auch der Mannschaft vermitteln sollte.

Kristoffer Lund im Spiel gegen Werder Bremen. Der Linksverteidiger überzeugt zwar mit Athletik und Tempo, hatte aber zuletzt Schwierigkeiten am Ball.

Kristoffer Lund im Spiel gegen Werder Bremen. Der Linksverteidiger überzeugt zwar mit Athletik und Tempo, hatte aber zuletzt Schwierigkeiten am Ball.

Bislang setzt er konsequent auf das Wir, und während den akribischen Sachsen eine Ernsthaftigkeit umweht, die seinem Vorgänger bisweilen abzugehen schien, stellt sich dennoch auch die Frage nach der Nachhaltigkeit. Reicht es, die Mannschaft durch Gespräche und Zuverlässigkeit so zu emotionalisieren, dass sie dauerhaft in der Bundesliga besteht? In dieser Woche beschwor Wagner erneut das Kollektiv. Etwa als er von Isak Johannesson sprach, dem jungen Isländer, der nach verheißungsvollem Start einen problematischen Winter verlebte. Gegen Bremen setzte der 23-Jährige seinen persönlichen Positiv-Trend fort. „Er hat eine Riesenleistung gebracht“, betonte Wagner, um gleich nachzuschieben: „Aber es wird wieder um alle gehen.“ Und er warnte vor dem Gegner. „St. Pauli ist eine Mannschaft, die es immer wieder schafft, gefährlich umzuschalten. Sie haben aber auch mit dem Ball viele Lösungen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in deren Lösungen reinrennen. Meine Mannschaft wird aber einen Plan an der Hand haben, um das zu verhindern“, versprach der Trainer.

Personell stellte Wagner in Aussicht, dass Cenk Özkacar und Jahmai Simpson-Pusey erneut in der Innenverteidigung beginnen werden; Sebastian Sebulonsen ist rechts gesetzt. Kristoffer Lund hat dagegen Konkurrenz. Alessio Castro-Montes kommt nach überstandenen Verletzungen immer besser in Form. Sein Tor gegen Bremen wurde zwar wegen einer Abseitsstellung annulliert – es war jedoch der beste Abschluss des Tages in einer Kölner Mannschaft, die ohne Präzision angriff. Lund sei „auf jeden Fall ein Startelf-Kandidat“, beteuerte Wagner und besprach die jüngsten Schwierigkeiten des US-Nationalspielers. „Er arbeitet daran, in Zukunft bessere Lösungen am Ball zu finden. Ob seine Lösungen in Frankfurt oder gegen Bremen die besten waren oder nicht, entscheiden wir intern.“ Lund habe „ein, zwei Momente gehabt, die ihm vielleicht selbst nicht gefallen haben“, räumte Wagner ein – doch seine Spieler öffentlich zu kritisieren, kommt ihm nicht in den Sinn.

Waldschmidts Chance?

Um die Torgefahr zu erhöhen, könnte der Trainer auf Luca Waldschmidt setzen, der nach seiner Einwechslung gegen Bremen starke Szenen hatte und Johannessons Tor vorbereitete, das zwar Werders Torhüter Mio Backhaus zugeschrieben wurde, jedoch auf die Vorarbeit der beiden Kölner zurückging. Waldschmidt könnte die rechte Offensivposition von Jan Thielmann erben, der zuletzt spielerisch leicht abfiel.

FC St. Pauli: Vasilj - Ando, Wahl, Mets - Pyrka, Rasmussen, Irvine, Ritzka - Sinani, Pereira Lage – Hountondji; 1. FC Köln: Schwäbe - Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar, Castro-Montes - Johannesson, Martel - Waldschmidt, Kaminski, El Mala - Ache; Schiedsrichter: Jöllenbeck (Freiburg im Breisgau).