Der frühere Bundestrainer Joachim Löw erklärt das Ende der Ära von Spezialisten. Vielseitig einsetzbare Spieler wie Kimmich prägen seiner Meinung nach die Zukunft.
Generalisten statt SpezialistenJoachim Löw erklärt, was den modernen Fußballer ausmacht

Joachim Löw (r) erklärt in einem Interview die gefragten heutigen Spielertypen und nennt beispielhaft auch Joshua Kimmich. (Archivbild)
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Nach Ansicht von Joachim Löw neigt sich auf höchstem internationalem Level die Ära der Spezialisten im Fußball ihrem Ende zu. „Niemand sucht mehr nach einem Regisseur, nach einer klassischen Nummer 10, niemand braucht mehr einen reinen 'Abräumer'“, äußerte der frühere Weltmeister-Coach in einem Gespräch mit der „Zeit“, wie die dpa berichtet.
Der Trainer führte auch Exempel für die Akteure an, die diese neue Spielergeneration repräsentieren: „Die Weltklassespieler von heute, nehmen Sie bis vor Kurzem Toni Kroos oder heute Joshua Kimmich oder Pedri von Barcelona, sie alle sind auf hohem Niveau Generalisten.“
Die Merkmale des neuen Spielertyps
Dies beschreibt Akteure, deren Einsatz nicht an eine feste Position gebunden ist. So kommt Kimmich teils in der Verteidigung, teils als Sechser vor der Abwehrreihe zum Einsatz. Der Spanier Pedri agiert offensiver, sowohl im Mittelfeld als auch im Angriff. Der Weltmeister von 2014 unter Löw, Toni Kroos, war während seiner Laufbahn im zentralen sowie im defensiven Mittelfeld aktiv. Laut Löw befähigt alle drei insbesondere ihre Spielintelligenz zur Führung eines Teams.
In dem Gespräch erläuterte Löw: „Sie erkennen Situationen, bevor sie entstehen“. Weiter führte er aus: „Sie verfügen über eine überragende Technik, ihre Bewegungen führen immer weg vom Gegner, ihre Blicke suchen die freien Räume, die vor ihnen liegen. Sie grätschen nicht – und nur im Notfall spielen sie Foul. Sie laufen nicht weniger, aber sie laufen intelligenter.“ Teams, die sich primär durch Laufen, Kämpfen und viele Fouls auszeichnen, könnten auf höchstem Level keine Partien für sich entscheiden, lautet die Bewertung von Löw.
Der heute 66-Jährige fügte hinzu: „In Deutschland wird gern gesagt: Wir müssen mehr kämpfen, wir müssen dreckig spielen. Damit gewinnt man vielleicht mal ein Spiel oder zwei, aber so wird man nie ein großes Turnier gewinnen oder die Champions League, auch nicht die Bundesliga“. Nach der Weltmeisterschaft 2006 war Löw vom Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann zum Chefcoach der Nationalelf befördert worden. Seine Amtszeit beim DFB fand im Sommer 2021 ihren Abschluss.
Rückkehr als Trainer bleibt eine Option
Ein Comeback als Coach hält Löw für möglich, unterstrich jedoch: „Tatsächlich sehe ich keinen großen Reiz darin, Wochenende für Wochenende Bundesligaspiele zu bestreiten.“ Er könne sich stattdessen vorstellen, „ein Team mit internationalen Ambitionen mit Ausdauer an die europäische Spitze zu führen“. Sollte sich eine solche Offerte nicht ergeben, wäre dies für ihn ebenfalls „völlig in Ordnung“. (red)
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