Kommentar zum Selke-AbschiedViel Wirbel beim 1. FC Köln um eine eigentlich logische Trennung

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Stürmer Davie Selke vom 1. FC Köln steigt ins Auto am Geißbockheim ein.

Stürmer Davie Selke verlässt nach einigem Wirbel den 1. FC Köln.

Dass sich der Bundesliga-Absteiger und sein bekannter Stürmer Davie Selke nun trennen, ist kein ungewöhnlicher Vorgang in der Branche.

Die Umstände des Abschieds von Davie Selke vom 1. FC Köln schlagen bei vielen Fans und erst recht in den sozialen Medien hohe Wellen. Dazu hat der Stürmer durch seine kryptischen Andeutungen ohne weitere Erklärung (Die Chance, in Köln zu bleiben, sei ihm „final genommen“ worden), gegen Mitternacht bei Instagram veröffentlicht, maßgeblich selbst beigetragen.

Etwas nüchtern und realistischer betrachtet, ist diese Art der Trennung ein keinesfalls ungewöhnlicher Vorgang in der Profi-Branche – auch wenn dadurch vielleicht manchem Fan die letzte Fußball-Romantik genommen wird.

Der 1. FC Köln hat stichhaltige Gründe, nicht auf die Gehaltsforderungen von Selke eingegangen zu sein. Der Verein hat dem Stürmer ein Angebot gemacht, dass dieser nicht angenommen hat. Der Klub spricht davon, an die Schmerzgrenze gegangen zu sein. Aber es heißt, der FC sei eben nicht bereit gewesen, für Selke das Gehaltsgefüge zu sprengen. Denn die Verantwortlichen wissen genau, dass der Stürmer alleine seit seinem Wechsel im Januar 2023 ans Geißbockheim 15 Pflichtspiele verletzungsbedingt verpasst hat. 131 Ausfalltage sind notiert.

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Aber es gilt auch Selkes Sicht zu betrachten. Ob begründet oder nicht, empfindet er das Angebot des FC nicht als Wertschätzung. Der Angreifer hat in seiner Karriere bei Hertha BSC oder RB Leipzig sagenhaft verdient. Jetzt, als 29-jähriger Familienvater, ist er offenbar nicht bereit, vielleicht für „nur“ noch ein gutes Drittel seines früheren Gehalts in Köln zu spielen. Das hat sicherlich auch mit einem gewissen Lebensstandard zu tun, den er bewahren will, der aber natürlich nichts mit dem Alltag eines normalen Fans zu tun hat. Dass sich in dieser Situation nun die Wege von Spieler und Klub trennen, hat sich im Profifußball schon ungezählte Male so ereignet. Und möglicherweise findet ja Selke genau den Klub, der ihm seine Forderungen und die seines Beraters erfüllt. Dass er jetzt ablösefrei ist, käme beiden zugute.

Wenn nicht, hat sich Selke möglicherweise verzockt und seinem Image keinen Gefallen getan. Es ist schon etliche Jahre her, da war der Angreifer für einen Wechsel angefeindet worden. Nach seinem Durchbruch in der Bundesliga hatte Selke im Sommer 2015 Werder Bremen verlassen. Und zwar in Richtung Brauseklub RB Leipzig, der damals noch in der 2. Bundesliga spielte, aber keine Zweitliga-Gehälter zahlte.

Aber auch der FC trägt in den kommenden Monaten durchaus ein Risiko. Denn ein gesunder Selke mit seiner Erfahrung und Präsenz im Strafraum hätte dem Team eine echte Hilfe sein können. Zumal der Verein aufgrund der Transfersperre bekanntlich keine Alternative mehr verpflichten kann. Der Absteiger hatte den Stürmer bisher auch nicht verabschiedet. Alleine diese Tatsache zeigt, dass der FC um den Wert des Stürmers gewusst und noch auf sein Einlenken gehofft hatte.

Die Kölner Hoffnung auf den Durchbruch der Sturm-Talente

Bei einigen anderen Spielern, die den Verein ebenfalls hätten verlassen können, war es den Kölnern zuvor gelungen, sie weiter an den FC zu binden. Aus unterschiedlichen Gründen: weil sich diese Spieler mit dem Verein und seinem Weg identifizieren. Weil der Klub geschickt verhandelte. Weil er ihnen den Verbleib extra bezahlte. Oder weil die Spieler einfach keine bessere Option hatten.

Durch Davie Selkes Abschied, so die Hoffnung, könnte jetzt noch mehr die Stunde der Talente wie Damion Downs oder Tim Lemperle schlagen. Diese Hoffnung kann aufgehen, muss es aber nicht.

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