Der Bundestrainer hatte strittige Entscheidungen getroffen, die er zuvor schlecht anmoderiert hatte. Das hat ihn viel Vertrauen gekostet.
Nagelsmann in der KritikDer Bundestrainer überzeugt nicht


Julian Nagelsmann am Donnerstag bei der als Talkrunde inszenierten Nominierungsshow in Frankfurt
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Er habe sich die Pressekonferenz von damals noch einmal angesehen, berichtete Julian Nagelsmann am Donnerstag, und nein: Er habe nichts versprochen nach dem frühen Scheitern im Viertelfinale der Heim-EM 2024. Es sei „traurig, dass man jetzt zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird“, sagte er damals, schob aber gleich hinterher: „Natürlich wollen wir Weltmeister werden, das will jede Mannschaft.“
Er hatte nur versprochen, zu wollen. Große Worte waren es dennoch nach dem Aus gegen Spanien. Immerhin ist das Warten auf die nächste Gelegenheit nun vorbei. Doch ob ein Titel folgt, hängt nur bedingt mit den 26 Namen zusammen, die der Deutsche Fußball-Bund beim Weltverband melden wird. Für einen WM-Sieg reicht es nicht, einfach die 26 besten deutschen Fußballer zu berufen.
Eine Rangliste des deutschen Fußballs gibt es trotz aller Versuche ohnehin nur scheinbar. Die Gruppe muss im Sommer funktionieren. Der Trainer spielt dabei eine große Rolle, und es ist Julian Nagelsmann zu wünschen, dass seine Spieler auch ihn nominiert hätten, hätte man ihnen die Wahl gelassen. Oliver Baumann, die degradierte Nummer 1 der WM-Qualifikation, könnte den Bundestrainer zum Beispiel kritisch sehen. Doch inhaltlich lässt sich Nagelsmanns Wahl kaum kritisieren: Baumann ist eindeutig nicht der beste Torwart aller Zeiten, Manuel Neuer dagegen womöglich schon. Sollte der 40-jährige Neuer nicht daran scheitern, den 28-jährigen Neuer zu kopieren, der 2014 in Rio die WM gewann, ist die Entscheidung für den Münchner richtig.
Bei Said El Mala liegen die Dinge anders. Für Konter habe man Maximilian Beier dem Kölner vorgezogen, erklärte Nagelsmann am Donnerstag. Unter den zehn schnellsten Spielern der abgelaufenen Bundesligasaison sind nur zwei Deutsche: Said El Mala auf Rang 9, dahinter Dortmunds Karim Adeyemi. Mehr Tore als El Mala hat nur WM-Fahrer Deniz Undav erzielt. Die Faktenlage für eine Entscheidung gegen El Mala ist dünn.
Schwache Argumente
In seinem der Tonalität nach verhauenen Interview hatte Nagelsmann im Frühjahr erklärt, El Mala müsse Bundesliga-Stammspieler werden und stabiler nach hinten arbeiten. Beides hat der Kölner umgesetzt. El Mala hat am Wochenende bei seinem Alleingang gegen die Bayern bewiesen, dass es ihn nicht interessiert, wem er davonläuft – und wo. Ebenso bewies er, dass ein überragender Stürmer auch nicht in Ehrfurcht erstarrt, nur weil beim Gegner Manuel Neuer im Tor steht. El Mala machte in München also Werbung für sich und Baumann. Doch Nagelsmann hat die Szene auf seine Weise gedeutet. Dafür ist er der Bundestrainer – und alle anderen sind es nicht.

Said El Mala spielte eine starke Debütsaison für den 1. FC Köln. Für eine WM-Nominierung reichte es dennoch nicht.
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Nagelsmann hat strittige Entscheidungen getroffen und sie in den vergangenen Monaten schlecht anmoderiert. Die Torwartposition sowie die Personalie El Mala sind nur zwei Beispiele – auch zu Leroy Sané hat der Bundestrainer zumindest öffentlich keine guten Argumente präsentiert.
Seine Laufbahn, sein Fußballverständnis und sein offenbar stets begeistertes Umfeld haben Nagelsmann zu einem Mann gemacht, der von sich und seinen Entscheidungen überzeugt ist. Und der zu Trotz neigt, wenn der Rest der Welt ihm nicht begeistert folgt. Er wird weiter daran arbeiten müssen, jenes Vertrauen zu gewinnen, das ein Bundestrainer bei einer WM braucht. Dieser Donnerstag, an dem er sich abmühte, offen und selbstkritisch zu kommunizieren, kann nur ein Anfang gewesen sein.
