Der 1. FC Köln verpflichtet den australischen Nationalspieler Paul Okon-Engstler für das defensive Mittelfeld – Profi mit außergewöhnlicher Familiengeschichte
FC-Zugang Okon-EngstlerJunger Mann mit viel Geschichte und noch mehr Zukunft

Paul Okon-Engstler bei der WM im Duell mit dem türkischen Superstar Ader Güler von Real Madrid
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Rechtzeitig vor der Abreise ins Trainingslager nach Kitzbühel hat der 1. FC Köln den nächsten Transfer dieses Sommers perfekt gemacht – und den zweiten WM-Teilnehmer verpflichtet. Nach Linksverteidiger Gideon Mensah (Ghana) wechselt Paul Okon-Engstler nach Köln. Der Mittelfeldspieler stand in Nordamerika für Australien auf dem Platz und unterschreibt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2030. Köln bezahlt eine Million Euro an Sydney FC. Im vergangenen Jahr war der Sohn des früheren australischen Nationalkapitäns Paul Okon von Benfica Lissabon nach Australien zurückgekehrt. Nun wagt er den Sprung in die Bundesliga.
„Wir freuen uns sehr, dass sich Paul für den Wechsel zum 1. FC Köln entschieden hat. Er ist ein junger Spieler mit großem Potenzial, der sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat“, sagte FC-Geschäftsführer Thomas Kessler: „Mit seinen guten Leistungen für Sydney FC hat er sich in die australische Nationalmannschaft gespielt und bei der Weltmeisterschaft unter Beweis gestellt, welche Rolle er spielen kann. Paul bringt gute fußballerische Qualitäten, eine hohe Intensität und die Bereitschaft mit, jeden Tag an sich zu arbeiten. Genau diese Haltung passt sehr gut zu unserem Weg.“
Der Spieler bringt eine ziemlich internationale Biografie mit. Okon-Engstler wurde in Belgien geboren, sein Vater spielte damals bei KV Oostende. 2006 zog die Familie nach Australien, als Okon senior seine Karriere bei den Newcastle Jets ausklingen ließ. Okon-Engstler spielte als Junior bei den Marconi Stallions und den Western Sydney Wanderers, ehe er 2019 in die Nachwuchsabteilung von Club Brügge wechselte. Dort hatte sein Vater 1995 das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen und war als erster Ausländer zum Spieler des Jahres der belgischen Liga gewählt worden. Die gesamte Familie siedelte damals nach Europa über: Okon senior wollte in Belgien seine Trainerkarriere vorantreiben, alle seine vier Söhne – neben Paul Junior noch die jüngeren Brüder Gianluca, Alessandro und Davide – gingen in den Nachwuchs des Club Brügge. Okons Eltern hatten sich in Italien kennengelernt, als Okon senior in der Serie A spielte. Mutter Yamaira hat kubanische Wurzeln. Im Hause Okon-Engstler wird Italienisch gesprochen.
Nach drei Jahren in Brügge wechselte Paul junior zu Benfica Lissabon. Der Sprung zu den Profis gelang ihm dort nicht, erst in Sydney wurde er Stammspieler – und Nationalspieler.
Er hätte für fünf Nationalmannschaften spielen können: Belgien per Geburt, Australien wegen seines Vaters, der zudem italienische und deutsche Wurzeln hat. Kuba wäre über die Mutter möglich gewesen. Für Okon-Engstler war die Entscheidung dennoch klar: Australien sei das Land, in dem er den größten Teil seiner Kindheit verbracht habe, sagte er einmal. Dort ging er zur Schule, spielte früh für Junioren-Auswahlen, dort hatte sein Vater die Socceroos angeführt.

Paul Okon-Engstler mit seinem Vater Paul beim Aufwärmen vor dem WM-Spiel gegen die Türkei
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Okon-Engstler beschreibt sich selbst als Spätentwickler. In den vergangenen Jahren ist er gewachsen, kräftiger geworden. Sein Spiel beruht aber nicht allein auf Körperlichkeit. Er ist ein defensiver Mittelfeldspieler mit linkem Fuß, Ruhe am Ball und Sinn für vertikale Pässe. Er kann die Zentrale absichern, sucht aber zugleich den Weg nach vorn. Jackson Irvine, Bundesligaprofi beim FC St. Pauli und Routinier im australischen Mittelfeld, urteilte vor der WM: Okon-Engstlers technische Qualität sei „through the roof“ – außergewöhnlich. Er werde noch robuster und spielintelligenter werden.
Dass Nationaltrainer Tony Popovic dieser Einschätzung folgte, zeigte sich im WM-Auftaktspiel gegen die Türkei. Popovic stellte Okon-Engstler in die Startelf – und ließ Irvine auf der Bank. „Ich liebe diesen Jungen. Ich mochte ihn schon, als ich ihn vor zwölf Monaten zum ersten Mal nominiert habe. Ich wusste, dass da ein besonderes Talent ist – und das hat er heute bewiesen“, erklärte Popovic nach dem Auftaktspiel. Okon-Engstler spielte, als gehöre er auf diese Bühne. In einer Trinkpause holte er sich Hinweise von einem der australischen Assistenztrainer – seinem Vater. Kurz darauf bereitete er Australiens Führungstreffer durch Watfords Nestory Irankunda mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte vor. Kein Zufall: „Ich kenne Nestors Fähigkeiten, seine Läufe in die Tiefe und seine Geschwindigkeit. Wir hatten das die ganze Woche trainiert: hochschauen und Bälle in die Tiefe spielen“, beschrieb er. Beim 2:0-Sieg hatte er die meisten Ballkontakte seiner Mannschaft – und behauptete sich im Zentrum gegen die türkischen Starspieler Arda Güler von Real Madrid und Hakan Calhanoglu von Inter Mailand.
Ich liebe diesen Jungen. Ich mochte ihn schon, als ich ihn vor zwölf Monaten zum ersten Mal nominiert habe. Ich wusste, dass da ein besonderes Talent ist – und das hat er heute bewiesen
Mark Schwarzer, früherer australischer Nationaltorwart, sieht den Wechsel in die Bundesliga mit Begeisterung. Köln sei ein großer Klub, der allerdings immer wieder deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben sei: „Sie müssen nur mal bei der Kaderplanung richtig liegen – und ich finde, einen Spieler wie Paul zu holen, ist ein sehr kluger Zug“, sagte der mittlerweile 53-Jährige. Schwarzer glaubt nicht, dass Okon-Engstler sich von der neuen Umgebung beeindrucken lässt. Wer sich in Köln durchsetze, werde für größere Klubs interessant, sagte der Keeper, der einst für Kaiserslautern, Middlesbrough, Fulham und Chelsea spielte und mit Okons Vater am Confederations-Cup 2001 teilnahm.
Nach dem Tor lief Okon-Engstler zur australischen Bank, um mit seinem Vater zu feiern: „Ich konnte die Emotion in seinem Gesicht sehen, das hat mich wirklich berührt. Es war eine schöne Erinnerung für uns. Eine Erinnerung, die ich festhalten werde.“
In Köln will er nun für neue Erinnerungen sorgen – auch bei den Fans, die in der vergangenen Saison oft vergeblich auf Impulse aus dem Zentrum hofften. Der junge Australier übernimmt im Kader jene Position, die Denis Huseinbasic nach seinem Wechsel freigemacht hat. Auch Okon-Engstler kommt aus der Tiefe, kann Bälle verteilen. Doch er bringt mehr Athletik mit, mehr Wucht und offenbar den Anspruch, Köln und die Bundesliga nicht als Ziel, sondern als nächste Stufe zu begreifen.
