Es ist legitim, sich die Ultras und ihre Pyro-Exzesse fortzuwünschen. Klar ist aber: Der Fußball wäre anschließend ein anderer.
Pyrotechnik im StadionVorsicht vor Hysterie


Am Mittwochabend zu Beginn des Spiels gegen den FC Bayern brannten die FC-Fans auf der Südtribüne ein Feuerwerk ab.
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Pyrotechnik im Stadion ist riskant. Wer mit 2500 Grad heißem Magnesiumfeuer hantiert, steht nicht auf der sicheren Seite der Physik. Ganz egal, wie geregelt das Zündeln sein mag. Wer Feuer im Stadion duldet muss sich dessen bewusst sein. Ebenso wahr ist: Trotz Millionen von Stadionbesuchen passiert faktisch nichts. Das ist kein Argument für Leichtsinn. Aber eines gegen Hysterie. Vor allem ist es ein Argument dagegen, sich der Sehnsucht nach einfachen Lösungen hinzugeben – oder gar so zu tun, als habe man solche bereits gefunden.
Seit Jahren wird so getan, als ließe sich das Thema mit schärferen Kontrollen, Strafen oder noch mehr Polizei lösen. Die Realität sieht anders aus. Pyrotechnik ist verboten, teuer, sanktioniert – und trotzdem da. Wer daraus noch immer den Schluss zieht, man müsse einfach nur konsequent genug sein, verwechselt Ordnungspolitik mit Wunschdenken. Pyrotechnik wird nicht verschwinden, weil man sie verbietet.
Dass der Verein einerseits mit der Stadt im Falle des Abstiegs hart darüber verhandelt, die Pacht zu reduzieren, gleichzeitig seine Fans aber Geld im Wortsinne verbrennen lässt, scheint emotional einzuleuchten. Ist strukturell aber schief: Stadionpacht und Verbandsstrafen folgen unterschiedlichen Logiken, sind getrennte Finanzflüsse. Pyrostrafen bedeuten keine Ausgabeentscheidung des Vereins. Sie sind Ausdruck einer begrenzten Steuerungsfähigkeit und eines Restrisikos, das der Profifußball seit Jahren faktisch akzeptiert – wohl akzeptieren muss.
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Denn immer wieder entscheiden Menschen, sich nicht an Regeln zu halten. Wäre es anders, käme unsere Gesellschaft ohne Strafgesetzbuch aus, ohne Radarfallen, ohne Kontrollen. Die Regelbrecher zu kennen und im Auge zu haben, lautet die Herausforderung. Nicht, sie abzuschaffen.
Ultras sind laut, selbstbewusst, manchmal selbstgerecht. Man darf von ihnen genervt sein, darf den Habitus kritisieren. Und man darf fragen, ob moderner Profifußball das überhaupt braucht. Doch bevor man diese Frage mit Nein beantwortet, sollte man sich bewusst machen: Ohne Ultras wären die Stadien leiser, austauschbarer, weniger bunt.
Die Pyro-Debatte ist ein Testfall dafür, wie viel Widerspruch der Fußball und seine Fans aushalten. Pyrotechnik bleibt gefährlich, aber sie bleibt auch Ausdruck einer Jugendkultur, die auch viele neutrale Stadionbesucher als Teil des Erlebnisses schätzen. Wer das alles loswerden will, muss sagen, was er stattdessen will.
Das ist legitim. Das Ergebnis jedoch wäre ein anderer Fußball.
