René Wagner war lange Assistent von Steffen Baumgart. Jetzt spricht der frühere FC- und heutige Union-Coach über die Aufgabe seines früheren Mitarbeiters.
„Gerne zusammen feiern“Baumgart traut Wagner FC-Job zu, sieht aber auch eine große Herausforderung

René Wagner (l.) und Steffen Baumgart arbeiteten unter anderem auch beim 1. FC Köln zusammen.
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Fast fünf Jahre lang waren sie ein eingespieltes Duo: Steffen Baumgart als Cheftrainer, René Wagner als sein Assistent – bei vier verschiedenen Klubs, durch Aufstiege und Abstiege, durch gute und manchmal auch schwierige Zeiten. Paderborn, Köln, Hamburg, Berlin: Wagner war stets dabei, loyal und verlässlich, wie Baumgart selbst betont. „Wir haben fast fünf Jahre lang sehr gut zusammengearbeitet und hatten immer einen guten Kontakt. Er war immer loyal mir und dem Verein gegenüber„, sagt der heutige Coach von Union Berlin im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Es ist schon was anderes, als Chef in der ersten Reihe zu stehen und am Ende die Verantwortung zu tragen. Du triffst Entscheidungen, die Konsequenzen nach sich ziehen.
Im Mai 2025 endete ihre gemeinsame Reise. Wagner zog es wenig später zurück zum FC – als Assistent von Cheftrainer Lukas Kwasniok beim Bundesliga-Aufsteiger. „Der 1. FC Köln hat was in ihm ausgelöst, ist für ihn etwas Besonderes – wohl auch deshalb ist er zum FC zurückgekehrt„, erklärt Baumgart. Nun, nach der Entlassung Kwasnioks, steht der gebürtige Dresdner erstmals selbst in der ersten Reihe: als Cheftrainer.
Baumgart, der mit Union ebenfalls noch um den Ligaverbleib kämpft, hat seinem langjährigen Weggefährten bereits zum neuen Amt gratuliert. „Wir haben am Montag telefoniert. Obwohl wir mit unseren Vereinen beide um den Klassenerhalt kämpfen, habe ich ihm natürlich Glück gewünscht – das ist doch selbstverständlich“, sagt er.
Wagners neue, große Herausforderung
Seine Einschätzung des neuen FC-Trainers fällt dabei klar aus: „René hat klare Vorstellungen und Ideen, wie er spielen lassen will. Ich mag es nicht, wenn jemand sagt, dass dieser und jener neue Trainer besonders akribisch arbeitet. Das machen alle in der Branche, dafür werden sie auch bezahlt. Aber Reńe hat ein Gespür für die Situation und macht sich unheimlich viele Gedanken darüber, wie man schwierige Situationen lösen kann. Er hat jetzt beim FC die große Chance bekommen, die er sich auch verdient hat.“
Gleichwohl mahnt Baumgart zur Geduld – und kennt die Herausforderung, vor der Wagner nun im Rampenlicht steht, aus eigener Erfahrung: „Es ist schon was anderes, als Chef in der ersten Reihe zu stehen und am Ende die Verantwortung zu tragen. Du triffst Entscheidungen, die Konsequenzen nach sich ziehen. Auch im Verhältnis zu den Spielern ist das etwas anderes.“
Ob Wagner dieser Aufgabe gewachsen sei? „Ich bin mir relativ sicher, dass er das kann. Aber ich kann da natürlich viel reden: Er muss es auch mit der Mannschaft dann so umsetzen – das ist der große Unterschied.“ Ein besonderes Wiedersehen könnte am 32. Spieltag folgen, wenn der FC auswärts bei Union Berlin antritt. Baumgart blickt dem Duell mit seinem früheren Assistenten mit einem Schmunzeln entgegen: „Wenn wir dann nach dem Spiel gemeinsam den Klassenerhalt mit unseren Mannschaften feiern könnten – ich denke, das würden alle so unterschreiben.“

