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Später Treffer kaschiert die Kölner ProblemeEl Mala, der Liebling des Schicksals

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Und wieder hat er es getan: Said El Mala hat spät getroffen, Kristoffer Lund und Rav van den Berg eilen herbei.

Und wieder hat er es getan: Said El Mala hat spät getroffen, Kristoffer Lund und Rav van den Berg eilen herbei.

Said El Mala rettet dem 1. FC Köln nach desolater erster Halbzeit einen Punkt im Duell der Tabellennachbarn in Bremen

Nach dem Schlusspfiff nahm der Bremer Block noch einmal Fahrt auf. Mit Radau und Pyrotechnik stimmten die Fans ihre Mannschaft auf das kommende Duell beim Hamburger SV ein. Das Ende der Partie gegen den 1. FC Köln hatten sie Momente zuvor noch mit Pfiffen quittiert. 1:1 lautete der Endstand im Spiel der Tabellennachbarn vor 41.000 Zuschauern. Werder hatte Friedls Führung aus der 22. Minute nicht ins Ziel gebracht, weil das Schicksal den nimmermüden Said El Mala und seine Kölner in der Nachspielzeit noch mit dem Ausgleich beschenkte.

Es war ein verdientes Geschenk. Der 19-Jährige hatte nach einer auffälligen, aber zeitweise glücklosen Leistung kurz vor Schluss noch einen letzten Schuss abgegeben, der für Mio Backhaus wohl leicht zu halten gewesen wäre. Doch Niklas Stark fälschte unhaltbar ab, der Ball schlug zum 1:1 ein. Stark war zur zweiten Halbzeit für den verletzten Amos Pieper gekommen, verhalf dem Kölner Flügelspieler zum Tor und ging wenig später vom Platz, weil er für zwei üble Fouls an El Mala zwei Gelbe Karten sah. Manchmal scheint das Schicksal Lieblinge zu haben.

El Mala rettete den Kölnern nicht nur einen Punkt, der mit Blick auf die Tabelle Gold wert war. Er bewies zudem, dass er in der Lage ist, 90 Minuten Bundesliga zu spielen und dabei von der ersten bis zur letzten Minute gefährlich zu sein. „Das war eine wichtige Erkenntnis, darauf hat er hingearbeitet“, kommentierte Lukas Kwasniok später. „Er hat den Ball heute sicherlich ein paarmal zu häufig verloren. Bewundernswert ist aber, dass er gar nicht darüber nachdenkt, sondern beim nächsten Mal wieder in dieses Duell geht“, erklärte der FC-Trainer.

Wieder hatten die Kölner spät ins Spiel gefunden. „Wir hatten eigentlich einen guten Matchplan, waren sehr gut vorbereitet“, berichtete El Mala. Doch Köln begann schaurig. „Wir haben eine richtig schlechte erste Halbzeit gespielt. Weil die Bremer uns aber am Leben gelassen haben, indem sie das 2:0 nicht machen, sind wir ins Spiel zurückgekommen“, kommentierte Kwasniok.

Hut ab vor der Mannschaft. Die Mentalität ist echt Wahnsinn
FC-Trainer Lukas Kwasniok

Womöglich auch, weil die Fans erneut zwölf Minuten lang auf Unterstützung aus der Kurve verzichtet hatten. Die Stille im ausverkauften Stadion überraschte die Kölner. „Es ist immer gespenstisch, wenn so viele Leute da sind und es trotzdem so ruhig ist, das ist einfach skurril. Wir haben gleich drei, vier Duelle nicht so bestritten, wie man sie bestreiten muss, wenn man in der Bundesliga bestehen will“, sagte Kwasniok später.

Der Trainer hatte nach dem 3:4 gegen Frankfurt vier Feldspieler ausgetauscht und die Außenpositionen mit Alessio Castro-Montes und Jan Thielmann besetzt, um spielstärker zu sein. Sebastian Sebulonsen rückte dafür in die Dreier-Abwehrkette, wo er nachhaltig fremdelte. Kristoffer Lund blieb nach seinen tragischen Auftritten gegen Mönchengladbach und Frankfurt auf der Bank.

Kwasniok hatte ausgiebig über seine Umstellungen nachgedacht, doch nach zehn Minuten war alles Trainergrübeln der vergangenen Tage überholt. Dominique Heintz setzte sich ins Gras, der Verteidiger konnte nicht weitermachen. Die MRT-Untersuchung am Sonntagmorgen ergab einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich, Heintz ist nach Timo Hübers, Joel Schmied und Luca Kilian der vierte verletze Kölner Innenverteidiger.

Rav van den Berg rettete seine Mannschaft in Zusammenarbeit mit Marvin Schwäbe gegen Romano Schmird früh in der ersten Halbzeit vor dem 0:2-Rückstand.

Rav van den Berg rettete seine Mannschaft in Zusammenarbeit mit Marvin Schwäbe gegen Romano Schmird früh in der ersten Halbzeit vor dem 0:2-Rückstand.

Für ihn kam Rav van den Berg, dem Kwasniok nach langer Verletzungspause eigentlich noch keinen Bundesliga-Einsatz zugetraut hatte. Alles war nun durcheinander: Debütanten, Positionsfremde und Rückkehrer sollten einen halbwegs sortierten Auftritt hinlegen. Das ging schief. Nach einer furchtbaren ersten Hälfte und der Bremer Führung stellte Kölns Trainer in der Pause auf Viererkette um, brachte Lund als Linksverteidiger und beorderte Sebulonsen auf die rechte Abwehrseite.

Für den enttäuschenden Isak Johannesson kam Tom Krauß an die Seite von Eric Martel – eine Kombination, die Kwasniok am Freitag ebenfalls soweit ausgeschlossen hatte. Krauß hatte seine Mannschaft zuvor zweimal von der Bank aus verlieren sehen. Der 24-jährige Sachse zog daraus offenbar Energie, spielte die meisten Pässe im zweiten Durchgang und gab seiner Mannschaft aus dem Zentrum Struktur. „Am Ende kann ich auch was mit Ball. Das habe ich in den 45 Minuten heute bewiesen“, sagte Krauß im angemessen trotzigen Ton eines Mannes, der es seinen Kritikern gezeigt hatte.

Johannesson erneut wenig effektiv

Er könnte dauerhaft eine Hilfe sein, zumal Johannesson, als 22-Jähriger in seinem ersten Bundesligajahr und nach zuletzt mehreren harten Einsätzen mit Islands Nationalteam sichtlich geschlaucht, womöglich eine Pause brauchen könnte. Kwasniok sprach später von einem Kölner „Energie- und Zugriffsproblem“ und dürfte damit auch Johannesson gemeint haben. Der Trainer benannte außerdem ein „Sender-Empfänger-Problem“ – wobei er sich selbst als schwachen Sender bezeichnete: „Die Jungs haben das nicht so gemacht, wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist eher ein Vorwurf an mich und meine Kommunikation als an die Mannschaft“, sagte Kwasniok. In der Halbzeitpause „haben sie dann zugehört“, sagte er, um auch seine Spieler nicht ganz von der Kritik auszunehmen.

Mit den Umstellungen wurde es besser. „Wir hatten mehr Stabilität auf den zweiten Bällen und im Anlaufen“, beschrieb El Mala, der nicht vom Ausgleich überrascht war: „Es war eine Frage der Zeit, wann das Tor passiert.“ Der Optimismus des Angreifers ist ungebrochen, wenngleich er nicht ständig auf die Schlussoffensive angewiesen sein möchte. „Natürlich wünscht man sich, ein bisschen früher das Tor zu machen“, sagte er, wollte aber nicht zu kritisch sein: „Solange es klappt – warum nicht?“

Am kommenden Samstag begrüßt der FC dann den direkten Konkurrenten FC St. Pauli in Müngersdorf. Das Remis in Bremen sei ein „moralisch ganz wichtiger Punkt nach zwei Niederlagen, um in einer guten mentalen Verfassung in die nächste Woche zu gehen für das ganz wichtige Spiel gegen St. Pauli“, sagt Kwasniok noch: „Hut ab vor der Mannschaft. Die Mentalität ist echt Wahnsinn.“