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Trotz des bitteren AusscheidensMagischer Abend, der bei FC-Talenten die Gier auf mehr weckt

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04.02.2026, Fußball, UEFA Youth League, U19 1. FC Köln - Inter Mailand, Sechzehntelfinale, RheinEnergie-STADION, Saison 2025 2026: Torjubel nach dem Tor zum 1:1 durch Torschütze Fynn Schenten U19 FC Köln 09 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi-video. Nordrhein-Westfalen Deutschland *** 04 02 2026, Football, UEFA Youth League, U19 1 FC Köln Inter Milan, Round of 16, RheinEnergie STADION, Season 2025 2026 Goal celebration after the goal to 1 1 by scorer Fynn Schenten U19 FC Köln 09 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Nordrhein Westfalen Germany

Zwischenzeitliche Glücksgefühle: FC-Kapitän Jonathan Friemel (v.r.), David Fürst jubeln mit 1:1-Torschütze Fynn Schenten

Die U19 des FC verkauft sich trotz des Ausscheidens gegen Inter teuer. Der Abend weckt die Gier auf mehr. Doch nicht jedes Talent wird ein Profi.

Läuft alles wie in Träumen ausgemalt, werden einige Spieler der U19 des 1. FC Köln noch mehrere Fußballabende wie am Mittwoch in Müngersdorf erleben. Also Spiele vor einer stimmungsvollen Kulisse, vor 50.000 Zuschauern oder mehr. Am besten auf internationaler Bühne. Doch die Wahrheit ist wohl eine andere.

Auch Markus Halfmann hat sie ausgesprochen. Der Leiter der FC-Akademie sprach von einem „Fußballfest“, einem „riesigen Highlight“. Halfmann lobte nicht nur die Leistung der Kölner Mannschaft, die das Duell im Sechzehntelfinale mit Inter Mailand durch zwei Tore in der Nachspielzeit mit 1:3 verlor. Sondern auch das Publikum, das für eine Rekordkulisse in der Youth League sorgte. Eine Kulisse, wie sie wohl nur in Köln möglich ist. Das sei „sensationell“, man sei darauf „megastolz – auch wenn jetzt irgendwie die Enttäuschung überwiegt. Aber für viele Spieler, das muss man ganz ehrlich sagen, dürfte es das größte Highlight der Fußballkarriere sein. Denn nicht alle werden am Ende im Profifußball landen.“

Nach dem Abpfiff und dem Kampf gegen taktisch wie technisch versierte Italiener, die in Sachen Raffinesse, Theatralik und Spielchen schon erstaunlich an ihre älteren Vorbilder aus der Heimat heranreichten, herrschten erst einmal die großen Emotionen. Stefan Ruthenbeck, der Kölner Trainer, sprach davon, dass gleich mehrere Spieler geweint hätten. Schier überwältigt waren einige vom Ereignis, wie es fast alle von ihnen noch nie erlebt hatten.

„Wir sind extrem enttäuscht. Wenn man so nah dran ist und mit der letzten Aktion das 1:2 kassiert, ist das einfach bitter. Ich glaube, das Ergebnis wird uns heute einfach nicht gerecht, weil wir bis zur letzten Sekunde gekämpft haben. Aber so ist leider Fußball“, sagte Kölns Kapitän Jonathan Friemel.

1. FC Köln: Trotz des bitteren Ausscheidens ein magischer Abend

Doch sowohl der 18-jährige Linksverteidiger („Es war ein Traum, der heute in Erfüllung gegangen ist. Jeder von uns hat das genossen“) als auch seine Teamkollegen hoben trotz des bitteren Ausscheidens die Besonderheit des Abends hervor. „Das war unglaublich, nicht in Worte zu fassen. Als wir das Tor geschossen haben, war das ähnlich wie bei der Meisterschaft. Solch ein Gefühl hatte ich noch nicht in meinem Leben – bis auf das eine Mal bei der Meisterschaft“, befand Innenverteidiger Luis Stapelmann (19). Und auch Stürmer Youssoupha Niang (19) beschrieb ein „unbeschreibliches Gefühl. Das ist das, worauf man wartet, wenn man als kleiner Junge anfängt, Fußball zu spielen. Da kriegt man einfach Gänsehaut und vor allem Lust auf das Spiel.“

Und ganz sicher auch Lust auf mehr. Ruthenbeck weiß, dass es längst nicht jeder Nachwuchsspieler in den Profibereich schaffen wird. „Wir haben heute aber schon ein paar Jungs gesehen, die auf jeden Fall im Profifußball ankommen werden. In welcher Liga und in welchem Verein, das muss man abwarten“, zeigte sich Ruthenbeck überzeugt.

Am Mittwoch machten viele Talente auch in eigener Sache auf sich aufmerksam. Die Partie hatte zwar Längen, doch für ein Spiel der U19 war es insgesamt ein leidenschaftliches Ringen auf hohem Niveau.

Wenn man sieht, wie Youss und Fynn es schon geschafft haben, hat man selbst richtig Bock, das auch zum Alltag zu machen. Das ist nicht einfach, aber wir arbeiten alle jeden Tag für dieses Ziel.
Jonathan Friemel, der Kapitän der U19 des FC

Am liebsten wäre den Kölnern nun, dass es aus dem Nachwuchs weitere Talente ins Profiteam schaffen. Die jüngsten Beispiele, Niang und Fynn Schenten (18), die unlängst zu ersten Einsätzen in der Mannschaft von Cheftrainer Lukas Kwasniok kamen, spornen auch die anderen Nachwuchsspieler an.  „Wenn man sieht, wie Youss und Fynn es schon geschafft haben, hat man selbst richtig Bock, das auch zum Alltag zu machen. Das ist nicht einfach, aber wir arbeiten alle jeden Tag für dieses Ziel“, sagte Friemel, dem ebenfalls das Potenzial für eine Profikarriere nachgesagt wird. „Das Ziel haben wir alle, dass solche Spiele irgendwann zur Gewohnheit werden und es in den Profibereich zu schaffen“, sagte auch Stapelmann.

Fußball UEFA Youth League Sechszehntelfinale 1. FC Köln - Inter Mailand am 04.02.2026 im RheinEnergieStadion in Köln Stefan Ruthenbeck  Trainer / Cheftrainer Köln  *** Soccer UEFA Youth League round of 16 1 FC Köln Inter Milan on 04 02 2026 at RheinEnergieStadion in Cologne Stefan Ruthenbeck Coach Head Coach Cologne xRx

Enttäuscht nach einem leidenschaftlichen Spiel, aber zufrieden mit dem Team: FC-Trainer Stefan Ruthenbeck

Nach dem Meistertitel und dem Vorstoßen in der Youth League bis ins Sechzehntelfinale warnte Ruthenbeck (53) davor, die Bodenhaftung zu verlieren. „Wir müssen aufpassen, dass die Erwartungshaltung nicht viel zu hoch wird. Man wird nicht jedes Jahr Meister.“

Mein Ego ist nicht mehr so groß, dass ich mich ständig präsentieren muss. Das habe ich selbst so gewählt. Ich mache das hier sehr gerne, der FC ist mein Heimatverein. Da, wo ich bin, bin ich gut aufgehoben.“
FC-Trainer Stefan Ruthenbeck über eigene Ambitionen

Der Coach selbst verfügt über einige Erfahrungen im Profifußball. Ob einst als Zweitliga-Trainer von Aalen und Fürth oder später als FC-Coach in der Bundesliga-Saison 2017/18. Ruthenbeck bekommt immer wieder Anfragen. Wenn er gewollt hätte, hätte er längst wieder ein Team im Profifußball betreuen können. Doch das will er gar nicht unbedingt.

„Mein Ego ist nicht mehr so groß, dass ich mich ständig präsentieren muss. Das habe ich selbst so gewählt“, erklärte Ruthenbeck, der die große Wertschätzung und den guten Austausch am Geißbockheim hervor. Der 1. FC Köln muss sich keine Sorgen machen – und nicht nur, weil Ruthenbeck einen unbefristeten Vertrag beim Verein hat. Denn was noch wichtiger ist: „Ich mache das hier sehr gerne, der FC ist mein Heimatverein. Da, wo ich bin, bin ich gut aufgehoben.“

Ruthenbeck entscheidet sich also frei dafür, weiter im Nachwuchs zu arbeiten. Seine Talente sind dagegen auch von vielen Eventualitäten abhängig, manchmal auch vom Schicksal, denn so manchem Hoffnungsträger wurde schon durch Verletzungspech die große Karriere verbaut. Spiele wie am Mittwochabend in Müngersdorf weckten bei den jungen Spielern schon einmal die Lust auf mehr, da waren sich alle Beteiligten einig.