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Vor Duell FC gegen Bayer 04Patrick Helmes: „Es wird ein Derby auf Augenhöhe“

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Sky Experte Patrick Helmes vor dem Spiel Bayer Leverkusen - FC Bayern München, Fussball, 1.Bundesliga, GER, Leverkusen, BayArena, 14.03.2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** Sky Sport expert Patrick Helmes before the match Bayer Leverkusen FC Bayern Munich, Football, 1 Bundesliga, GER, Leverkusen, BayArena, 14 03 2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Copyright: HMBxMedia/xMarcoxBader

Der ehemalige Nationalspieler Patrick Helmes (1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen) im Einsatz als TV-Experte für den Sender Sky

Ex-Nationalspieler Patrick Helmes spricht im Interview über seine Ex-Klubs FC und Bayer 04, den Pokal-Kracher und Kölns Jungstar Said El Mala

Patrick Helmes hat sich in den vergangenen Jahren zu einem etablierten TV-Experten entwickelt. Auch am Mittwochabend im Pokal-Halbfinale zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern München (20.45 Uhr, ZDF und Sky) ist der frühere Nationalstürmer im Einsatz. Bei seinen ehemaligen Klubs 1. FC Köln und der Werkself, die am kommenden Samstag dann in Müngersdorf aufeinandertreffen (15.30 Uhr), kennt sich der 42-Jährige weiterhin bestens aus, schaut sich bei Gelegenheit auch Trainingseinheiten der Bundesligisten an.

Im Interview spricht Helmes über den Pokal-Kracher, das Derby, FC-Jungstar Said El Mala und seinen Werdegang.

Herr Helmes, hat Bayer 04 Leverkusen am Mittwoch im Pokal-Halbfinale gegen den famosen FC Bayern überhaupt eine Chance?

Das Ligaspiel (1:1, d. Red.) vor einigen Wochen hat gezeigt, dass es geht – wahrscheinlich mit einer der besten Saisonleistungen von Leverkusen. Allerdings spielte Bayern damals ab der 42. Minute in Unterzahl und bekam sogar die zweite Rote Karte. Bayern ist der klare Favorit – der Hype ist riesig, die beiden Spiele gegen Real Madrid sind bei jedem verankert. Dazu will Bayern mindestens das Double, hat seit sechs Jahren nicht mehr den Pokal gewonnen und hat sich zuletzt oft in Leverkusen schwergetan – das sind zusätzliche Motivationsfaktoren. Aber mit dem nötigen Matchglück ist alles möglich. Das Spiel wird geil.

In der Liga hat Leverkusen 27 Punkte Rückstand. Ist das nicht zu viel für den Anspruch von Bayer 04?

Der Maßstab Bayern zählt diese Saison schlicht nicht. Leverkusen hat im Sommer den größten Umbruch seiner Geschichte gestaltet. Florian Wirtz, Granit Xhaka, Jonathan Tah und Lukáš Hrádecký – das war eine absolute Führungsachse an Qualität und Persönlichkeit, die so nicht ersetzt wurde. Robert Andrich ist ein gutes Beispiel: Eigentlich Sechser, wurde er zum Innenverteidiger in der Dreierkette umfunktioniert, weil Tapsoba die Rolle des Abwehrchefs nicht übernehmen konnte. Das hat ihm möglicherweise sogar die WM gekostet. Dazu war Palacios als wichtigster Sechser zu oft verletzt. Platz sechs hätte ich mit diesem Umbruch vor der Saison unterschrieben – aber nach dieser Spielzeit ist klar, dass das nicht das Leistungsmaximum war.

Rechnen Sie mit einem Trainerwechsel im Sommer?

Ich weiß es nicht, aber ich glaube, es ist ein Thema. Man ist in der Champions League weit gekommen, gegen Arsenal ausgeschieden, die jetzt im Halbfinale stehen – da kann man einen Strich drunter machen. Und man steht im Pokal-Halbfinale, hat also wieder die Chance auf den Titel. Das ist die Habenseite. Aber es gab im Laufe der Saison zu viele Schwankungen, und ich glaube, alle bei Leverkusen sind sich einig, dass das nicht das Leistungsmaximum war, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist.

Es gab im Laufe der Saison zu viele Schwankungen. Ich glaube, alle bei Leverkusen sind sich einig, dass das nicht das Leistungsmaximum war, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist.
Patrick Helmes über die Saison von Bayer 04

Hat Leverkusen eine Perspektive, die Bayern künftig wieder zu ärgern?

Das Talent ist vorhanden, und Klubboss Fernando Carro spricht davon, bis 2028 eine Meistermannschaft aufzubauen. Aber was vor zweieinhalb Jahren passiert ist, war eine einmalige Fügung: Florian Wirtz, Granit Xhaka, Xabi Alonso als Trainertalent – da hat alles auf einmal gepasst. Das kann man nicht planen und nicht einfach wiederholen. Bayern gehört zur europäischen Spitze und hat ganz andere Möglichkeiten beim Kaderaufbau. Einen Florian Wirtz hat Leverkusen nicht mehr.

Bayer hat viel investiert – Tillman, Quansah, Ben Seghir, Badé, Fernández kosteten zusammen rund 150 Millionen Euro Ablöse. Kommt zu wenig dabei heraus?

Ja, das muss man so sagen. Tillman hat nicht funktioniert. Quansah bringt Talent mit, ist aber kein Vergleich zu Jonathan Tah – das können wir erst in zwei, drei Jahren beurteilen. Fernández auf der Sechs hat nicht funktioniert. Ben Seghir hat gar keine Rolle gespielt, war nur verletzt. Viel Geld eingenommen, viel Geld ausgegeben – aber vollends überzeugt hat am Ende keiner dieser Zugänge.

Hat das Pokalspiel Auswirkungen auf das Derby gegen Köln am Samstag?

Das ist eine brutal entscheidende Woche für Leverkusen. Szenario eins: Sie scheiden gegen Bayern aus und verlieren dann auch das Derby – und damit womöglich den fünften Platz und die Champions League, falls Deutschland den fünften Startplatz einspielen sollte. Szenario zwei: Sie schlagen Bayern, gehen mit einem Extraboost ins Derby, gewinnen auch das und geben der Restsaison eine völlig andere Wertung. Keiner weiß, ob der fünfte Platz mit Champions-League-Startrecht so schnell wiederkommt. Und stellen Sie sich vor, man verspielt das und landet auf Platz sechs in der Europa League – dann ist das Resümee der Saison ein anderes.

Wie schätzen Sie die Chancen des 1. FC Köln im Derby ein?

Auf Augenhöhe. Denken Sie ans Pokalspiel letztes Jahr – was war das für ein Fight! Der FC ist über sich hinausgewachsen, hat packend und leidenschaftlich gespielt. Das können sie wieder. Zu Hause, wenn dieses Energie-Stadion richtig brennt, wachsen Spieler über sich hinaus. Leverkusen ist gerade nicht in der Form, alles leichtfüßig zu dominieren. Und zu wissen, dass man dem Rivalen den fünften Platz nehmen kann – das ist eine gewaltige Motivation. Für Köln könnte dieser Sieg gleichzeitig bedeuten, den Abstiegskampf endgültig hinter sich zu lassen.

Noch sehe ich diese Handschrift nicht wirklich – wobei man ihm Zeit lassen muss, denn der Klassenerhalt steht über allem. Spielerisch sehe ich noch viel Bedarf.
Helmes über den neuen FC-Trainer René Wagner

Sehen Sie eine Handschrift des neuen Cheftrainers René Wagner nach drei Spielen?

Noch sehe ich diese Handschrift nicht wirklich – wobei man ihm Zeit lassen muss, denn der Klassenerhalt steht über allem. Said El Mala aus dem Zentrum zu spielen ergibt aus Stabilitätsgründen Sinn – am Flügel hatte man bei seinen Ballverlusten oft Unterzahl. Spielerisch sehe ich noch viel Bedarf. Das Spiel auf den zweiten Ball ohne die Abhängigkeit von langen Bällen, wie es in der Ära Kwasniok oft der Fall war, sollte auf Strecke eine Alternative werden. Der Sieg gegen Bremen hatte viel mit Spielglück zu tun – ohne das abgefälschte Tor von Kaminski verliert Köln das Spiel in Frankfurt. In Pauli war der Punkt mehr als glücklich. Fünf Punkte aus drei Spielen sind gut – und das Matchglück scheint zurück, das hatte Kwasniok nicht.

War die Kwasniok-Entlassung die richtige Entscheidung – und kam sie zum richtigen Zeitpunkt oder sogar zu spät?

Lukas hatte sich die Chance absolut verdient und hat einen überragenden Start hingelegt. Aber bei 18 Spielen und nur zwei Siegen gibt es nichts zu beschönigen. Es fehlte Matchglück, es gab Themen innerhalb des Teams, möglicherweise hat er bestimmte Spieler verloren. Dazu kam, dass sich Spieler wie Martel und Thielmann nicht so weiterentwickelt haben, wie man es erhofft hatte. Und dann gab es auch noch ein paar Themen abseits des Platzes. Wenn dann auch noch die nötige Überzeugung der Vereinsführung fehlt, den Klassenerhalt gemeinsam zu erreichen, beendet sich so ein Thema schnell.

Wen trifft es im Abstiegskampf?

Heidenheim steigt ab. Sie haben versucht, es zu stemmen, kriegen den Lucky Punch aber nicht gesetzt. Wolfsburg hat sich mit dem wichtigen Sieg bei Union stabilisiert. Köln kann mit einem Derbysieg den Sack endgültig zumachen – bei 34 Punkten kommt keiner mehr heran. St. Pauli hat das Problem: Sie spielen teilweise guten Ball, gewinnen die Spiele aber nicht. Die letzten drei da unten machen es unter sich aus.

Was raten Sie Said El Mala und dem FC für den Sommer?

Said hat eine unglaubliche Entwicklung genommen und sich ins Blickfeld des Nationalteams gespielt – wenn Sané eine Chance bekommt, darf der El-Mala-Traum einer WM-Teilnahme noch weiterleben! Was der Bundestrainer öffentlich über ihn kommuniziert hat, ist nicht die Art, die ich bevorzuge. Solche Dinge klärt man unter vier Augen und geht nicht öffentlich auf einen jungen Spieler los, der vor zehn Monaten noch in der 3. Liga gespielt hat. Durch den Ausfall von Serge Gnabry lebt seine WM-Chance weiter – aber er muss jetzt nochmal in den Turbomodus schalten.

Ist El Mala bei der WM dabei – und spielt er nächste Saison noch für den FC?

Ich hoffe, er springt noch auf den WM-Zug auf, erst recht wenn er zum Derbyheld wird. Und ich vermute, er wechselt im Sommer den Verein. Er bringt Dynamik und körperliche Präsenz mit, die gerade für England hochinteressant ist. Köln würde ihm eigentlich noch eine Zeit lang guttun – aber wenn die Premier League ernsthaft ruft, wird er sich das sehr gut überlegen. Für den FC wäre es ein Verlust, aber mit einer Rekordablöse ließe sich der Kader neu aufstellen. Einen anderen Spieler im aktuellen Kader, der so eine Summe einbringen könnte, sehe ich schlicht nicht.

Sind Sie als TV-Experte auf Ihrem Karriere-Höhepunkt?

Ich hoffe nicht (lacht). Mein Manager und Freund Wim Vogel und ich geben weiter Gas, und es macht nach wie vor mega Bock. Aber die Träume sind noch nicht alle erfüllt: Champions League, irgendwann eine WM oder EM als Einsatzort. Bei Sky und RTL darf ich Dinge machen, die mich wirklich erfüllen – das ist ein absoluter Traumjob. 

Zur Person

Patrick Helmes, geboren am 1. März 1984 in Köln, spielte als Profi für den 1. FC Köln (2005 bis 2008 sowie 2013 bis 2015), Bayer 04 Leverkusen (2008 bis 2011) und den VfL Wolfsburg (2011 bis 2013) und bestritt 13 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere erwarb er den Fußballlehrer-Schein und sammelte erste Erfahrungen als Trainer (u.a. 1. FC Köln II, Mödling, Aachen, Siegen). Heute ist er als TV-Experte bei Sky und RTL etabliert. (lw)