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Vor wegweisendem Mainz-SpielKwasniok schlägt beim 1. FC Köln einen anderen Ton an

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Trainer Lukas Kwasniok 1. FC Koeln gestikuliert, gestik waehrend des Spiels der Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und FC Bayern München, RheinEnergieSTADION am 14. January 2026 in Köln, Deutschland. Foto von Ralf Treese/DeFodi Images  Trainer Lukas Kwasniok 1. FC Koeln gestures during the Bundesliga match between 1. FC Köln and FC Bayern München at RheinEnergieSTADION on January 14, 2026 in Köln, Germany. Photo by Ralf Treese/DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Photo by Ralf Treese/DeFodi Images - *** Coach Lukas Kwasniok 1 FC Koeln gestures, gestures during the Bundesliga match between 1 FC Köln and FC Bayern München, RheinEnergieSTADION on January 14, 2026 in Cologne, Germany Photo by Ralf Treese DeFodi Images Trainer Lukas Kwasniok 1 FC Koeln gestures during the Bundesliga match between 1 FC Köln and FC Bayern München at RheinEnergieSTADION on January 14, 2026 in Köln, Germany Photo by Ralf Treese DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Photo by Ralf Treese DeFodi Images

FC-Trainer Lukas Kwasniok (r.) gibt im Heimspiel gegen Bayern (1:3) seinen Einwechselspielern Isak Johannesson (v.l.), Luca Waldschmidt und Marius Bülter letzte Anweisungen.

FC-Trainer Lukas Kwasniok gibt sich vor der wichtigen Partie gegen Mainz spürbar gemäßigter. Der Druck ist immens, doch im Spiel liegt auch eine Chance.

Lukas Kwasniok wählte seine Worte am Freitag bewusst, fast schon philosophisch. Auf jeden Fall waren es persönliche. „Bei mir zu Hause stehen drei Wörter: Lebe. Liebe. Lache. Und das werde ich immer beherzigen – unabhängig davon, ob du auch mal nicht ganz so gute Phasen hast als Verantwortlicher einer Mannschaft.“ Für Kwasniok ist klar: „Was ist denn auch die Alternative? Dafür ist das Leben, der Job und die Möglichkeit, am Wochenende wieder einen Sieg holen zu können, viel zu toll“, sagte der Coach vor dem wegweisenden Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den Tabellensechzehnten FSV Mainz 05.

Wer den 44-Jährigen in dieser Woche beobachtete, ihm zuhörte, der erlebte zwar nicht einen Trainer, der in Anlehnung an den FC-Slogan „spürbar anders“ war, aber einen spürbar gemäßigteren Trainer. Die Verantwortlichen, so war zu erfahren, haben noch mal das Gespräch mit ihrem Trainer gesucht. Und Kwasniok, so heißt es, habe sich und sein Verhalten ebenfalls reflektiert. Denn sein Ton, auch gegenüber der Mannschaft, so der Eindruck, war deutlich gesetzter. Die Lage beim FC ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Auf die Frage, ob er weiterhin die volle Rückendeckung der Klubführung spüre, antwortete Kwasniok realistisch: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Aber wenn man acht Spiele nicht gewinnt, ist es nicht so, dass in Köln alle sagen: ‚Wenn wir noch fünf weitere Spiele nicht gewinnen, wird es immer besser.‘ Im Gegenteil.“

Rückendeckung von Sportchef Kessler

Sportdirektor Thomas Kessler hatte noch unmittelbar vor dem Heimspiel am Mittwoch gegen den FC Bayern (1:3) betont, dass Kwasniok „von mir die vollste Rückendeckung hat“. Es gehöre dazu, „dass es Kritik gibt und du von außen bewertet wirst – aber Lukas ist lange genug dabei, um das einordnen zu können“. Soll heißen: Man steht zum Trainer, will es mit ihm am liebsten weiter durchziehen, aber er steht unter Beobachtung. Beim Abschlusstraining machte sich der mächtige FC-Aufsichtsratschef Lionel Souque vor Ort ein Bild von der Stimmung am Geißbockheim.

Die Kölner Fakten: Zwar bot ein von Kwasniok gut eingestellter FC gegen das Liga-Ausnahmeteam eine überzeugende Leistung, die zwar als Mutmacher für die kommenden Aufgaben taugte. Doch die Realität lautet, dass der FC zuletzt lediglich drei von 24 möglichen Punkten holte. Die Krise wurde zuletzt begleitet von wachsender Unruhe: Ultra-Proteste gegen den Trainer, zunehmende Zweifel im Umfeld. Das Mainz-Spiel ist eines, das über Deutungen entscheidet. Es bietet dem FC auch Chancen: Im Fall eines Siegs hätte er acht Punkte Vorsprung auf den FSV und wieder mehr Grund zur Zuversicht, im Fall einer Niederlage würde der Vorsprung auf zwei Zähler schmelzen. Und sich die Stimmung weiter verfinstern.

Wenn man acht Spiele nicht gewinnt, ist es nicht so, dass in Köln alle sagen: „Wenn wir noch fünf weitere Spiele nicht gewinnen, wird es immer besser.“ Im Gegenteil
FC-Trainer Lukas Kwasniok über die Situation vor dem Heimspiel gegen Mainzl

Die sportliche Misere hinterließ auch in der Mannschaft Spuren. „Es ist das achte Spiel ohne Sieg, da ist die Stimmung in der Mannschaft natürlich nicht so gut“, sagte Leistungsträger Jakub Kaminski am Mittwoch. Ein Satz mit Wirkung, auch wenn es unfair wäre, alleine Kaminski als Kronzeugen für die Atmosphäre zu bestimmen, denn der Pole hatte schließlich nicht in seiner Muttersprache geantwortet.

Doch die „Stimmung“ ist beim FC derzeit in der Tat ein sensibles Thema. Kwasniok betonte in dieser Woche hingegen, dass es keine atmosphärischen Störungen gebe und Unruhe vor allem von außen komme. Und versuchte zu differenzieren. „Es ist normal, dass alles überspitzt dargestellt wird, aber man muss nicht alles dramatisieren“, sagte er. „Wir sind nicht happy, wie es ist, aber wir laufen auch nicht schlecht gelaunt durch die Katakomben.“ Die Wahrheit liege irgendwo dazwischen, „in der Mitte“.

Dabei war es der Trainer selbst, der die Debatte angeheizt hatte. Im Trainingslager in Spanien hielt er dem Team eine Standpauke, kritisierte fehlende Hingabe und zog Konsequenzen: Luca Waldschmidt und Florian Kainz strich er für das Spiel in Heidenheim aus dem Kader. „Wenn man unzufrieden ist, muss man konsequent handeln“, sagte Kwasniok jetzt. „Inkonsequenz schafft Alibis.“ Und Alibis könne sich der FC im Abstiegskampf nicht leisten.

Gegner Mainz 05 steht ebenfalls unter Druck, eine Niederlage in Köln wäre ein heftiger Rückschlag. Aber der FSV konnte zuletzt neue Impulse setzen. Vor allem dank des neuen Trainers Urs Fischer, dem ruhigen Schweizer, der so eine Art Gegenentwurf zu Kwasniok ist. „Ich habe mir das Spiel der Kölner gegen Bayern angeschaut“, sagte Fischer. „Uns erwartet ein ganz schwieriges Auswärtsspiel.“ Besonders die erste Halbzeit habe ihm imponiert, zudem sehe man „eine klare Handschrift des Trainers“. Auch für Mainz sei die Lage weiterhin „sehr ungemütlich“. „Gegen Heidenheim war es schon ein Finalspiel, in Köln erwartet uns ein weiteres“, sagte Fischer.

Kommt doch kein Verteidiger mehr?

Beim FC richten sich die Blicke auch auf die personelle Situation. Angesprochen auf mögliche Verstärkungen für die Defensive, antwortete der Coach: „Wir müssen die Dinge ruhig und sachlich analysieren. Es ist keine Not am Mann. Durch die Rückkehr von Eric Martel und Rav van den Berg haben wir schon jetzt zwei Alternativen in der Abwehr mehr. Ich sehe den akuten Bedarf nicht.“ Das klang fast wie eine Transfer-Wende, nachdem sich der FC zuletzt sowohl um eine Rückkehr von Sebastiaan Bornauw (Leeds) bemüht als auch bei Stefan Posch (Como) offenbar Interesse angemeldet hatte.

Kwasniok hatte am Freitag noch eine Anekdote parat. Am Mittwoch habe er sich noch länger mit Bayern-Trainer Vincent Kompany unterhalten. „Das ist vielleicht einer der besten Trainer Europas.“ Kompany habe mit Burnley als Aufsteiger in der Premier League wenig gewonnen, dennoch habe man Ruhe bewahrt, weil man von ihm überzeugt gewesen sei. „Das ist das Entscheidende“, sagte Kwasniok. Was der Trainer nicht erwähnte: Kompany war seinerzeit mit Burnley abgestiegen. Und das will der Aufsteiger aus Köln um jeden Preis verhindern.

Mögliche Aufstellungen:

1. FC Köln: Schwäbe - van den Berg, Martel, Simpson-Pusey - Sebulonsen, Kaminski, Krauß, Castro-Montes - Maina, S. El Mala - Ache. - FSV Mainz 05: Batz - Kohr, Bell, Potulski - da Costa, Kai. Sano, Widmer - Amiri, J.-S. Lee - P. Tietz, Nordin.- Schiedsrichter: Zwayer (Berlin).