Während des WM-Spiels zwischen dem Iran und Wales verhinderten katarische Sicherheitskräfte auf der Tribüne Solidaritätsbekundungen für die brutal unterdrückte iranische Bevölkerung.
KommentarKatar und Fifa als willige Gehilfen des Mullah-Regimes


Eine katarische Sicherheitskraft diskutiert mit zwei Zuschauern, die sich mit der Protestbewegung im Iran solidarisert hatten.
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Seit Freitag sollen Zuschauer, so jedenfalls lautet die Ankündigung der Fifa, nicht mehr vom Sicherheitspersonal der katarischen WM-Stadien am Mitbringen von Regenbogensymbolen in die Arenen gehindert werden. Fußball-Weltverband und Gastgeber werden dies sicher als eine großzügige Geste des Entgegenkommens werten. Homosexualität ist in Katar schließlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.
Falls ein Fan „die Regenbogenfahne zeigt, und ich sie ihm wegnehme, geschieht dies nicht, weil ich sie wirklich nehmen will, um ihn zu beleidigen, sondern um ihn zu schützen“, hatte Katars Generalmajor Abdulasis Abdullah Al Ansari zuletzt erklärt. Weiterer Erläuterungen bedarf dies kaum. Womöglich will die Fifa nach dem „One Love“-Desaster mit dem späten „Ja“ zum Regenbogen eine weitere Eskalation der Spannung mit den nach wie vor mächtigen westeuropäischen Verbänden verhindern – zumal die Symbolik für die Fußballer verboten bleibt.
Demonstrationen im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini
Anders ist die Lage, wenn es einem nationalen Verband egal ist, wie katarische Sicherheitskräfte mit ihren Fans umgehen. Oder dieser Umgang von den jeweiligen Staaten erbeten wurde. Dann ist offensichtlich weiter jedes Mittel der Unterdrückung und Zensur recht. So war es am Freitag zu beobachten, als eine Zuschauerin auf der Tribüne des Ahmad-bin-Ali-Stadions ihr Trikot mit dem Namen der im Iran getöteten 22-jährigen Mahsa Amini auf Drängen einer Sicherheitskraft abgeben musste, auch eine Fahne mit der Aufschrift „Frauen, Leben, Freiheit“ wurde entfernt. Der Arm des Teheraner Regimes reicht offensichtlich bis in die WM-Arenen.

Iranische Zuschauer mit „Woman Life Freedom“-Fahne und Mahsa Amini-Trikot - beides wurde kurz darauf von einer katarischen Sicherheitskraft konfisziert.
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Die Mullahs werden von der Angst getrieben, dass die Proteste gegen ihre brutale Unterdrückung der eigenen Bevölkerung auf die große WM-Bühne herüberschwappen könnten. Aus diesem Grund hatte die Staatsführung in den heimischen Stadien die Zuschauer bereits ausgesperrt. Der regimekritische Leverkusener Profi Sardar Azmoun hatte wegen seiner Unterstützung für die Demonstranten kurz vor dem WM-Aus gestanden.
Fußballprofi Voria Ghafouri im Iran verhaftet
Erst am Donnerstag wurde im Iran der Fußballprofi Voria Ghafouri aus demselben Grund verhaftet. Trotz des großen Drucks der Staatsmacht entschieden sich die Nationalspieler für ihren beeindruckenden, stummen Protest beim Auftaktspiel gegen England – ungeachtet der womöglich drohenden Konsequenzen.
Diesen Mut gibt es vereinzelt auch auf den Rängen zu beobachten. Jedenfalls so lange, bis sich der WM-Gastgeber Katar und die Fifa als willige Gehilfen des brutalen Teheraner Regimes in Szene setzen.



