Der frühere Nationalmannschafts-Kollege Gerald Asamoah verteidigt Bastian Schweinsteiger nach dessen umstrittenen Äußerungen – kritisiert aber rassistische Denkmuster im Fußball.
„Gar nicht der Punkt“Rassismus-Debatte um Schweinsteiger – Gerald Asamoah äußert sich

Gerald Asamoah äußerte sich in einem Post auf dem Netzwerk „LinkedIn“ zu den Vorwürfen gegen Bastian Schweinsteiger.
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Die Diskussion über die Kommentare von ARD-Fachmann Bastian Schweinsteiger dauert weiter an. Jetzt hat sich Gerald Asamoah, sein einstiger Kollege aus der deutschen Nationalmannschaft, dazu geäußert.
Der ehemalige Fußballspieler legte in einem Post auf dem Netzwerk „LinkedIn“ dar, dass Schweinsteigers Einschätzung gar nicht im Fokus stehen sollte. Vielmehr sei es erforderlich, sich „mit bestimmten Denkmustern“ zu befassen, welche solche Äußerungen überhaupt erst zuließen.
Gerald Asamoah sieht „rassistische Stereotype“ im Fußballsport
Die Kontroverse wurde durch Schweinsteigers Charakterisierung des Spielstils der Elfenbeinküste beim WM-Spiel gegen Deutschland entfacht. Der 41-Jährige erwähnte einen „bisschen afrikanischen Fußball natürlich, der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, ein bisschen wild ist, bisschen vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt ist“.
Emerse Faé, der Trainer der Elfenbeinküste, kommentierte die Analyse folgendermaßen: „Das ist traurig. Wir können es rassistisch nennen.“ Daraufhin gewann die Auseinandersetzung an Dynamik.
Der Journalist Philipp Awounou bemängelte, dass sich hinter Ausdrücken wie „wild“ und „unorthodox“ Klischees mit „rassistischen, kolonialen Wurzeln“ verbergen. Jürgen Klopp, der für „MagentaTV“ als Fußball-Fachmann agiert, beendete ein Gespräch über die Auseinandersetzung vorzeitig, weil er „keine Chance“ für eine angemessene Antwort sah.
In einer eigenen Stellungnahme verdeutlichte Schweinsteiger: „Ich habe über Fußball gesprochen, nicht über Menschen. Das ist eine Fußballanalyse. Nicht mehr und nicht weniger.“ Rückendeckung bekam er von Axel Balkausky, dem Sportkoordinator der ARD, der hervorhob: „Es ging hier nicht um die Menschen, sondern um eine fußballerische Einordnung.“
Jetzt meldete sich auch Gerald Asamoah zu Wort, dessen Bewertung ebenfalls auf dem Dienst X geteilt wurde. Der frühere Star von Schalke 04 begann seine Darlegungen mit den Worten: „Ich habe ein paar Tage überlegt“. Er machte darin deutlich, dass er Schweinsteiger seit langer Zeit persönlich kennt und unterstrich: „Er ist kein Rassist.“
Asamoahs Standpunkt: „Afrika ist kein Land“
Jedoch sei dies „gar nicht der Punkt“. Die Diskussion sollte sich stattdessen mit Denkweisen beschäftigen, welche sich „seit Jahrzehnten im Fußball eingeprägt haben“. Asamoah erläuterte, dass Fußballer aus Afrika sowie schwarze Spieler oft als „wild, taktisch und technisch schwach und nicht so spielintelligent wie Europäer“ dargestellt werden.
Der frühere Profispieler, der zwischen 2009 und 2013 für den FC Schalke 04 aktiv war und 65 Einsätze für das deutsche Nationalteam hatte, betonte, dass derartige Äußerungen nur selten „abwertend gemeint“ seien. Gerade dieser Umstand mache sie aber bedenklich, weil die Klischees „gesellschaftlich tief verankert“ seien und „wie selbstverständlich weitergegeben“ würden.
Asamoah erkennt einen fundamentalen Irrtum in der Pauschalisierung, denn Afrika ist kein Staat, sondern ein Erdteil mit 54 Nationen. Während die Rede von „spanischem Fußball“ unproblematisch sei, sei die undifferenzierte Benennung eines kompletten Kontinents beliebig. Er regt an, eine „detailliertere und interessiertere“ Auseinandersetzung mit den jeweiligen afrikanischen Teams zu pflegen, was er als einen „Gamechanger“ beschrieb.
Asamoahs Post auf der Plattform erfuhr große Zustimmung. Ein User würdigte den Text als einen „unaufgeregten und sachlichen, aber eben auch klaren und zielorientierten“ Beitrag zur Debattenkultur. Die zentrale Botschaft wurde in einem anderen Kommentar hervorgehoben: „Afrika ist kein Land, sondern ein bunter und vielfältiger Kontinent.“ Ein weiterer User formulierte es so: „Vorurteile sind Abkürzungen des Gehirns. Danke fürs Dekonstruieren der Debatte.“ (oke)

