Die Causa Balogun nimmt weiter Fahrt auf, bekommt eine neue Dimension. Während Trump sich bei der Fifa bedankt, wütet die belgische Politik.
„Schämt euch“Empörung nach WM-Eklat – Belgien reagiert auf Trump-Eingriff

US-Präsident Donald Trump (r.) hält während eines Treffens mit Fifa-Präsident Gianni Infantino (M.) und US-Fußballverbandspräsident Carlos Cordeiro im Oval Office des Weißen Hauses eine rote Karte.
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Kommende Nacht deutscher Zeit (Dienstag, 2 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) tritt Belgien gegen die USA im WM-Achtelfinale an. Doch überschattet wird die Partie von einem mutmaßlichen Skandal.
US-Stürmer Folarin Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina für einen Tritt auf das Sprunggelenk von Tarik Muharemovic die Rote Karte gesehen. Nach Fifa-Regularien zog das eine Spielsperre nach sich. Doch die Fifa setzte diese am Sonntagabend kurzerhand zur Bewährung aus. Balogun ist wieder spielberechtigt.
Der Grund: US-Präsident Donald Trump soll nach Berichten von „New York Times“, „The Athletic“ und weiteren Medien bei Fifa-Präsident Gianni Infantino angerufen haben, um die Entscheidung zu kippen – und das mit Erfolg.
Sportministerin Jacqueline Galant ruft auf: „Genau das wird Belgien tun“
„Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt“, schrieb Trump bei Truth Social. Der 80-Jährige fügt an: „President DONALD J. TRUMP.“
WM-Gegner Belgien reagierte „fassungslos“ und leitete umgehend eine Überprüfung ein, „um die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die Grundprinzipien des Fair Play“ zu schützen, hieß es vom belgischen Verband in einer Stellungnahme. Der Vorwurf: Die Fifa habe gegen ihre eigenen Regeln verstoßen.
Die Kritik an dem beispiellosen Vorgehen zieht Stunden vor dem Anpfiff des Duells zudem längst weitere Kreise. Neben zahllosen Fan-Reaktionen, die den Vorgang im Netz kritisieren und auf die Schippe nehmen, mischt sich auch die belgische Regierung ein. Die wallonische Sportministerin Jacqueline Galant schreibt auf X: „Wahre Stärke liegt darin, mit Fair Play zu gewinnen. Genau das wird Belgien tun.“
Die Oppositionspartei PS ist noch deutlicher: „Schämt euch! Wenn Geld die Fäden zieht, verliert die WM jede Glaubwürdigkeit.“ Auch Yvan Verougstraete, Mitglied des Europäischen Parlaments, kritisiert: „Es ist erstaunlich, dass eine Rote Karte plötzlich als ‚ungerecht‘ gilt, sobald Trump involviert ist. Die Fifa darf nicht den Eindruck erwecken, politischem Druck nachzugeben.“
Belgiens Trainer Rudi Garcia: „Das ist verrückt, das stellt alles infrage“
Belgiens Trainer Rudi Garcia reagierte auf der Pressekonferenz zunächst beißendem Sarkasmus. „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der Fifa dem 1. April entspricht“, sagte der Spanier. Dann folgten unmissverständliche Töne: „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage. Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“
Auf der anderen Seite springen Trump ebenfalls Stimmen zur Seite. US-Trainer Mauricio Pochettino nannte die Entscheidung „fantastisch, nicht nur für uns, sondern für den Fußball“. Zlatan Ibrahimovic, ehemaliger schwedischer Nationalspieler und Fox-Experte, erklärte: „Ich freue mich für die USA. Er hätte keine Rote Karte bekommen sollen.“
Die Fifa begründete ihre Entscheidung mit Artikel 27 des Disziplinarreglements, der es erlaubt, Strafen zur Bewährung auszusetzen. Eine inhaltliche Begründung, warum die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters außer Kraft gesetzt wurde, blieb allerdings aus. Weder die Fifa noch das Weiße Haus kommentierten derweil Trumps Anruf offiziell. (oke/sid)
