Gianni Infantinos Auftritt vor der WM sorgt für Kritik. Medien werfen ihm „Trumpsches Geschwafel“ und Ignoranz vor.
Chaotischer WM-StartInternationale Presse kritisiert Fifa-Präsident Infantino

Gianni Infantino spricht in Mexiko-Stadt vor Medien.
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Im Vorfeld des WM-Turniers in Kanada, Mexiko und den USA sprach FIFA-Präsident Gianni Infantino im Rahmen einer seltenen Medienrunde. Der Vorsitzende des Weltfußballverbandes rechtfertigte die kostspieligen Eintrittskarten und kommentierte den Fall des Unparteiischen Omar Artan aus Somalia, dessen Einreise von den USA abgelehnt wurde. Diese Vorstellung erzeugte weltweit eine kritische Resonanz.
Besonders harsche Reaktionen kamen aus der britischen Medienlandschaft. Laut dem „Independent“ war Infantinos Ansprache „Trumpsches Geschwafel“ sowie ein „chaotischer Start in die Weltmeisterschaft“. Seine Darbietung habe gezeigt, wie tief die Verankerung Infantinos im Umfeld von Trump sei, sodass er klanglich an diesen erinnere. Die „The Sun“ hielt fest, der FIFA-Präsident habe anders als bei seiner Ansprache vor dem Turnier 2022 in Katar den Versuch unternommen, die FIFA „als die Guten darzustellen“.
Negative Stimmen aus den USA und Mexiko
In den Vereinigten Staaten fielen die Kommentare ebenfalls ablehnend aus. Die Plattform „The Athletic“ schilderte die Atmosphäre mit der Überlegung, es gäbe für diese „brisante Weltmeisterschaft, die einem Todesstern gleicht“, keine Umkehr mehr. Menschliche Opfer und weitere Schwierigkeiten seien für Infantino allerdings lediglich „kleine Hürden, die es auf dem Weg zu unserer glorreichen FIFA-Zukunft zu überwinden gilt“.
Besonders die kostspieligen Eintrittskarten sorgten in Mexiko, einem der Austragungsländer, für Missbilligung. Laut „Mediotiempo“ rechtfertigte Infantino die Tarife für das als teuerstes Turnier der Historie geltende Event mit der Begründung, es sei „ein einzigartiges Erlebnis“. Darüber hinaus meldete das Blatt „Récord“ eine mangelnde Begeisterung an den Spielstätten, die von Demonstrationen, Polizeieinsätzen und bewaffneten Auseinandersetzungen bestimmt sei. Gemäß „ESTO“ habe Infantino unterstrichen, dass er auf geopolitische Vorgänge keinen Einfluss nehmen könne.
Schweizer Perspektive: Eigenlob und weniger Kontroverse
Medien aus der Schweiz zogen einen Vergleich zu der Medienkonferenz vor dem Turnier in Katar. Die Zeitung „Blick“ befand, dass der Anlass diesmal weniger „spektakulär und kontrovers“ war. Infantino habe sich gleichwohl nicht mit Anerkennung für seine eigene Leistung zurückgehalten, jedoch auf „allzu viel Pathos“ verzichtet. Seine Haltung wurde vom „Tagesanzeiger“ prägnant auf den Punkt gebracht: „Iran, Tickets und Visa – alles kein Problem für Gianni Infantino.“
Die Übersicht der Medienreaktionen vermittelt ein mehrheitlich ungünstiges Bild von Gianni Infantinos Vorstellung kurz vor Beginn des Turniers. Insbesondere seine Rechtfertigungsversuche und die als distanziert empfundene Einstellung angesichts gravierender Schwierigkeiten wurden beanstandet. (dpa/red)
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