Trotz der Ergebnismisere von Eintracht Frankfurt warnt der Leverkusener Coach vor einem unberechenbaren Spielverlauf.
„Leichter wird es dadurch nicht“Bayer-Coach Hjulmand ignoriert Frankfurter Krise

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand gibt Anweisungen von der Seitenlinie an seine Mannschaft.
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Eine gewisse Erleichterung dürften die Verantwortlichen von Bayer 04 Leverkusen verspürt haben, als das Gegnerlos für die Playoff-Phase der Champions League auf den griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus fiel – und nicht auf den deutschen Ligarivalen Borussia Dortmund. „International zu spielen, ist auf jeden Fall besser. Die Partie gegen Piräus hat ihren eigenen Charme. Wir haben dort in der Ligaphase verloren – und zwar in einer Weise, die uns geärgert hat. Umso mehr freuen wir uns über die Chance auf eine Revanche“, sagte Geschäftsführer Sport Simon Rolfes lächelnd zur Auslosung.
Erneut gegen Piräus
Sollte Leverkusen die Revanche gegen Piräus nutzen können, würde im Achtelfinale der FC Bayern München oder der FC Arsenal warten. Das erste Aufeinandertreffen gegen Piräus vor gut eineinhalb Wochen verlor die Werkself mit 0:2, es war zum damaligen Zeitpunkt die dritte Niederlage in Serie. „Aus negativen Erlebnissen ziehen wir die Motivation, Dinge besser zu machen. Wenn man die Gelegenheit bekommt, es gegen dieselbe Mannschaft in der K.o.-Phase anders anzugehen, muss man zeigen, dass man aus dem Spiel gelernt hat. Deshalb haben wir gute Voraussetzungen, die Partie diesmal richtig anzugehen“, sagte Rolfes. Nach der unnötigen Niederlage in Athen, die Bayer 04 bei besserer Chancenverwertung hätte abwenden können, fand die Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand wieder langsam in ihren Rhythmus.
Auf ein 1:0 gegen den SV Werder Bremen folgte am Mittwoch ein souveränes 3:0 gegen den FC Villarreal am letzten Spieltag der Champions League – das Ticket für die Playoffs. Schon am Samstag steht Leverkusen bei Eintracht Frankfurt (Deutsche-Bank-Park/15.30 Uhr) vor der nächsten wegweisenden Partie. Bei einem Sieg könnte die Werkself, derzeit Tabellensechster, den Vorsprung auf die Frankfurter auf acht Punkte ausbauen. Zudem hat Leverkusen aufgrund des ausgefallenen Spiels gegen den Hamburger SV noch eine Partie weniger. Damit könnte sich die Top Sechs der Liga deutlicher vom Rest lösen.
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Frankfurt wiederum steckt im Jahr 2026 tief in der Krise: Aus sechs Spielen verlor die SGE vier, zweimal spielte sie unentschieden. Abgesehen von der Partie gegen Tottenham Hotspur kassierte sie durchweg drei Gegentore. Trainer Dino Toppmöller musste gehen, Interimstrainer Dennis Schmitt dürfte in der kommenden Woche vom Spanier Albert Riera abgelöst werden, der vom slowenischen Spitzenklub NK Celje nach Frankfurt wechseln soll. Trotz der Frankfurter Nebenschauplätze erwartet Trainer Hjulmand einen anspruchsvollen Gegner: „Leichter wird es dadurch nicht. Man weiß nie, wie sich so ein Spiel entwickelt. Wir konzentrieren uns auf uns, darauf, unseren Fußball durchzubringen. Als Trainer hat man vieles gesehen – einfach wird es nie“, erklärte der Däne.
Gegen Frankfurt dürfte derweil auch Innenverteidiger Edmond Tapsoba auf einen Einsatz hoffen. Der Burkiner, der sich beim Afrika‑Cup eine Verletzung zugezogen hatte, stand am Mittwoch gegen Villarreal bereits im Kader, am Samstag könnte sein Comeback erfolgen. Hjulmand wollte sich nicht festlegen: „Wir sehen es am Samstag“, erklärte der Däne knapp, bevor er den Defensivakteur lobte: „Eddy ist ein Spieler mit viel Erfahrung. Seine Präsenz in den Strafräumen – offensiv wie defensiv – ist stark. Sein Passspiel ist sehr gut. Er ist sehr wichtig für uns.“
Zu erwarten ist, dass die Frankfurter das Eins gegen Eins suchen – wie es Piräus, Stuttgart oder Hoffenheim taten, die Leverkusen damit vor erhebliche Probleme stellten. Hjulmand weiß darum: „Gegen Stuttgart begann es in den ersten 20 Minuten. Danach wurden wir etwas besser. Es ist wichtig zu verstehen, dass es unterschiedliche Spielarten und Spielphasen gibt. Wenn der Gegner überall Eins gegen Eins spielt, wird es hektisch. Das unterscheidet sich von Phasen, in denen wir mehr Rhythmus entwickeln, mehr Pässe spielen können. Von Partie zu Partie wurden wir darin besser.“ Die besiegten Gegner Bremen und Villarreal agierten nicht mit einem derart extremen Pressing, wie es beispielsweise Stuttgart praktizierte und Leverkusen wiederholt zu Fehlern gezwungen hatte.
Fehler sind Teil des Prozesses
Für Hjulmand gehören solche Fehler auch zum Entwicklungsprozess einer jungen Mannschaft dazu: „Wir sprechen oft über Fehler – im Fußball wie im Leben. Manchmal sind es aber keine Fehler im eigentlichen Sinn, sondern Schritte im Prozess, besser zu werden. Haben wir einen strukturellen Fehler, liegt es in meiner Verantwortung, dass er nicht erneut passiert. Für die Spieler ist entscheidend, aus ihren Situationen zu lernen. Wenn wir unser Spiel aufziehen wollen, müssen wir frei spielen können. Angst vor Fehlern hilft da nicht. Es ist ein Zyklus: Wir spielen, wir machen Fehler, wir lernen, wir werden besser und wir spielen wieder.“
Gegen Frankfurt gebe es „Möglichkeiten, im Eins gegen Eins direkt zu spielen und die Räume sofort zu nutzen“, sagte Hjulmand. „Dort wird es Phasen geben, in denen sie pressen, und Phasen, in denen sie sich zurückziehen und tief verteidigen. Das variiert von Spiel zu Spiel – und im Spiel.“ Für Leverkusen gilt es, beiden Dynamiken standzuhalten, um den nächsten Sieg einzufahren.

