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Bayer 04 LeverkusenIm Finale, das niemand wollte

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dpatopbilder - 20.01.2026, Griechenland, Athen: Fußball: Champions League, Vorrunde, 7. Spieltag, Olympiakos Piräus - Bayer Leverkusen. Leverkusener Spieler klatschen nach dem Ende des Spiels. Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Enttäuschte Leverkusener Profis nach der Niederlage in Piräus

Der Werksklub muss nach dem 0:2 in Piräus in der kommenden Woche gegen Villarreal gewinnen, um das Königsklassen-Aus zu vermeiden.

Am Mittwochmorgen konnte es der Reiseleitung des Bayer-04-Trosses gar nicht schnell genug gehen, Griechenland zu verlassen. Der Abflug der Chartermaschine aus Athen wurde kurzfristig um eine Stunde vorgezogen. Allerdings war es nicht der schwache Leverkusener Königsklassen-Auftritt am Abend zuvor beim 0:2 gegen Olympiakos Piräus, der die „Flucht“ verursachte. Viel mehr war es eine amtliche Unwetterwarnung der Behörden und die damit verbundene Angst, in Athen zu stranden – immerhin blieben am Mittwoch alle Schulen in der Region geschlossen.

Stürmisch ging es auch am Dienstagabend in der Hafenstadt Piräus zur Sache. Allerdings nur in den Reihen der griechischen Fans im Georgios-Karaiskakis-Stadion und bei den Kontern von Olympiakos. Von Bayer 04 kam hingegen nur ein laues Lüftchen. In der Defensive gingen die entscheidenden Zweikämpfe verloren, offensiv fehlten Ideen, Überzeugung und Effizienz. Costinha (2.) nach einer von Loic Badé hergeschenkten Ecke und Mehdi Taremi (45.+1) nach einem Konter sorgten für den verdienten Olympiakos-Sieg. Bayer 04 ließ reihenweise Großchancen liegen. In Halbzeit eins versagten Christian Kofane und Lucas Vazquez im Strafraum mehrfach die Nerven, Patrik Schick vergab die beste Möglichkeit der zweiten Halbzeit. Olympiakos-Keeper Kostas Tzolakis avancierte zum umjubelten Helden des Gastgebers. „Dieser Killerinstinkt vor dem Tor und in den einzelnen Duellen hat uns gefehlt“, kritisierte Sportgeschäftsführer Simon Rolfes.

Finale gegen Villarreal

Für Leverkusen war es die dritte Niederlage im dritten Spiel des Jahres, der Werkself gelang in 270 Spielminuten nur ein Tor. In der Bundesliga könnte das Team von Trainer Kasper Hjulmand den Anschluss an die Champions-League-Plätze verlieren, in der laufenden Königsklassen-Saison hat sich Leverkusen selbst ein Endspiel um den Einzug in die Playoff-Runde beschert: Am kommenden Mittwoch (21 Uhr, Bay-Arena) braucht die Werkself einen Sieg gegen den FC Villarreal, um ein vorzeitiges Aus abzuwenden.

„Wir müssen die nächsten beiden Spiele unbedingt gewinnen. Wir haben uns selbst unter Druck gesetzt“, sagte Hjulmand mit Blick auf die Bundesliga-Partie am Samstag (15.30 Uhr, Bay-Arena) gegen Werder Bremen und das Duell mit Villarreal. Der Däne übte klare Kritik am Auftritt seiner Mannschaft in Piräus. „Wir waren nicht scharf genug bei unseren Möglichkeiten. Und bei den Gegentoren haben wir schlecht verteidigt“, so der Trainer. Bereits die ersten Augenblicke der Partie hatten Hjulmand missfallen. Denn anstatt, wie besprochen, nach vorne zu spielen, legte die Werkself den Rückwärtsgang ein, weshalb sich Badé nach wenigen Sekunden unter Gegnerdruck nahe der Eckfahne wiederfand und letztlich das 0:1 verschuldete.

Serie von frühen Gegentoren

Für den weiteren Verlauf des Spiels attestierte Hjulmand seiner Elf zwar eine Steigerung, doch neben des Chancenwuchers gab es auch immer wieder leichte Fehlpässe in den Fuß des Gegners zu bestaunen. Im Gesamteindruck wirkte Bayer 04 wie ein Team auf bestem Weg in eine ernsthafte Krise. „Das ist etwas, was wir stoppen müssen“, meinte Hjulmand. Gerade in anfängliche Schläfrigkeit bereitet Sorgen. Schon gegen den VfB Stuttgart (1:4) hatte die Werkself in der siebten Minute das 0:1 kassiert, gegen Hoffenheim (0:1) war es Minute neun.

Mittelfeldspieler Ibrahim Maza, Leverkusens im Augenblick wohl kreativster Profi, bemängelte fehlenden Mut im Zentrum und mangelnde Spitzigkeit in den Zweikämpfen: „Wir waren nicht bissig genug.“ Janis Blaswich, Ersatz des verletzten Stammkeepers Mark Flekken, gestand, dass man „keine Lösung gegen das aggressive Pressing des Gegners gefunden“ habe. „Jeder muss sich an die eigene Nase packen und noch mal eine Schippe drauflegen.“ Der nun entstandene Druck ist für Trainer Hjulmand eine positive Nebenerscheinung: „Die Situation gibt mir extra Motivation.“

Sportgeschäftsführer Rolfes hatte eine klare Forderung für das Spiel am Samstag gegen Bremen: „Von der ersten bis zur letzten Sekunde totale Bereitschaft beim Verteidigen und nach vorne die Entschlossenheit, Tore zu machen.“