Abo

Bayer 04Die Werkself verschwendet ihr Talent immer weiter

3 min
5FA08200CFA92249

Robert Skov erzielt das Siegtor für die TSG Hoffenheim

Sinsheim – Die Bahnreise zum Auswärtsspiel nach Sinsheim endet mit einem Spaziergang, vorbei an der spektakulären Kulisse des Technik-Museums. 500 Meter Luftlinie unterhalb der Fußball-Arena stehen wie Zwillinge die Überschallflugzeuge Concorde und Tupolew TU-144. Als Zeugen eines Fortschrittswillens, der an mangelnder Effizienz und großer Fehleranfälligkeit scheiterte, beeindrucken sie immerhin noch durch ihre gewagte Ästhetik. Es ist nicht zu weit hergeholt, sie in ihrer Symbolik mit dem Fußball des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen zu vergleichen, der in Sinsheim mit all seinen Qualitäten wieder einmal an der Realität zerschellte.

Diabys Kunstwerk der Schnelligkeit und Technik

Nach zwei Siegen gegen die statistisch schlechtesten Mannschaften der Liga verlor die Mannschaft von Peter Bosz gegen die TSG Hoffenheim ein Spiel, das ihr eine Menge Fehler verziehen hätte. Wie den Lapsus aus der zweiten Minute, als der Ex-Hoffenheimer Kerem Demirbay den Ball im Mittelfeld verlor und Hoffenheims israelischer Winter-Transfer Munas Dabbur alleine vor Torhüter Lukas Hradecky stand, der das Gegentor mit einer hervorragenden Rettungsaktion verhinderte.

Danach gelang es Bayer 04, seine größte Waffe einzusetzen: Die Schnelligkeit des jungen Franzosen Moussa Diaby, der in der elften Minute ein Kunstwerk aus Schnelligkeit und Technik schuf. Ballannahme, Tunnel und Abschluss verschmolzen zu einer einzigen Bewegung. Der düpierte Verteidiger Stefan Posch und der später zu Hochform auflaufende Ersatz-Torhüter Philipp Pentke (34) werden erst bei Ansicht der TV-Bilder verstanden haben, wie das 1:0 der Leverkusener entstanden ist.

Das könnte Sie auch interessieren:

Danach brachten die Bayer-Profis ihren Trainer Peter Bosz und die 650 mitgereisten Fans durch ihre Kunstfertigkeit im Herausspielen und Verschwenden größter Torchancen zur Weißglut, wobei der Verschwenden der kompliziertere Teil der Übung war. „Wenn wir oben mitspielen wollen, und das wollen wir, dann müssen wir schon in der ersten Halbzeit mehr Tore schießen“, schimpfte Bosz.

Mehr Tore wären schon deshalb gut für Leverkusen, weil die notorische Anfälligkeit im Verteidigen von Kontern fast jedem Gegner die Chance gibt, trotz gefühlter Unterlegenheit ins Spiel zurückzukommen. Hoffenheim gelang das schon zehn Minuten nach dem 0:1. Pavel Kaderabek wurde von Daley Sinkgraven nicht an der Flanke gehindert, den leicht abgefälschten Ball musste Andrej Kramaric nur ins leere Tor drücken. Dem 1:2 in der 65. Minute ging ein Missverständnis zwischen Tah und Baumgartlinger an der Mittellinie voraus. Über Adamyan, Kramaric und Baumgartner landete der Ball bei Robert Skov, der ihn unter die Latte ins Tor schoss.

GYI_1203403764

Trainer Peter Bosz und Sportdirektor Simon Rolfes

Wer die erschreckende Diskrepanz zwischen Talent und Beschränktheit im Spiel der Werkself noch nicht kannte, bekam sie in diesem Spiel vorgeführt. Abgesehen von der Torchancen-Verschwendung erschreckte am Samstag vor allem das Loch im defensiven Mittelfeld, wo der verletzte Charles Aránguiz praktisch in jedem Quadratmeter fehlte und die geistige Trägheit der letzten Reihe, die bei beiden Gegentoren ein schlimmes Bild abgab.

Immerhin hat Bayer 04 mit seinem sehr ehrgeizigen Champions-League-Anspruch diese Schwachstellen erkannt, auf dem Winter-Transfermarkt reagiert und Exequiel Palacios für das Mittelfeld und Edmond Tapsoba für die Innenverteidigung verpflichtet. Im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart (Mittwoch, 18.30 Uhr, Bay-Arena) stehen sie ihrem neuen Arbeitgeber erstmals zur Verfügung.

Der Ärger über die Niederlage wollte aber so schnell nicht weichen. „Wir hätten das Spiel nicht verlieren dürfen“, klagte Trainer Peter Bosz. Und Geschäftsführer Rudi Völler stimmte ein: „Der Schlüssel war die erste Halbzeit. Da hätten wir höher führen müssen. So stehst du natürlich bedröppelt da.“