Kasper Hjulmand spricht schon fast wie zum Abschied. Bayer 04 braucht für die Champions League ein sportliches Wunder – und sucht den neuen Trainer.
Endspiel am SamstagHjulmands Abschied von Bayer 04 rückt näher

Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand bei der Pressekonferenz am Freitag in der BayArena.
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Mit blauer Jeans und grauem Pullover erschien Kasper Hjulmand am Freitag zur Pressekonferenz vor dem letzten Spieltag der Bundesliga-Saison. Die Kleiderwahl konnte durchaus als Zeichen für eine Zäsur bei Bayer 04 gewertet werden, setzte sich der Cheftrainer zuvor doch stets im grau-roten Leverkusener Trainingsanzug auf das Podium der Bay-Arena. Die Zeichen zwischen dem Dänen und der Werkself stehen auf Abschied – unabhängig davon, ob Bayer 04 am Samstag doch noch das Saisonziel Champions League erreicht.
Leverkusen bräuchte dazu nicht nur einen Sieg, sondern auch doppelte Schützenhilfe: Frankfurt müsste Stuttgart schlagen und Mönchengladbach gegen Hoffenheim gewinnen. „Es ist noch nicht vorbei“, betonte Hjulmand. „Unsere Aufgabe ist ganz klar: Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Man weiß nie, was am letzten Spieltag passiert. Deswegen sind wir sehr fokussiert auf unsere Aufgabe.“
Dass es zwischen ihm und Bayer 04 bald vorbei ist, wollte Hjulmand nicht bestätigen. Seine Ausführungen zum Saisonverlauf hörten sich dann aber doch sehr nach Abschiedsrede an. „Es war super, ich habe es genossen“, sagte der 54-Jährige über seinen Job, den er unter schwierigen Voraussetzungen im September vergangenen Jahres nach der jähen Trennung von Erik ten Hag übernommen hatte.
„Ob es mein schwierigster Job war, weiß ich nicht. Es war auch nicht einfach, Nationaltrainer zu sein. Man muss sich an die Situation im September erinnern: großer Umbruch, viele Spieler sind sehr spät dazugekommen. Ich finde, wir haben sehr gut gearbeitet, sehr viele gute Spiele gemacht und sehr hohe Qualität auf dem Platz gezeigt. Das höre ich auch von anderen Trainern in Europa, die das klar sehen.“
Viele Probleme in 2026
Ob es am Ende die Europa League oder doch noch die Champions League wird: Hjulmand wird erhobenen Hauptes gehen können. Der Däne stabilisierte eine neu zusammengestellte und verunsicherte Mannschaft, führte sie bis zum Jahreswechsel auf Platz drei und erreichte im neuen Jahr das Halbfinale im DFB-Pokal und das Achtelfinale in der Königsklasse. Das große Problem 2026 waren die Leistungsschwankungen – vor allem in der Bundesliga gegen vermeintlich schwächere Gegner –, die fehlende Entwicklung des talentierten Kaders und das Kabinenmanagement.
Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes ist deshalb nicht erst seit dem verpatzten Spiel in Stuttgart (1:3) am vergangenen Samstag auf Trainersuche. Rolfes und Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung, haben Hjulmand allerdings noch nicht über eine bevorstehende Trennung unterrichtet. Das soll dem Vernehmen nach aber zeitnah nach Saisonende geschehen. Hjulmand hat noch einen Vertrag bis 2027. „Ich spekuliere nicht. Das könnt ihr machen. Ich bin fokussiert“, sagte Hjulmand auf die Frage nach seiner Zukunft. „Nach diesem Spiel werden wir sprechen und dann sehen wir, was passiert. Wir müssen dieses Spiel gewinnen und eine gute Leistung auf den Platz bringen.“
Bei der Nachfolgersuche gelten derzeit drei Kandidaten als aussichtsreich. Wie diese Redaktion bereits berichtete, ist einer dieser Namen Filipe Luís. Der Brasilianer, der als Spieler bei Atlético Madrid und dem FC Chelsea aktiv war, hat zuletzt bei seiner ersten Trainerstation Flamengo Rio de Janeiro große Titel gewonnen – die Meisterschaft und die Copa Libertadores. Rolfes schätzt den 40-Jährigen.
Oliver Glasner wird Crystal Palace, mit dem er den FA Cup gewann und in dieser Saison im Conference-League-Finale steht, verlassen. Der ehemalige Trainer des VfL Wolfsburg und von Eintracht Frankfurt soll in England bleiben wollen. Der FC Chelsea ist derzeit auf Trainersuche. Sollten alle Jobs in der Premier League anderweitig vergeben werden, könnte die Spur nach Leverkusen wieder heißer werden. Im Klub gibt es aber auch Vorbehalte gegenüber Glasners eigenwilliger Art.
Wie die „Bild“ berichtete, beschäftigt sich Bayer 04 auch mit dem Spanier Michel. Der aktuelle Trainer des FC Girona stand vor der vergangenen Saison auf der Liste. Allerdings gilt die englische Sprache als Voraussetzung für den Job in Leverkusen. Michel fremdelte 2025 noch mit Englisch, soll sich nun aber verbessert haben. Klar ist: Bayer 04 will in diesem Jahr früher eine Entscheidung bekannt geben. Nach dem Abschied von Meistercoach Xabi Alonso hatten Rolfes und Carro lange auf die mündliche Zusage von Cesc Fàbregas gebaut. Der Spanier blieb am Ende aber doch Coach bei Como 1907 in Italien.
Eine ähnliche Hängepartie soll es in diesem Jahr nicht geben. Hjulmand betonte, dass er bereit wäre, weiterzumachen. „Ich habe einen Vertrag und bin sehr froh hier“, sagte er. „Natürlich gibt es in jedem Prozess Dinge, die wir besser machen können: in unserer Zusammenarbeit, in unserem Spiel, in unserer Art und Weise.“ Die Gelegenheit zur Verbesserung wird er aller Voraussicht nach nicht mehr bekommen. Und so wird das Endspiel um die Champions League wohl auch sein Endspiel bei Bayer 04.
Leverkusen: Flekken – Quansah, Badé, Tapsoba – Culbreath, Palacios, García, Grimaldo – Maza, Tillman – Schick; Hamburg: Heuer Fernandes - Omari, L. Vuskovic, Torunarigha - Jatta, Remberg, Lokonga, Grönbaek - Fabio Vieira - Königsdörffer, Stange; Schiedsricher: Stieler (Sölden).

