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„In Deutschland alle Titel gewinnen“Vazquez soll der neue Anführer bei Bayer 04 werden

6 min
28.08.2025, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Lucas Vázquez, neuer Spieler bei Bayer Leverkusen, steht im Stadion. Vázquez kommt ablösefrei, sein Vertrag bei Real Madrid war zum Ende der vergangenen Saison ausgelaufen. Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Lucas Vázquez, neuer Spieler bei Bayer Leverkusen, steht am Donnerstag in der Bay-Arena.

Lucas Vazquez kommt von Real Madrid zu Bayer 04 und soll mit seiner Erfahrung den XL-Umbruch begleiten. Am Donnerstag stellte er sich vor.

Am Ende dieses Transferfensters werden bei Bayer 04 aller Voraussicht nach rund 30 Kaderbewegungen abgewickelt worden sein. Mehr als 15 Zugänge werden unterschrieben, nahezu ebenso viele Spieler den Verein verlassen haben. Es ist ein Umbruch, wie es ihn bei einem Topklub in Europa in einem einzigen Transferfenster womöglich noch nie gegeben hat. Sportgeschäftsführer Simon Rolfes und Kaderplaner Kim Falkenberg setzten zu Beginn der Transferperiode vor allem auf junge, motivierte, extrem talentierte Spieler, die bei entsprechender Entwicklung eine große Karriere vor sich haben.

Bis Dienstag war der älteste von zwölf Feldspielern, die Leverkusen in diesem Sommer verpflichtet hat, der 25 Jahre alte Loic Badé. Doch die sportliche Leitung und Trainer Erik ten Hag waren sich letztlich einig, dass es weiteres Führungspersonal benötigt, um den riesigen Umbruch zu begleiten. Am Dienstag präsentierte Bayer 04 Lucas Vazquez – die personifizierte Erfahrung. Kaum ein anderer Spieler, der für Leverkusen zu haben ist, wäre besser dafür geeinigt, einem Team zu vermitteln, was eine Siegermannschaft ausmacht.

Der 34-Jährige wurde zunächst ab 2007 bei Real Madrid ausgebildet, durchlief dort ab der U17 alle Jugendmannschaften. Nach einer Leihe zu Espanyol Barcelona stand Vazquez von 2015 bis 2025 im Profikader der Königlichen, gewann dort unter anderem fünf Mal die Champions League, absolvierte mehr als 400 Pflichtspiele für Real, das er in der vergangenen Saison auch mehrmals als Kapitän aufs Feld führte. Am Donnerstag stellte sich der Königstransfer von den Königlichen in der Bay-Arena bei einer Pressekonferenz vor, lächelte viel, beantwortete die Fragen bestimmt und prägnant. „Ich bin sehr motiviert. Wir haben ein gutes Team, mit dem wir große Dinge erreichen können. Wir werden alles dafür tun“, sagte er.

Lucas Vazquez hatte auch Angebote aus USA und Saudi-Arabien

In Madrid war nach der Verpflichtung von Trent Alexander Arnold für ihn ungewiss, wie viel Spielzeit er unter dem neuen Coach Xabi Alonso erhalten werde. Also trennten sich die Wege zum Saisonende. „Als ich meine Zeit bei Real Madrid beendet hatte, wusste ich, dass ich weiterhin auf höchstem Niveau spielen wollte, ich war offen für viele Optionen“, betonte Vazquez. „Jetzt habe ich eine sehr gute Option für mich und meine Familie gefunden. Ich bin sehr motiviert, hierherzukommen, um in der Bundesliga zu spielen, die eine der großen Ligen in Europa ist.“ Auch Klubs aus der nordamerikanischen MLS oder aus der saudischen Pro League hatten Interesse am 1,73-Meter großen spanischen Ex-Nationalspieler. Am Ende entschied er sich für das Projekt Bayer 04.

Der Kontakt bestand schon länger, verriet Vazquez, doch seit dem vergangenen Wochenende ging dann alles ganz schnell. Auch, weil sich die Leverkusener Verantwortlichen nicht mit OGC Nizza auf eine Ablösesumme für Rechtsverteidiger Jonathan Clauss (32) einigen konnten. „Der Klub und das Team wollen guten Fußball spielen und viele Siege holen“, erzählte Vazquez über die Gespräche mit Rolfes. „Es ist klar, dass es sehr schwierig ist, die Champions League zu gewinnen. Aber hier in Deutschland werden wir versuchen, alle Titel zu gewinnen. Ich glaube, dass man, neben dem Ziel, Titel zu erreichen, auch guten Fußball spielen muss, um die Leute zu begeistern.“

Das gelang am ersten Bundesligawochenende noch überhaupt nicht. Beim verdienten 1:2 gegen die TSG Hoffenheim zum Auftakt blieb die Werkself nahezu alles schuldig, was sie in den vergangenen Jahren unter Xabi Alonso ausgemacht hatte. Vazquez hat die erfolgreiche Leverkusener Zeit mit dem Doublesieg ohne eine einzige Niederlage 2023/2024 verfolgt. „Natürlich. Es war für Xabi persönlich eine sehr gute Station. Sein Team hat sehr gut gespielt, er hat sehr wichtige Titel geholt und den Klub und auf der ganzen Welt bekannter gemacht“, betonte der in A Coruña im nordwestlichen Galizien geborene Spanier. Über den misslungenen Start in die neue Saison urteilte er: „Der Anfang ist immer schwierig, aber nach und nach, mit jedem Sieg, wird das Selbstvertrauen aller Spieler steigen und wir werden in der Lage sein, eine sehr gute Version unserer Mannschaft zu zeigen.“

Unter ten Hag muss sich das neu zusammengewürfelte Team erst finden. Vazquez beschrieb seine Rolle so: „Ich möchte meine Arbeit, meine Arbeitsphilosophie vermitteln. Simon sagte zu mir, dass das Team ein sehr gutes Team ist, ein junges Team, in dem ich meine Erfahrung weitergeben kann.“ Aus den ersten Gesprächen mit ten Hag wurde allem Anschein nach aber noch nicht genau deutlich, welche Rolle für Vazquez vorgesehen ist. Ten Hag gilt als Verfechter eines Systems mit Viererkette, bisher war er aufgrund des vorhandenen Personals aber dazu gezwungen, das altbewährte 3-4-2-1 spielen zu lassen. Hält der Trainer daran fest, ist die Position für Vazquez die des rechten Flügelverteidigers. Mit einer Viererkette könnte er aber auch den Flügelstürmer geben. „Ich habe auf vielen Positionen gespielt. Ich habe mich in den vergangenen fünf Jahren sehr gut an die rechte Seite gewöhnt. Ich habe die meisten meiner Spiele dort gespielt. Hier werden wir sehen, was der Trainer von mir erwartet, und ich werde versuchen, es in jeder Position so gut wie möglich zu machen“, sagte Vazquez, der sich vor dem Wechsel Tipps von den Ex-Leverkusenern Toni Kroos, Dani Carvajal und Xabi Alonso eingeholt hatte.

Alonso schwärmte unter anderem von der Lebensqualität in Deutschland und Düsseldorf. Generell freue sich Vazquez auf die neue Erfahrung in einem fremden Land, mit einer anderen Kultur und anderem Fußball. „Die Bundesliga ist eine physisch stärkere Liga als die spanische La Liga. Es gibt viele hochkarätige Gegner, auch die Auswärtsspiele sind sehr schwer“, betonte er. „Für mich ist es eine große Motivation, hierher zu kommen und mich neuen Herausforderungen stellen zu können. Ich freue mich wirklich darauf, hier anzufangen und das alles zu erleben.“ Wer mehr als ein Jahrzehnt bei Real Madrid gespielt hat, ist das Siegen gewohnt, weiß, welche Faktoren Mannschaften zu Gewinnermannschaften machen. „Das große Geheimnis bei Real war, dass wir eine Periode hatten, in der das Team eine sehr geschlossene, intakte Gruppe war“, erzählte er. „Alle sind in die gleiche Richtung gegangen Der Erfolg von Teams wird nicht von Stars erreicht. Wir haben hier ein großartiges Team, und wenn wir alle in die gleiche Richtung gehen, werden wir diese Saison sehr genießen können.“

Debüt bei Werder Bremen?

Ob Vazquez schon beim Auswärtsspiel bei Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr, Sky und Dazn) in der Startelf stehen wird, ist fraglich. „Fußball ist ein Sport, bei dem man mit seinen Mannschaftskameraden trainieren muss, um 100 Prozent zu erreichen. Und man muss mit seinen Mannschaftskameraden Spiele bestreiten“, sagte Vazquez. „Ich habe natürlich viel trainiert, mir geht es körperlich gut, aber ich denke, dass meine Kollegen im Moment körperlich besser drauf sind als ich. Ich werde mich allmählich verbessern. Ich werde dem Trainer zur Verfügung stehen, wenn er mich braucht und so lange er mich braucht.“ Gut möglich, dass ten Hag seinen neuen Königstransfer schon in Bremen von Beginn an und sehr lange brauchen wird. Denn der Coach und seine Mannschaft stehen schon am zweiten Spieltag gewaltig unter Druck.