Der Aussetzer des Kapitäns ebnet die 0:1-Niederlage von Bayer 04 bei Union Berlin.
Andrich patzt bei Leverkusens Pleite„In dem Moment habe ich alles falsch gemacht“

Einen Nachmittag zum Vergessen in Berlin erlebte Leverkusens Kapitän Robert Andrich (r.).
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Die Fans von Union Berlin haben ein Herz für ihre Helden. Während am Samstagnachmittag vor dem Beginn der Bundesligapartie gegen Bayer 04 alle Leverkusener Profis bei der Verkündung der Aufstellung durch den Stadionsprecher Pfiffe und Beschimpfungen kassierten, wurde der Ex-Eiserne Robert Andrich in der Alten Försterei als „Fußballgott“ geadelt – wie sämtliche aktuelle Berliner Profis. Obwohl dem Union-Anhang hier noch nicht klar sein konnte, dass Andrich der Wegbereiter des 1:0-Heimsiegs der Köpenicker werden würde. „In dem Moment habe ich alles falsch gemacht“, beschrieb der 31 Jahre alte Werkself-Kapitän, der von 2019 bis 2021 bei Union unter Vertrag stand, die verhängnisvolle Situation in der 28. Minute.
Robert Andrich patzt, Rani Khedira trifft
Berlin hatte druckvoll begonnen. Leverkusen, nach den zuletzt erfolgreichen Auftritten in Champions League, DFB-Pokal und Bundesliga auf fünf Positionen verändert, hatte einige Mühe mit den kampfeslustigen Gastgebern – und kassierte folgerichtig den Nackenschlag. Nach einem langen Ball in Richtung Rani Khedira stand Andrich zunächst zwischen Ball und Gegner, schaltete dann aber ab und verlor den Ball. Unions Kapitän traf sehenswert per Lupfer zum Tor des Tages. „Erst stehe ich gut, habe den Körper vor dem Ball. Aber dann unterschätze ich die Situation. Das darf mir natürlich nicht passieren. Damit leite ich das Spiel in eine Richtung, in der sich Union dann wohler fühlt“, gestand Andrich. Womöglich hätte Torhüter Janis Blaswich energischer rauskommen können, doch das wollte der Nationalspieler nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Das Ding geht komplett auf meine Kappe“, sagte Andrich. „Allgemein tut so ein Fehler brutal weh. Hier bei Union tut es nochmal besonders weh – und die Niederlage macht es noch schlimmer.“

Hier verliert Robert Andrich (r.) den entscheidenden Zweikampf gegen Rani Khedira.
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Nach schläfriger erster Halbzeit legte Bayer 04 in der zweiten Hälfte einen Gang zu, immer wieder angetrieben vom agilen Ibrahim Maza – der als Ex-Herthaner in Köpenick deutlich weniger Liebe als Andrich zu spüren bekam. Der Offensivspieler setzte durch seine Antritte und seine Dribbelstärke immer wieder Akzente. Doch Union hatte sich in der Defensive häuslich eingerichtet. Der von Steffen Baumgart staunend zur Kenntnis genommene Dreifachwechsel nach einer Stunde – Patrik Schick, Lucas Vázquez und Ernest Poku kamen aufs Feld – sorgte für noch mehr Druck. Allerdings kam mit Ausnahme zweier großer Kopfballchancen Schicks in der Nachspielzeit nicht viel beim Leverkusener Anrennen heraus. Union hatte die Abwehrschlacht gewonnen. „Mit ein bisschen Glück rutscht einer von den Kopfbällen rein. Das brauchst du vielleicht, um bei Union Berlin ein Tor zu machen. Gerade, wenn sie so tief wie in der zweiten Halbzeit verteidigen“, resümierte Andrich.
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Eine Frage der Qualität
Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand hielt sich mit Vorwürfen an seine Mannschaft zurück – trotz des schmerzhaften Rückschlags im Kampf um die Champions-League-Plätze. „Eigentlich war unser Spiel okay. Aber dieses erste Gegentor war der große Unterschied. Dann kann Union tief stehen, und gut verteidigen können sie. Wir schlagen um die 40 Flanken“, sagte der Däne. „Wir haben alles versucht, hatten mehr und mehr Offensivspieler auf dem Platz. Aber das letzte Glück, die letzte Qualität und der letzte Punch haben gefehlt.“ Auch für Keeper Blaswich war es eher eine Frage der Qualität als eine Frage der Einstellung: „Wir haben alles versucht. An der Mentalität lag es nicht, am Willen lag es nicht.“
Pechvogel Andrich wollte auch das holprige Geläuf der Alten Försterei nicht als Ausrede anbringen. Immerhin hatte der Untergrund wochenlangen Frost, Schneefälle, ein plötzliches Auftauen sowie den Sieg der Union-Frauen gegen den 1. FC Köln (2:1) am Freitagabend verkraften müssen. „Wir wussten, dass der Rasen kein Filet sein würde“, meinte Andrich. „Wobei man es ja kaum Rasen nennen kann. Ein Fußball-Leckerbissen war nicht zu erwarten. Dazu fühlt sich Union natürlich wohler, wenn der Ball fliegt, als wenn er auf dem Boden ist. Aber das ist eine billige Ausrede.“
Dienstag ist Piräus zu Gast in Leverkusen
Letztlich blieb dem Kapitän nur der Blick nach vorne auf die Champions League. Am Dienstag ist Olympiakos Piräus zum Playoff-Rückspiel in der Bay-Arena zu Gast (21 Uhr/Prime Video). „Heute sind wir sauer, aber es muss weitergehen. Am Dienstag müssen wir den nächsten Schritt machen“, sagte Andrich.

