Die Werkself legt den schlechtesten Jahresstart seit 2004 hin. In Sinsheim ließ Bayer 04 die Grundlagen vermissen.
Leverkusens 0:1-Niederlage gegen HoffenheimBayer 04 bleibt unter seinem Niveau

Die Leverkusener Profis sichtlich enttäuscht nach der Niederlage gegen den direkten Konkurrenten aus Sinsheim.
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Mit finsterer Miene schritt Leverkusens Trainer Kasper Hjulmand zur Pressekonferenz im Innenraum der PreZero-Arena. Zuvor hatte seine Mannschaft die zweite Niederlage in Folge kassiert: nach dem krachenden 1:4 gegen den VfB Stuttgart in der vergangenen Woche verlor die Werkself zum Rückrundenauftakt am Samstag mit 0:1 (0:1) bei der TSG Hoffenheim.
Kein „Feuer“ auf dem Platz
Der Däne versprach vor der Partie „Feuer“ von seinen Profis, doch nach einem mauen und ideenlosen Auftritt war auch er um Erklärungen bemüht: „Es bestehen keine Zweifel daran, dass die Spieler Feuer haben. Wir haben die richtigen Lösungen nicht gefunden, unsere Zweikämpfe waren am Anfang nicht gut. Manchmal sind es auch die Positionen. Es ist eine andere Art von Spiel. Es ist eben nicht nur Feuer. Insgesamt haben wir unter unserem Level gespielt.“
Durch die Niederlage rutschte Leverkusen auf den sechsten Tabellenplatz ab. Weil Tabellenführer Bayern München im Topspiel RB Leipzig mit 5:1 demontierte, sind es immerhin nur vier Punkte auf den vierten Tabellenplatz. Zum wenig inspirierenden Auftritt der Leverkusener passte die Laufstatistik: Die Hoffenheimer liefen mehr als sieben Kilometer mehr als Leverkusen. Auch bei den Niederlagen gegen Dortmund, Augsburg und Stuttgart lief der Gegner immer mindestens vier Kilometer mehr. Die TSG spielte – wie von Hjulmand angekündigt – häufig im Eins gegen Eins, schlug viele lange Bälle und lauerte auf die zweiten Bälle.
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Dennoch gelang es Leverkusen kaum, dagegen Lösungen zu finden. Hoffenheim war zielstrebiger und gefährlicher in der gegnerischen Hälfte. Nach einem Foul von Leverkusens Jarell Quansah zirkelte Wouter Burger den anschließenden Freistoß aus etwa 28 Metern sehenswert in den Winkel – 1:0 (9.). Keeper Mark Flekken spekulierte, stand aber deutlich zu weit vor dem Tor. Immerhin verhinderte der Niederländer mit guten Paraden Schlimmeres, ehe sich der 32-Jährige bei einer Rettungsaktion verletzte und ausgewechselt werden musste. Ersatzkeeper Janis Blaswich debütierte für Bayer. Auch Flügelspieler Nathan Tella musste nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung den Platz verletzungsbedingt verlassen. Am Sonntag gab der Klub bekannt, dass beide längerfristig ausfallen werden. Flekken erlitt eine Verletzung im Knie, Tella am rechten Fuß. Genauere Informationen gab es nicht, dennoch ist davon auszugehen, dass beide mehrere Wochen fehlen werden.
Die Niederlage gegen Hoffenheim markierte die vierte Niederlage aus den letzten sechs Bundesliga-Partien, drei davon gegen direkte Konkurrenten (Stuttgart, Hoffenheim Dortmund), die um die Champions League mitspielen. Dort will Leverkusen auch hin, muss sich aber nach dem schlechtesten Jahresstart seit 2004 deutlich steigern. Hjulmand erklärte: „Mit den Niederlagen sind wir natürlich nicht zufrieden. Wir müssen uns verbessern. Es gibt noch viele Spiele. Wir schauen nach vorn. Aber wir müssen stabiler sein.“
Am Dienstag bei Olympiakos Piräus
Und das schon bald. Am Dienstag trifft Leverkusen in der Champions League auf Olympiakos Piräus, einen traditionell unangenehmen Gegner, dessen fanatische Anhänger im Georgios-Karaiskakis-Stadium für einen Hexenkessel sorgen. Bis dahin „werde man das Spiel aufarbeiten“, so Leverkusens Kapitän Robert Andrich bei Werkself-TV: „Es wird sehr viele Sachen geben, an denen wir arbeiten müssen. Dass, wenn uns ein Gegner Eins gegen Eins presst, wir nicht immer diese Probleme haben. Uns hat an vielen Stellen ein Stück gefehlt.“ In Piräus muss auch die in Sinsheim so blasse Offensive wieder an Farbe gewinnen. Malik Tillman verschwand nahezu komplett.
Und weder die bemühten Stürmer Patrik Schick und Christian Kofane erhielten verwertbare Pässe von ihren Mitspielern, noch war die Kreativität eines Alejandro Grimaldo oder das Tempo von Ernest Poku zielgerichtet vorhanden. Zu oft war man in Sinsheim in wichtigen Zweikämpfen unterlegen. Leverkusens Geschäftsführer-Sport Simon Rolfes hofft auf Besserung am Dienstag: „Es wird natürlich ein anderes Spiel, auch wenn Piräus mit vielen langen Bällen spielt. Grundsätzlich muss man das Spiel des Gegners annehmen, um dann selbst zu spielen. Man muss dagegen halten, dann kann man sein Spiel aufziehen. Dort wird eine irre Stimmung sein, ein heißer Kampf. Es wird viel um Zweikämpfe gehen.“
Der 43-Jährige nahm die Mannschaft dennoch in Schutz: „Es ist eine Saison, in der wir nicht stabil sein können. Es wird immer Phasen geben, in denen es hakt, das hatten wir in der Hinserie auch. Da muss das Team wachsen. Sie kann es besser als heute. Es ist nicht verwunderlich, dass da Niederlagen kommen.“
Rolfes liegt damit nicht falsch: Die junge Mannschaft befindet sich noch im Aufbau. Viele Spieler erleben ihre erste Saison auf diesem Niveau, teils unter internationaler Belastung; Automatismen und Vertrauen müssen erst wachsen. Doch Zeit ist im Profifußball knapp. Bleiben Ergebnisse aus, werden die kommenden Wochen – mit Piräus, Bremen, Villarreal, Frankfurt und dem Pokalspiel gegen St. Pauli – zur Bewährungsprobe. Gelingt die Wende nicht, droht aus der noch erklärbaren Schwäche ein gefährlicher Abwärtssog zu werden.


