Der 18-Jährige zeigt beim Startelfdebüt für die Werkself eine starke Leistung und ist am einzigen Treffer im Spiel gegen den HSV mit beteiligt.
Youngster Montrell CulbreathDas nächste Mittelfeldjuwel für Bayer 04 nach Wirtz und Co.?

Montrell Culbreath kämpft um den Ball mit dem Hamburger Giorgi Gocholeishvili.
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Für Bayer 04 Leverkusen war der Mittwochabend gleich doppelt bedeutsam. Die Werkself, zuvor seit drei Spielen ohne Sieg und zuletzt spürbar unter Druck, gewann beim Hamburger SV mit 1:0 – und präsentierte mit Montrell Culbreath eine Überraschung in der Startelf, die sich auszahlen sollte. Der 18-Jährige besetzte die rechte Seite, ließ defensiv kaum etwas zu und war an der Entstehung des Siegtreffers beteiligt: Sein Zuspiel auf Jarell Quansah leitete den Spielzug ein, der über Ibrahim Maza zu Christian Kofane lief.
Bayer 04 mit Mittelfeldjuwel
Der Stürmer nahm den noch aufspringenden Ball per Volley und jagte ihn zum 1:0-Endstand ins Netz. Dass Culbreath überhaupt von Beginn an spielte, kam selbst für ihn unerwartet. „Ich habe am Dienstag in der Besprechung meinen Namen auf dem Bildschirm gesehen. Das war überraschend, ich war schon etwas nervös“, sagte er nach dem Abpfiff. „Tagsüber konnte ich mich freuen, und in der Nacht vor dem Spiel habe ich sehr gut geschlafen.“ Trotz des Hamburger Hexenkessels ließ sich Culbreath, der in der Leverkusener U19 im Normalfall vor rund 200 und nun vor 57.000 Zuschauern spielte, nicht beirren. „In Hamburg herrscht eine großartige Stimmung. Aber ich war schnell im Fokus, daher konnte ich das schnell ausblenden.“
Auf dem Platz war das zu sehen. Culbreath agierte mit Einsatz und Spielwitz, warf sich in Zweikämpfe, zeigte sich mit dem Ball am Fuß agil, schnell und ideenreich. In der achten Minute hätte er per Kopf beinahe das Führungstor erzielt. Trainer Kasper Hjulmand hatte ihn bewusst aufgestellt – nicht zuletzt, weil Lucas Vázquez und Arthur verletzt fehlen und die rechte Seite damit vorerst unbesetzt ist. „Er hat von der Bank dreimal gut gespielt, im Training starke Leistungen gezeigt“, erklärte der Däne. „Er ist frisch und positiv gestimmt, hat einen super Charakter. Wir brauchen diese junge Mentalität nach vorne.“
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Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes schloss sich vorbehaltlos an: „Er hatte tiefe Laufwege, hat den Ball sicher gehalten, sehr intensiv gespielt. Ich freue mich für ihn. Er macht eine super Entwicklung.“ Als U17-Spieler war er vom 1. FC Kaiserslautern nach Leverkusen gewechselt, auch weil Lizenzleiter Thomas Eichin ihn ins Rheinland lotste, wie Culbreath erklärte: „Er hat sehr um mich gekämpft. Der Wechsel hat sich gelohnt. Dass mein Weg so schnell verläuft, hätte ich nicht erwartet. Das ist aktuell mein Traum“, sagte er.
Culbreath traf bereits gegen RB Leipzig
Bereits beim 3:1 gegen RB Leipzig im Dezember hatte er als Einwechselspieler debütiert und gleich getroffen – ein Einstand, der Appetit auf mehr machte. Vor sechs Wochen erhielt der Deutsche dann einen Profivertrag bis ins Jahr 2030. Sein Werdegang erinnert etwas an jene Profis, die der Klub hervorgebracht hatte: Kai Havertz oder Florian Wirtz nach seinem Wechsel aus Köln – beide spielten in der Werkself-Jugend, beide schafften den Sprung in den Profifußball und entwickelten sich zu Akteuren von Weltklasseformat.
Ob Culbreath in diese Reihe gehört, steht noch offen. Die ersten Eindrücke aber sind vielversprechend, und der Klub scheint bereit, ihm den Raum zu geben, den er braucht, um sein Potenzial zu entfalten. Das Spiel selbst war mehr als nur eine Bühne für den Youngster. Es zeigte eine Leverkusener Mannschaft, die – anders als zuletzt – mit höherer Intensität, aggressiverem Pressing und schnellerem Umschaltspiel auftrat.
Gegen tief stehende Hamburger taten sich die Gäste lange Zeit schwer, Lücken zu finden: Martin Terriers traumhafter Abschluss klatschte an die Latte, Maza verzog aus spitzem Winkel. Doch die Mannschaft blieb dran, ließ defensiv nur selten etwas zu – und falls, war Torwart Janis Blaswich im Weg – und wurde schließlich belohnt. „Wir haben sehr dominant gespielt, intensiver gepresst, und wenn wir den Ball verloren haben, ihn schnell wieder gewonnen“, bilanzierte Rolfes.
Bayer 04 zu Gast beim SC Freiburg
Durch den Sieg hat Bayer 04 den Rückstand auf einen Champions-League-Platz auf drei Punkte verkürzt. Am Samstag beim SC Freiburg bietet sich die nächste Gelegenheit, im Rennen um die Plätze Boden gutzumachen. Dort sind erneut Intensität und Charakter gefragt. Und aller Voraussicht nach könnte Culbreath wieder auf der rechten Seite gefordert sein.
Damit war der Mittwochabend doppelt bedeutsam: Ein wichtiger Sieg im Kampf um die Champions League – und die rechte Seite hat womöglich eine neue Antwort, die in Anbetracht der kommenden englischen Wochen und der verletzten Profis noch wichtig werden könnte. Damit bietet sich für den siebenfachen deutschen U-19-Spieler weiterhin die Chance, sich zu beweisen.


